Große Teile des Hafens und der anliegenden Wohngebiete wurden bei der Explosion vor mehr als einem Jahr massiv zerstört.

Foto: AP/Hassan Ammar

Beirut – Die Ermittlungen zur verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut sind zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen unterbrochen worden. Grund dafür seien Klagen gegen den Ermittlungsrichter Tarek Bitar, hieß es am Dienstag. Zwei ehemalige Minister reichten die Klage beim Kassationsgericht ein und forderten, dass Bitar seinen Posten räumt. Sie werfen ihm vor, bei der Befragung von Mitgliedern der Regierung gegen das Gesetz verstoßen zu haben.

Bei der Explosion waren im August 2020 mehr als 190 Menschen getötet und rund 6.000 verletzt worden. Große Teile des Hafens und der anliegenden Wohngebiete wurden massiv zerstört. Detoniert waren große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die über Jahre ohne Schutzmaßnahmen im Hafen gelagert worden waren.

Schon vor zwei Wochen hatte ein ehemaliger Minister, der im Rahmen der Ermittlungen befragt werden sollte, eine Beschwerde gegen Bitar eingereicht und die Untersuchung damit auf Eis gelegt. Vor einem halben Jahr hatten beschuldigte Ex-Minister bei Gericht ebenfalls beantragt, den Fall dem damals zuständigen Ermittlungsrichter zu entziehen und einem anderen zu übertragen. Das Kassationsgericht gab dem Antrag statt und Bitar wurde mit dem Fall betraut.

Die neuen Klagen folgten laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur NNA auf einen Haftbefehl gegen Ex-Finanzminister Ali Hassan Khalil. Dieser sei zu einer geplanten Befragung nicht erschienen. (APA, 12.10.2021)