Der Fall hatte im Oktober 2019 weltweit für Entsetzen gesorgt.

Foto: AP/Alastair Grant

Brüssel/London – Zwei Jahre nach dem Tod von 39 vietnamesischen Migranten in einem Kühllastwagen in Großbritannien müssen sich in Belgien 24 Angeklagte vor Gericht verantworten. Ihnen werde unter anderem Menschenhandel unter erschwerenden Umständen, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Urkundenfälschung vorgeworfen, hieß es am Mittwoch aus belgischen Justizkreisen. Die meisten Angeklagten sind Vietnamesen oder Belgier vietnamesischer Herkunft.

Eine erste Anhörung, bei der ein Zeitplan für den Prozess festgelegt werden soll, ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft für den 27. Oktober vor einem Gericht in Brügge angesetzt.

Der Fall hatte im Oktober 2019 weltweit für Entsetzen gesorgt. In einem Industriegebiet östlich von London waren in einem Lastwagen die Leichen von 31 Männern und acht Frauen entdeckt worden. Laut Obduktionsbericht starben sie, eingesperrt in dem Container, an Sauerstoffmangel und Überhitzung.

Container aus Belgien

Der Container stammte aus der belgischen Hafenstadt Zeebrugge. Die belgische Justiz hatte deshalb – genau wie die Verantwortlichen in Großbritannien und Vietnam – Ermittlungen eingeleitet. Bei Durchsuchungen im Mai 2020 wurden 13 Verdächtige festgenommen, elf weitere wurden später verhaftet. Ihnen drohen nun Haftstrafen von bis zu 15 Jahren sowie Geldstrafen zwischen 1.000 und 15.000 Euro pro Opfer.

In Großbritannien wurden in dem Fall im Jänner bereits sieben Männer zu Haftstrafen zwischen drei und 27 Jahren verurteilt. In Vietnam wurden im September 2020 gegen vier Männer Haftstrafen zwischen zweieinhalb und siebeneinhalb Jahren verhängt, drei weitere kamen mit Bewährungsstrafen davon. (APA, 13.10.2021)