Am 21. Oktober 1941 ermordeten Wehrmachtssoldaten in den serbischen Städten Kraljevo und Kragujevac 4000 Menschen, darunter auch 300 Schüler und 18 Lehrer des örtlichen Gymnasiums. Krvava bajka (blutiges Märchen) heißt ein im ehemaligen Jugoslawien berühmtes Gedicht, das das Massaker an den Gymnasiasten beschreibt.

Gedenkstätte, die an die Massaker von Kraljevo und Kragujevac erinnert.
Foto: REUTERS/MARKO DJURICA

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass an dem blutigen Gemetzel österreichische Wehrmachtssoldaten maßgeblich beteiligt waren. Die in Neusiedl am See gegründete und in Kraljevo stationierte 717. Infanteriedivision stand unter dem Befehl des Generals Franz Böhme. Von 16. September bis 2. Dezember 1941 war der in Zeltweg geborene Böhme bevollmächtigter kommandierender General in Serbien. Während an der Gedenkfeier in Serbien heuer zum ersten Mal die deutsche Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth teilnahm, war politische Prominenz aus Österreich nicht vertreten.

Das Bekenntnis des offiziellen Österreich zu einer Mitverantwortung an den Verbrechen des NS-Regimes hat den österreichischen Opfermythos schon längst verdrängt. Das ist gut und richtig so. Doch in der offiziellen Gegenkultur Österreichs sind der Balkan und die zahlreichen dort begangenen Kriegsverbrechen fast kein Thema. Der 80. Jahrestag des Massakers von Kragujevac wäre eine gute Gelegenheit gewesen, sich erinnerungspolitisch zu engagieren. Ein Versäumnis, das beim nächsten Staatsbesuch nachgeholt werden sollte. (Olivera Stajić, 21.10.2021)