Greenidge Generation ist ein einst in den Konkurs geschlittertes Kohlekraftwerk, das mit Förderung des Bundesstaates New York auf Erdgas umgerüstet wurde.

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Es geht weiter rund in der Kryptowelt. Nachdem China das Mining von Bitcoin und Co praktisch verboten hat, suchen die Betreiber von Farmen nach neuen Standorten. Günstige Energiepreise locken sie dabei auch in die USA. Dort bereits tätig ist das Unternehmen Atlas Holdings. Im Bundesstaat New York betreibt man ein Kraftwerk, das primär Energie für Bitcoin-Mining liefert. Umweltschützer sind alarmiert.

Die Vorgeschichte des Kraftwerks beinhaltet einige durchaus bedenkliche Punkte. 2014 erwarb Atlas das 2011 mangels Versorgungsnachfrage in Konkurs geschlitterte Kohlekraftwerk Greenidge Generation. Man schaffte es auch, sich zwei Millionen Dollar an Förderungen des Bundesstaats für eine Umrüstung auf Erdgas zu sichern, die Energie mit besserer Ökobilanz sicherstellen sollte.

Großteil des Stroms fließt ins Mining

Laut Grist wurden dabei auch übliche, aber nicht verpflichtende Umweltchecks ausgelassen, und es sollen in dieser Zeit auch Spenden in Richtung des demokratischen Gouverneurs Andrew Cuomo geflossen sein, der infolge von schwerwiegenden Vorwürfen bezüglich sexueller Übergriffe gegen Mitarbeiterinnen sowie geschönter Covid-Zahlen in Pflegeheimen im vergangenen August zurückgetreten ist.

Nach dem Umbau eröffnete das Kraftwerk 2017 wieder und verbrannte nun aus Fracking gewonnenes Erdgas zur Stromerzeugung. Doch der Bedarf in der Region war nach wie vor gut gedeckt. Die Energie wurde stattdessen in eine stetig wachsende Bitcoin-Farm gesteckt. Im März 2020 soll der Stromoutput von damals 14 Megawatt praktisch exklusiv ins Mining geflossen sein.

Mittlerweile, so berichtet ABC News, produziert das Kraftwerk etwa 44 Megawatt, um 15.300 Rechner für die Mining-Operationen zu betreiben. Nach eigenen Angaben wandte man zwischen Jänner und Juni 58 Prozent des Outputs dafür auf, die restliche Energie wurde ins Stromnetz eingespeist. Die Maximalleistung des Kraftwerks liegt bei 106 Megawatt.

729 Bitcoins

Bis inklusive September konnte Greenidge 729 Bitcoin minen. Die Kryptowährung befindet sich aktuell wieder im Aufschwung und könnte bald ein neues Allzeithoch erreichen. Derzeit liegt der Kurs bei rund 54.000 Euro, womit der Kryptobestand des Unternehmens aktuell etwa 40 Millionen Euro wert wäre. Der Betrieb des Kraftwerks erfolge CO2-neutral, versichert man, da man den eigenen Ausstoß durch den Ankauf von Zertifikaten abfedere. Zudem betont man, neue wirtschaftliche Impulse in der Region zu setzen und 45 gut bezahlte Jobs geschaffen zu haben.

Eine Vereinigung mehrerer Umweltschutzinitiativen sieht das "Kryptokraftwerk" aber gleich als mehrfache Bedrohung für Bemühungen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Sie fürchten, dass dieses Beispiel Schule machen und die Spekulation in diese und andere Digitalwährungen eine Renaissance fossiler Energien einläuten könnte. Sie kritisieren zudem, dass das Unternehmen offiziell zwar als Energieanbieter agiert, aber eigentlich hauptsächlich Strom für Kryptozwecke generiert. Allein in New York ortet man 30 Kraftwerke, bei denen Ähnliches geschehen könnte.

Konfliktpunkt Luftverschmutzung

Es geht aber auch um lokale Auswirkungen auf die Umwelt. Darunter fallen etwa die Entnahme von Kühlwasser aus dem Seneca Lake und die Einspeisung des erwärmten Wassers in einen nahen Fluss, der als Forellenhabitat bekannt ist. Besondere Sorge bereitet aber die Luftverschmutzung. Die Genehmigungen des Kraftwerks in dieser Hinsicht werden aktuell vom Department of Environmental Conservation überprüft.

Die Umweltschützer haben Gouverneurin Kathy Hochul aufgefordert, besagte Genehmigungen nicht mehr zu verlängern und für ein anderes Kraftwerk im Bundesstaat, das ebenfalls zu einer Kryptofarm werden könnte, nicht zu erteilen. Man wünscht sich für den Bundesstaat im Sinne der Klimaziele überhaupt ein Moratorium für das Mining von Kryptowährungen, die auf das energieintensive Proof-of-Work-Verfahren setzen.

Dorsey: Miner und Energieversorger wachsen zusammen

Das Greenidge-Kraftwerk ist aber längst nicht das einzige Beispiel. In anderen Bundesstaaten, etwa Pennsylvania und Montana, stehen Kraftwerke, die Strom aus Kohle erzeugen und diesen fast oder ausschließlich für Mining-Operationen bereitstellen.

Der von Twitter-CEO Jack Dorsey mitgegründete Bezahldienstleister Square rechnet gemäß einem eigenen Paper damit, dass Stromversorger und Bitcoin-Miner in Zukunft immer öfter ein und dasselbe Unternehmen sein werden. Dazu pflegt man auch einen anderen Ausblick als die Kritiker. Dorsey ist der Ansicht, dass der Bitcoin die Nutzung erneuerbarer Energien sogar ankurbelt. Eine Ansicht, die auch von Tesla-Chef Elon Musk geteilt wird.

Stromverbrauch auf Niveau der Niederlande

Es gibt aber auch viele Stimmen, die eine solche Entwicklung anzweifeln. Der Energieverbrauch des Bitcoin-Minings rückt auch infolge steigender Aufmerksamkeit für den Klimaschutz immer mehr ins politische Rampenlicht. Das Center for Alternative Finance der Universität Cambridge errechnet, dass der Aufwand für das Mining von Bitcoins – das Netzwerk belohnt hierbei Teilnehmer für die Durchführung komplexer Berechnungen, die zur Validierung von Transaktionen dienen – nunmehr bei 104 Terawatt-Stunden pro Jahr liegt.

Das entspricht in etwa dem geschätzten Energieverbrauch aller Kühlschränke in den USA und beinahe dem jährlichen Stromverbrauch der Niederlande, etwa 162 Prozent des österreichischen Energiekonsums oder knapp 20 Prozent des deutschen Bedarfs. (gpi, 18.10.2021)