Der Gründer von Mastodon erklärt, dass es klare Hinweise gebe, dass Trumps Plattform von Mastodon geklaut hat.

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Donald Trump ist nicht gut auf die Betreiber von sozialen Medien zu sprechen. Aus seiner Sicht wird er unfair behandelt, speziell seine Sperre nach dem Sturm auf das US-Kapitol sei ungerechtfertigt. Mit "The Truth Social" – der Name ist kein Scherz – will der ehemalige US-Präsident nun ein alternatives soziales Netzwerk aufbauen, das sich gegen die "Tyrannei von Big Tech" wehre und ähnlich funktioniert wie der Kurznachrichtendienst Twitter. So ähnlich, dass Postings "Truths" heißen – vergleichbar mit Tweets –, geteilte Beiträge "Re-Truths" – wie Retweets – und die Startseite "Truth Feed" wie der Twitter Feed. Doch "Vice News" zufolge ist nicht nur das Konzept einer anderen Plattform verdächtig ähnlich, sondern auch der Code der Webseite.

So dürfte dieser in Teilen von dem Open-Source-Netzwerk Mastodon übernommen worden sein. Twitter-User erstellten sogar Screenshots von "The Truth", die zeigen, dass Mastodon noch im HTML-Code der Seite genannt wird. Und auch auf der Oberfläche der Plattform selbst sind Ähnlichkeiten zu finden. Mastodon machte sich auf Twitter selbst darüber lustig und schrieb, dass es nun keine Ausreden mehr dafür gebe, dass die eigene Plattform zu kompliziert sei, wenn sie doch auch von Trump bedient werde.

Privatsphäre im Fokus

Grundsätzlich ist es nicht ungewöhnlich, dass andere Seiten Mastodons Code nutzen. Die alternative Plattform legt ihren Fokus vor allem auf die Privatsphäre von Usern – und ist quelloffen. Allerdings mit der Bedingung, dass bestimmte rechtliche Vorgaben eingehalten werden. Das hat "The Truth" offenbar nicht gemacht. Eigentlich sieht die Nutzung vor, dass man die eigene Plattform bei einer Weiterverwendung auch quelloffen anbietet und angibt, woher man die Inhalte hat. Das tut "The Truth Social" nicht – stattdessen behauptet Trumps Seite, dass sämtlicher Quellcode proprietär sei, also von den Entwicklern der Plattform stamme, und die Weiterverwertung urheberrechtlich geschützt sei.

Der Gründer von Mastodon erklärte im Gespräch mit "Vice", dass es klare Hinweise gebe, dass Trumps Plattform von Mastodon geklaut habe – weswegen man sich nun rechtlich beraten lasse, um das weitere Vorgehen zu planen. Die Einhaltung der Vorgaben sei ihm besonders wichtig, da Programmiererinnen und Programmierer ja erst deswegen jahrelange Arbeit "gratis hergeben" würden. Trumps Plattform hat noch keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben. (red, 22.10.2021)