Am 11. November ist Martinstag. Dabei wird traditionell eine Martinigans aufgetischt.

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Wien – Im Herbst werden in Österreich traditionell Martinigansl aufgetischt. Dazu hat die Tierschutzorganisation Vier Pfoten eine Umfrage durchgeführt. Dabei sprachen sich 87 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher für eine Kennzeichnung der Martinigans nach Herkunft und Haltungsform in der Gastronomie und im Handel aus. Und die große Mehrheit – 83 Prozent – lehnt tierquälerische Praktiken wie Stopfmast und Lebendrupf ab.

84 Prozent sind darüber hinaus für einen Verbot des Imports von Fleisch von Tieren, die gestopft oder lebend gerupft wurden, davon 68 Prozent "auf jeden Fall". Das Marktforschungsinstitut Market hat 500 Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren befragt. "Wir freuen uns über die sehr klaren Ergebnisse der Umfrage. Sie zeigen nicht nur einmal mehr, dass der Bevölkerung Tierschutz ein Anliegen ist. Sie bestätigen uns auch in all unseren Forderungen", sagte Veronika Weissenböck, Kampagnenleiterin bei Vier Pfoten.

Lebendrupf und Stopfmast

"Wir warnen seit langem gerade zur Ganslzeit vor importiertem Tierleid. Denn nach wie vor stammen 72 Prozent aller hierzulande gegessenen Gänse und Enten aus dem Ausland. Und sehr oft kommen die Tiere aus Ländern, in denen – im Gegensatz zu Österreich – Lebendrupf und Stopfmast nach wie vor ganz legal sind", sagte Weissenböck.

Lebendrupf wird zum Beispiel noch immer in Ungarn, Polen oder China praktiziert. Die Stopfmast ist laut Vier Pfoten legal in Ländern wie Ungarn, Frankreich, Belgien, Bulgarien oder Spanien, aber auch China, den USA und Kanada.

"Ein großer Teil der nach Österreich importierten Gänse stammt aus Ungarn, aber auch aus Polen und tatsächlich auch aus China. Dass Gänse aus Tierqualhaltung trotz des österreichischen Verbots importiert und verkauft werden dürfen, ist in Wahrheit natürlich eine Augenauswischerei", sagte Weissenböck. "Unser Selbstversorgungsgrad bei Gänsen und Enten liegt derzeit bei nur 28 Prozent. Die Lösung kann aber nicht sein, dass wir Fleisch von gequälten Tieren importieren", forderte die Kampagnenleiterin.

Mehr Regionalität erwünscht

Um einen Wandel hin zu mehr Regionalität und damit zu besserer Haltung auszulösen, sei gerade die gesetzliche Kennzeichnungspflicht ein ganz wichtiges Instrument – nicht nur im Handel, sondern vor allem auch in der Gastronomie. "Wenn die Menschen sehen, woher und aus welcher Haltung ihr Fleisch kommt, kann sich die Nachfrage und letztlich der gesamte Markt ändern", erklärt Weissenböck.

Aus Tierschutzsicht sei es natürlich am besten, ganz auf die Martinigans zu verzichten. Ansonsten empfiehlt Vier Pfoten die "Österreichische Weidegans" oder eine österreichische Bio-Gans. Hier könne man als Konsument sicher sein, dass nicht nur Lebendrupf und Stopfmast ausgeschlossen sind, sondern die Tiere auch Auslauf und gutes Futter hatten. (APA, 28.10.2021)