Strassner, Zezelitsch und Pöttschacher sind "Bohna Vista". Ihr erster Bohnen-Kongress findet 2022 statt.

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Bohnenbier. Das ist nicht vergorne Verzweiflung, sondern ein herrlich cremiges, dunkles Stout, ähnlich einem Guinness, das Roland Pöttschacher nun erstmals gebraut hat. Pöttschacher ist Lebensmitteltechnologe im burgenländischen Loipersbach. Er hat schon zuvor für eine private Brauerei Pale Ales ersonnen, und auch für sein Bohnenbier gibt es schon Interessenten.

Die Bohne ist seine Leidenschaft. Das beginnt bei der Geschichte der Ponzichter – oder Poncichter, wie sie Wolfgang Weisgram, Autor, Journalist und Burgenland-Experte, schreibt – und geht bis zur Erhaltung dieses Erbes.

Die Ponzichter – von Bohnenzüchter – waren die deutschsprachigen Bauern im königlich-ungarischen Ödenburg. Sie pflanzten ihre Bohnen zwischen den Weinreben. War das Weinjahr ein schlechtes, hatten sie zumindest noch die genügsamen Bohnen, die zudem den Boden mit Stickstoff anreichern, was dem Wein wieder guttut.

Bohnen enthalten viel Stärke.
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Wolfgang Weisgram geht aber auch davon aus, dass die Bauern die Bohnen deshalb zwischen den Wein setzten, weil Gemüseflächen deutlich günstiger besteuert waren als die für Wein. Und wurde man sich mit einem Finanzprüfer nicht einig, um welche Anbaufläche es sich denn nun handle, besprach man das ausführlich im eigenen Weinkeller. Von da ist jetzt auch für uns gedanklich kein weiter Weg mehr zum Bohnenbier. Doch der Ansatz war ein anderer, als Alkohol zu produzieren.

Mousse au Chocolat

Bohnen enthalten viel Stärke, und mit ihr ersetzte Roland Pötschacher einen Teil des Malzes. Zudem war ziemlich sicher, dass ein Bier mit Bohnen recht cremig werden dürfte. Pöttschacher nimmt ja auch das Bohnenwasser – also das Wasser, das nach dem Kochen der Bohnen überbleibt –, schüttet es nicht weg, sondern schlägt es auf und macht damit eine Mousse au Chocolat, die einen so laut mit der Zunge schnalzen lässt, dass man es auch noch im Land der Ponzichter hören kann.

So weit ist das übrigens gar nicht weg. Es sind nur ein paar Kilometer. Und Harald Strassner hat dort wie da seine Bohnenäcker. Harald Strassner und Roland Pöttschacher fanden zusammen, weil der eine auf der Suche nach Bohnensaatgut war – und dafür sogar in Zeitungen inserierte – und der andere die Bohne bereits im großen Stil anbaut.

Das inzwischen 8000 Jahre alte Grundnahrungsmittel Bohne hebt gerade zu einem Boom an.
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Strassner ist vermutlich der Einzige, der in Ungarn biologisch Bohnen anbaut. Und er war zumindest der erste Biobohnen-Bauer im Burgenland. Er ist überhaupt das, was man einen Pionier nennt.

Bio-Pionier

Er stellte seinen Betrieb auf Bio um, da machten sich die konventionellen Bauern noch nicht einmal die Mühe, ihm den Vogel zu zeigen. Er baute die ersten Windräder im Burgenland – nachdem er sein kleines Zimmer in einem Studentenheim verließ, um bei der Bank für einen mehrere Millionen Schilling schweren Kredit vorzusprechen.

Und so ließe sich seine Geschichte voller Skurrilitäten, mit denen er den richtigen Riecher bewiesen hat, beinah endlos fortsetzen. Doch halt, bei Bohne und Riechen landen wir unweigerlich bei Uschi Zezelitsch.

Sie mischt das Bohnenkraut unter, damit die Bohnen nicht so blähen, könnte man sagen. Die Gartenexpertin, die im ORF regelmäßig zu sehen ist, stieß erst durch einen TV-Beitrag auf die beiden anderen Bohnenfetischisten – obwohl alle drei nur wenige Kilometer voneinander entfernt leben und arbeiten und sich für dieselbe Sache begeistern.

Bohnen werden als regionales Superfood geschätzt.
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Zusammen sind sie nun ein untrennbares Trio und haben den Verein Bohna Vista gegründet. Bohna Vista Local Hub, um genau zu sein. Und wir dürfen davon ausgehen, dass die Namensfindung auf die medienaffine und mit ihrem Gesang bühnenerfahrene Uschi Zezelitsch zurückgeht.

Gute Vorzeichen

Der Verein will die Bohne, "ein vermeintlich verstaubtes Gemüse, wieder vor den Vorhang holen, als innovatives Lebensmittel präsentieren und Menschen aller Generationen und über die Landesgrenzen hinaus ob der bescheidenen Hülsenfrucht und deren universellem Einsatz zum Staunen bringen". Die Vorzeichen stehen gut dafür.

Das inzwischen 8.000 Jahre alte Grundnahrungsmittel Bohne hebt nämlich gerade zu einem Boom an. Vegetarier und Veganer schätzen die Bohne wegen ihres Proteins, des Eisens und der Vitamine als regionales Superfood.

Die steigende Nachfrage merken sie schon, Roland Pöttschacher mit seinen inzwischen mehr als 100 verschiedenen Sorten von Bohnen wie auch Harald Strassner, der inzwischen sogar nach Rumänien expandiert hat und dort Äcker bewirtschaftet. Alles biologisch. Und wenn jetzt noch das Bier ein Erfolg wird, dann Prost, Mahlzeit. (Guido Gluschitsch, RONDO, 24.10.2021)