Mit der Italienerin Marta Bassino, die 2020 in Sölden siegte und den Riesenslalomweltcup gewann, ist auch am Samstag zu rechnen.

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Österreichischer Hoffnungsträger wärmt sich auf: Marco Schwarz.

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Die Skination hat zwei veritable Probleme. Österreich wurde von der Schweiz im Nationencup vergangene Saison zum zweiten Mal en suite auf Platz zwei verwiesen – nach zuvor 30 Erfolgen in Serie. Und der Gesamtweltcup, ebenso Anspruch des mächtigsten Verbands der Szene, ist nach acht Erfolgen Marcel Hirschers auch seit zwei Saisonen futsch. Schuld an dem Schlamassel ist natürlich nicht der Salzburger, auch wenn der langjährige Heiland der Skifahrt mit seinem Rücktritt vor zwei Jahren eine Lücke hinterlassen hat, die nur schwer zu füllen ist. Von den ÖSV-Frauen zeichnete zuletzt Anna Veith 2014 und 2015, damals noch als Fenninger am Start, für zwei große Kristallkugeln verantwortlich.

Wie geht der ÖSV damit um? Toni Giger legt ein klares Bekenntnis zum Nationencup ab. "Er hat eine hohe Priorität, wir wollen ihn unbedingt wieder zurückholen", sagt der ÖSV-Sportdirektor. Favorit sei aber erneut die Schweiz. Auch der Gesamtweltcup sei stets ein großes Ziel. "Unser gesamtes Ausbildungsprinzip beruht darauf, dass wir vielseitige Skifahrerinnen und Skifahrer ausbilden wollen", sagt Giger und verweist diesbezüglich auf Vergangenes: "Wir sind das Team, das den Gesamtweltcup in den vergangenen 25 Jahren mit Abstand am öftesten gewonnen hat." Großes Kristall sei diese Saison schwer zu realisieren, aber Giger sieht nicht schwarz, er sieht vor allem Schwarz.

Heißer Außenseiter

Marco Schwarz, vergangene Saison hinter Frankreichs Triumphator Alexis Pinturault (1260 Punkte) und dem Schweizer Wunderwuzzi Marco Odermatt (1093) mit 814 Zählern immerhin Dritter im Ranking, ist sicherlich Österreichs erster Kandidat für die begehrte Trophäe. "Marco war der beste Slalomläufer der vergangenen Saison, aber er muss sich im Riesentorlauf noch stabilisieren. Du brauchst für den Gesamtweltcup zwei Disziplinen, in denen du top bist und reihenweise auf dem Stockerl stehst", sagt Giger. Schwarz möchte "diese Saison den einen oder anderen Super-G mitnehmen, weil es mir viel Spaß macht und ich mich nicht blöd anstelle". Für einen Gesamtweltcupsieg müsse vieles passen. "Der Kreis der Anwärter ist groß, es wird eine spannende Saison", sagt Schwarz.

Giger traut auch Vincent Kriechmayr und Matthias Mayer zu, Richtung große Kristallkugel zu schnuppern. Diese beiden müssten dafür "einen richtig guten Lauf in den Speed-Disziplinen" bekommen.

Hoffen dürfen neben den besten drei der vergangenen Saison wohl auch der Schweizer Loïc Meillard (zuletzt Vierter) sowie die Norweger Henrik Kristoffersen (zweimal Zweiter hinter Hirscher) und Aleksander Aamodt Kilde, der überraschend 2020 triumphierte.

Heiße Aktie

Auch bei den Frauen, die am Samstag (10 bzw 13.15 Uhr) die Saison mit einem Riesentorlauf in Sölden eröffnen, ehe am Sonntag (10 bzw. 13.30 Uhr, je ORF 1) die Männer nachziehen, wird mit den üblichen Verdächtigen zu rechnen sein. Katharina Liensberger (903 Punkte) war hinter der Slowakin Petra Vlhová (1416), den Schweizerinnen Lara Gut-Behrami (1256) und Michelle Gisin (1130) sowie der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin (1075) immerhin Gesamtfünfte. Sie sei, sagt Giger, in einer ähnlichen Situation wie Schwarz. "Wenn sie sich im Riesentorlauf auf einem Topniveau stabilisiert, dann können die Punkte zusammenkommen, um mitzumischen. Aber dazu braucht es noch einen satten Entwicklungsschritt", sagt Giger. Und man dürfe nicht vergessen, dass die Vorarlbergerin die Erfolge der vergangenen Saison erst einmal bestätigen müsse.

Für Liensberger ist der Gesamtweltcup "natürlich irgendwo ein Ziel", aktuell aber schätzt sie ihre Chancen gering ein. Sie wolle sich "auf die technischen Disziplinen fokussieren, im Riesentorlauf den nächsten Schritt machen, im Slalom die Konstanz halten" und sich "weiter verbessern". Super-G-Starts seien vorerst kein Thema. Nicht unwahrscheinlich also, dass Österreich auch 2021/22 keine große Kristallkugel einfahren wird.

Längere Durststrecken gab es in der ÖSV-Geschichte schon öfter. Nach Annemarie Moser-Prölls sechstem Triumph 1979 dauerte es elf Jahre, ehe Petra Kronberger den ersten von drei einschlägigen Erfolgen feierte. Eine viel längere Zeit der Entbehrung gab es bei den Männern. Nach dem zweiten Coup von Karl Schranz 1970 dauerte es 28 Jahre, bis Hermann Maier den ersten seiner vier Gesamtsiege schaffte. (Thomas Hirner, 22.10.2021)