Ein Reuters-Bericht erhebt schwere Vorwürfe gegen den Internetgiganten. Amazon soll unter anderem zu eigenen Gunsten Suchergebnisse manipuliert haben.

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Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren will Amazon zerschlagen sehen.

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Seattle/Neu-Delhi – Nach einem Reuters-Bericht über mutmaßlich unlautere Geschäftspraktiken des Internet-giganten Amazon in Indien werden Rufe nach Konsequenzen laut. Die US-Senatorin Elizabeth Warren bekräftigte ihre Forderung nach einer Zerschlagung des Konzerns. Die prominente Demokratin verwies auf den Reuters-Bericht, wonach Amazon in Indien die Suchergebnisse zugunsten eigener Produkte manipuliert und Waren anderer Verkäufer kopiert hat.

Das bestätige Befürchtungen, dass der Konzern seine Monopolmacht ausnutze. "Das ist einer der vielen Gründe, warum wir ihn zerschlagen müssen." Warren kritisiert seit Jahren die Marktmacht von Unternehmen wie Amazon und fordert deren Zerschlagung.

Manipulation zu eigenen Gunsten

Wie eine Auswertung tausender interner Amazon-Dokumente – E-Mails, Strategiepapiere und Geschäftspläne – durch Reuters ergab, manipulierte der US-Konzern in Indien systematisch Suchergebnisse und kopierte Produkte anderer Hersteller, um die eigenen Waren besser zu verkaufen. Dafür nutzte das Eigenmarkenteam des Unternehmens in Indien heimlich interne Daten der Seite amazon.in. Amazon-Angestellte suchten sogenannte "Benchmark"- oder "Reference"-Produkte anderer Hersteller, um sie nachzumachen. Die Dokumente zeigen auch, dass hochrangige Manager Kenntnis von dieser Strategie hatten. Amazon erklärte, die Vorwürfe seien faktisch falsch und substanzlos.

Widerstand unter indischen Händlern

Auch in Indien rührt sich Widerstand gegen die Praktiken des Internetriesen. Interessenvertreter fordern eine Untersuchung der Angelegenheit durch die Regierung. "Amazon verursacht einen großen Nachteil für die kleinen Hersteller. Sie naschen von dem Kuchen, der nicht für sie bestimmt ist", sagt Praveen Khandelwal von der Confederation of All India Traders. Die Gruppe vertritt nach eigenen Angaben 80 Millionen Geschäfte. Indische Einzelhändler werfen ausländischen E-Commerce-Unternehmen wie Amazon und der Walmart-Tochter Flipkart seit längerem unlautere Geschäftspraktiken vor, die kleineren Unternehmen schaden. Amazon und Co bestreiten das.

In einer eidesstattlichen Aussage vor dem US-Kongress im vergangenen Jahr hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos erklärt, das Unternehmen verbiete seinen Mitarbeitern, Daten über einzelne Verkäufer zu verwenden, um sein Eigenmarkengeschäft zu unterstützen. (APA, Reuters, 14.10.2021)