Mark van Bommel kann beim VfL Wolfsburg seinen Vorgänger Oliver Glasner noch nicht vergessen machen.

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Matthias Jaissle lässt bei Red Bull Salzburg seinen Vorgänger Jesse Marsch schon fast vergessen.

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Wolfsburg ist nicht der schillerndste Fußballverein Deutschlands.

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Ticker: Salzburg vs. Wolfsburg, Mi. 18.45 Uhr

Es gibt Fußballklubs, die polarisieren. Real Madrid, Bayern München oder etwa Rapid. Aber der VfL Wolfsburg? Da gibt es kaum zwei Meinungen. In Umfragen wird die hundertprozentige Volkswagen-Tochter seit Jahren zum unbeliebtesten Klub Deutschlands gewählt. "Bei uns ist das Glas immer eher halbleer als halbvoll", sagt Sportdirektor Marcel Schäfer. Er fordert mehr Anerkennung. Dass der VfL einmal deutscher Meister war (2009), daran erinnert sich außerhalb von Wolfsburg kaum jemand.

Wolfsburg, das ist eine kleine, an eine Autofabrik angeschlossene Retortenstadt zwischen Berlin und Hannover, durch die schon einmal die Deutsche Bahn durchrauscht, weil der Lokführer zu spät zu bremsen begonnen hat. Dabei hat sich Salzburgs dritter Champions- League-Gegner gewandelt, die traurigen Jahre sind vorbei. 2018 hielt sich Wolfsburg zum zweiten Mal in Folge mit Ach und Krach über den Umweg Relegation in der Bundesliga, und dann: Europa League, Europa League, Champions League.

Gegenentwurf

Es gab lange Zeit einen guten Witz über Wolfsburg. Die Werkself sei der solitäre Gegenentwurf zum turbokapitalisierten Fußball des neuen Jahrtausends, in dem das Geld über den Erfolg bestimmt. Wolfsburg schaffe es, trotz des vielen Geldes schlecht abzuschneiden.

Das hat sich insofern geändert, als dass die Werkself vergangene Saison unter dem Oberösterreicher Oliver Glasner nur sieben Niederlagen kassierte und Vierter wurde. Glasner werkt mittlerweile in Frankfurt, sein Nachfolger auf der VfL-Trainerbank, der Niederländer Mark van Bommel, steht bereits in der Kritik. Zuletzt gab es in der Liga ein 0:2 gegen Union Berlin. In acht Partien wurden magere neun Treffer erzielt, nach vier Siegen und einem Remis zum Ligastart gab es zuletzt drei Niederlagen in Folge.

Gut im Geldausgeben

Österreichs Teamspieler, der verletzte Xaver Schlager und Ersatzgoalie Pavao Pervan, können jedenfalls nichts dafür. Van Bommel ist um Ruhe bemüht: "Wenn man selbst kein Tor schießt, kann man auch nicht gewinnen." VW und Wolfsburg haben sich viel vorgenommen für diese Saison, 52 Millionen Euro in Spieler investiert, nur die Bayern haben mehr Geld ausgegeben. Geschäftsführer Jörg Schmadtke nimmt van Bommel in Schutz. Mit dem ehemaligen Bayern-Raubein will der VfL den nächsten Schritt machen: schnelleres Spiel, bessere Lösungen gegen tiefstehende Mannschaften. Spitzenteam-Fußball. Bereits höchst erfolgreich sind übrigens Wolfsburgs Fußballerinnen. Die Wölfinnen waren zuletzt viermal in Folge deutscher Meister, gewannen bereits zweimal die Champions League.

"Wolfsburg ist nicht New York oder München, aber Wolfsburg muss sich auch nicht unnötig kleinmachen", sagte einmal Klaus Allofs, ehemaliger Sportdirektor. Dabei gibt es in der 123.000-Einwohner-Stadt im deutschen Bundesland Niedersachsen nicht nur Autos und Fußball. Mit dem Badeland hat Wolfsburg Norddeutschlands größtes Freizeit- und Erlebnisbad, das Wissenschaftsmuseum Phaeno, ein von der Architektin Zaha Hadid entworfener Betonkasten am Wolfsburger Hauptbahnhof, wurde einmal zu einem der bedeutendsten modernen Bauwerke der Welt gekürt. Und das örtliche Kunstmuseum ist quasi das New Yorker Museum of Modern Art in Klein, nur ohne Warteschlangen vor der Tür.

Kooperation mit St. Pölten

Sportlich schlug Wolfsburg im Sommer eine Brücke nach Österreich. Mit Zweitligist SKN St. Pölten wurde eine Kooperation beschlossen, die deutschen Talenten eine neue Spielwiese eröffnet. Der kurze Weg zum Erwachsenenkick erscheint den Deutschen vielversprechender als ihre in der Regionalliga kickende U23, die sie kurzerhand auflösten. Der Aufwand stehe in keinerlei Verhältnis zum Ertrag, stellte Sportdirektor Schäfer klar.

Derartige Nachwuchssorgen hat Red Bull Salzburg nicht. Kooperationsklub Liefering liefert Talente am laufenden Band. Das könnte am Mittwoch auch für Wolfsburg unangenehme Folgen haben. Zudem haben die Deutschen einen schwerwiegenden Ausfall zu beklagen. Goalgetter Wout Weghorst infizierte sich mit Corona. Der 29-jährige Niederländer hält diese Saison bereits bei elf Toren, acht davon in der Bundesliga, zwei in der Champions League. Kein Grund zur Sorglosigkeit für Salzburgs neuesten Erfolgscoach Matthias Jaissle. (Florian Vetter, 19.10.2021)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen zum Spiel der Fußball-Champions-League Salzburg – Wolfsburg am Mittwoch:

Gruppe G – 3. Runde:

Red Bull Salzburg – VfL Wolfsburg (Wals-Siezenheim, Red Bull Arena, 18.45 Uhr/live ServusTV, Sky, SR Daniele Orsato/ITA)

Salzburg: Köhn – Kristensen, Onguene, Wöber, Ulmer – Sucic, Camara, Aaronson, Seiwald – Okafor, Adeyemi

Ersatz: Mantl – Okoh, Guindo, Bernardo, Kjaergaard, Bernede, Capaldo, Adamu, Simic

Es fehlen: Junuzovic (Ferse), Koita (Kreuzbandriss), Solet (Meniskusriss), Vallci (Achillessehne), Piatkowski (Knöchelbruch), Sesko (Muskelfaserriss Oberschenkel)

Wolfsburg: Casteels – Mbabu, Lacroix, Bornauw, Roussillon – Vranckx, Arnold – Baku, Philipp, Steffen – L. Nmecha

Ersatz: Pervan – Brooks, Paulo Otavio, Van de Ven, Gerhardt, F. Nmecha, Ginczek, Lukebakio, Waldschmidt

Es fehlen: Guilavogui (gesperrt), Schlager, William (beide Knie), Weghorst (Corona)

Ebenfalls am Mittwoch (21.00 Uhr): OSC Lille – FC Sevilla

Modus: Top zwei im Achtelfinale, Gruppendritter im Sechzehntelfinale der Europa League

Bereits gespielt: Sevilla – Salzburg 1:1, Lille – Wolfsburg 0:0, Salzburg – Lille 2:1, Wolfsburg – Sevilla 1:1

Noch zu spielen: Wolfsburg – Salzburg, Sevilla – Lille (2. November), Lille – Salzburg, Sevilla – Wolfsburg (23. November), Salzburg – Sevilla, Wolfsburg – Lille (8. Dezember)