Na bitte, geht doch.

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Trainer Kühbauer: "Es war eine sehr gute Leistung gegen eine sehr gute Mannschaft".

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Wien – Statt aussichtslos zurück, wieder voll dabei: Rapid mischt nach dem 2:1-Heimsieg gegen Dinamo Zagreb im Aufstiegsrennen der Europa-League-Gruppe H zur Halbzeit ordentlich mit. Doch nicht nur die ersten Tore und Punkte waren am Donnerstagabend erfreulich, sondern vor allem die Tatsache, dass der Erfolg aufgrund einer der besten Saisonleistungen verdient eingefahren wurde. Coach Dietmar Kühbauer hat das Rapid-Schiff nach starken Turbulenzen wieder auf Kurs gebracht.

"Zagreb ist nicht irgendwer, sondern eine sehr gute Mannschaft im internationalen Fußball. Da 2:1 zu gewinnen, ist überragend, fantastisch. So stellen wir uns das vor, so wollen wir auftreten. Das tut richtig gut", gab ein erleichterter Goalie Paul Gartler zu Protokoll. Auch Kühbauer fiel ein Stein vom Herzen. "Wer freut sich nicht wenn eine Mannschaft so spielt, wie es sich der Trainer vorstellt. Wir haben schwere Zeiten hinter uns. Ich hoffe, dass wir uns in den nächsten Wochen noch mehr freuen können."

Lob vom Trainer

Die Partie gegen Zagreb sei schon alleine deshalb schwierig gewesen, da man gewusst habe, dass ohne Sieg in der Gruppe wohl nichts mehr zu machen sei. "Mit dem Dreier sind wir wieder im Game dabei. Deshalb muss ich der Mannschaft ein riesiges Lob aussprechen", sagte Rapids Coach. Die Wiener zogen nach Punkten mit dem Zweiten Zagreb und Neo-Schlusslicht Genk gleich. Es kündigt sich also ein harter Kampf um den zweiten Aufstiegsrang sowie Platz drei, der zum Umstieg in die Conference League berechtigt, an, da West Ham United (9) vorne enteilt ist.

Gegen Zagreb erfüllten die Rapidler die wichtigen Faktoren Mut, Entschlossenheit, Überzeugung und Mentalität, die Kühbauer im Vorfeld der Partie genannt hatte, zur vollsten Zufriedenheit. "Die Mannschaft hat genau das gemacht, was man auf internationaler Ebene machen muss", betonte Kühbauer. Seine Truppe sei sehr stabil in der Defensive gewesen und habe nach vorne immer wieder Nadelstiche gesetzt. "Wir waren die aktivere Mannschaft, besser im Spiel und sind verdient als Sieger vom Platz gegangen, auch wenn es ein hartes Stück Arbeit war", resümierte der Burgenländer.

Herausragend war einmal mehr Marco Grüll. Der 22-Jährige hält nach seinem Führungstor (9.) und der Vorlage mit Freistoßflanke beim 2:1 von Kapitän Maximilian Hofmann (34.), der sich im Finish einen Nasenbeinbruch zuzog, nach 22 Pflichtspielen bei zehn Treffern und fünf Assists. "Ich versuche mein Bestes, hoffen wir, dass es so weitergeht", verlautete Grüll. Als Torjäger war er schon vor seinem Rapid-Engagement bekannt. "Ich habe früher auch schon meine Tore gemacht und es ist überall gleich, die Tore sind gleich groß und ich versuche meine Chancen so gut als möglich zu verwerten", merkte der Offensivspieler an.

Kurzes Nickerchen

Imponierend war auch, dass sich die Gastgeber vom raschen Ausgleich von Mislav Orsic (24.) nicht beirren ließen. "Da haben wir geschlafen", wusste Innenverteidiger Leo Greiml. "Der Gegentreffer war billig und bitter", ergänzte Grüll. Das war aber der einzige Kritikpunkt, da die Wiener in der Folge sofort wieder das Heft in die Hand nahmen, wieder vorlegten und von außen betrachtet nach der Pause nie in Gefahr waren, einen weiteren Gegentreffer zu kassieren.

"Dass wir so viele Chancen haben, damit haben wir nicht gerechnet und hinten haben wir den Laden sehr gut dichtgemacht", fasste Grüll zusammen. Das Allianz Stadion bleibt europäisch ein guter Boden, vier von fünf Saisonpartien konnten gewonnen werden. Diesmal als Außenseiter. "National kannst du wenig gewinnen, international ist Zagreb vom Papier über uns gestanden, das ist nicht immer schlecht", erläuterte Rapids Coach.

Mit sieben Punkten aus den jüngsten drei Pflichtspielen zeigt die Kurve bei den Wienern klar nach oben. Der unnötige Punktverlust in Überzahl zuletzt beim Liga-1:1 in Klagenfurt ist vergessen. "Wir haben gewusst, dass es so nicht weitergehen kann. So eine Partie darfst du nie Unentschieden spielen, das war dumm von uns. Heute hat man gesehen, dass wir viel besser spielen können", sagte Grüll. Das soll auch der TSV Hartberg am Sonntag in der Steiermark zu spüren bekommen. "Jeder Sieg ist im Kopf sehr wichtig. Jetzt müssen wir unser wahres Gesicht auch in der Liga auf den Platz bringen", forderte der Stürmer.

Dann könnte auch Kühbauer wieder ruhiger schlafen. "Es war eine sehr gute Leistung gegen eine sehr gute Mannschaft, das ist für uns sehr wichtig für die nächsten Aufgaben", blickte Kühbauer optimistisch nach vorne. Unwichtige Spiele gebe es bei Rapid nicht. "In Wahrheit musst du überall gewinnen", ist sich der 50-Jährige bewusst. Dazu zählt auch das Cup-Achtelfinale in Amstetten und das Liga-Heimspiel gegen den LASK, die vor dem Rückspiel gegen Zagreb am 4. November noch anstehen. (APA, 22.10.2021)