Doris Weiner verabschiedet sich nach 45 Jahren tanzend vom Volkstheater-Publikum.

Max Hammel

An einem Theater 45 Jahre engagiert zu sein, das macht ihr keiner so schnell nach. Jetzt ist aber Schluss. Doris Weiner, seit 1976 im Ensemble des Volkstheaters Wien, geht mit 72 Jahren in Pension. Es ist ein turbulenter und durch die Pandemie verzögerter Abschied, den sie – wie könnte es anders sein – mit einer Premiere absolviert. In Richard Alfieris populärem Zweipersonenstück Sechs Tanzstunden in sechs Wochen gibt sie an der Seite von Alexander Jagsch die tanzwillige Rentnerin Lily Harrison, die sich für ihr schweißtreibendes Anliegen einen Tanzlehrer engagiert. Ins Schwitzen kommen die beiden aber nicht so sehr wegen der Schrittfolgen, sondern ihrer Kaprizen und Geheimnisse wegen. Es inszeniert Andy Hallwaxx.

Beherzte Publikumsarbeit

Gustav Manker holte die gebürtige Wienerin einst ans Haus, fünf weitere Direktionen hat sie über die Jahrzehnte erlebt – Paul Blaha, Emmy Werner, Michael Schottenberg, Anna Badora und nun seit dem Vorjahr Kay Voges. Und sie hatte mit ihnen nicht nur als Schauspielerin intensiv zu tun. Weiner war deutlich mehr als Darstellerin (unter anderem in Stücken von Schnitzler, Nestroy oder Tennessee Williams), ihr zupackendes Wesen, das man bei jeder Publikumsbegrüßung spüren konnte, machte sie zur Betriebsrätin und später zur Co-Leiterin der Volkstheater-Schauspielschule sowie des Volkstheater-Studios.

Vor allem aber hat die Schauspielerin 15 Jahre lang das Tourneeprogramm des Volkstheaters verantwortet und durch eine beherzte Publikumsarbeit viele neue Theaterfans gewinnen können, es waren bis zu 7.00 Abonnentinnen und Abonnenten. Formale Experimente waren hier, wie sie selbst bekannte, eher rar. An drei Terminen im Haupthaus sagt Doris Weiner ihrem Publikum nun Baba. Das Bezirke-Programm bleibt. (Margarete Affenzeller, 28.10.2021)