Zerrissen oder doch mit Logo? Die Strumpfhose verabschiedet sich in diesem Herbst von ihrem biederen Image.

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Die Strumpfhose, war die jemals weg? Um möglicher Kritik zuvorzukommen: Im Herbst das Comeback der Beinlinge auszurufen klingt erst einmal ähnlich absurd, wie im Dezember die Rückkehr der Handschuhe zu bejubeln. Deshalb jetzt bitte weiterlesen: Es soll hier nämlich nicht um die transparenten Modelle gehen, die die Beine in schimmernde Wursthäute verwandeln. Und auch nicht um die blickdichte Strumpfhose, die jahraus, jahrein gleich aussieht. Die Qualitäten von 80 DEN sind unbestritten: Wer sich wärmen und verstecken will, wird ihnen weiterhin die Treue halten.

Stattdessen soll es hier um jene extravaganten Teile ("Statement-Tights" nennt sie das Magazin "Instyle") gehen, die das Bein zum Protagonisten eines Outfits machen. Wie das geht, führt Kim Kardashian gerade mit ihrem Wäschelabel Skims vor: Die Kooperation mit dem italienischen Modehaus Fendi setzt auf fette Logos, die selbstbewusst die Beine hinaufklettern: Wem handtellerbreite Markenschriftzüge auf Pullovern zu platt sind, kann sich vielleicht hiermit anfreunden. Wer sich hingegen dezenter zu einem Luxusmodelabel bekennen will, greift zu den Modellen von Chanel. Da hüpft das verschlungene C über Ober- und Unterschenkel.

Kim Kardashian stand Modell für die Kooperation von Fendi und Skims, das neue Modell ist ab 9. November erhältlich.
Foto: Fendi/ Donna Trope

Wesentlich auffälliger: die Teile von Versace. Influencerin Leonie Hanne macht es genau richtig. Sie trägt sie in Feuerwehrrot und logischerweise unterm Minirock. So kommen sie in voller Länge zur Geltung.

Es ist, als ob die exaltierte Strumpfhose die Jogginghose und mit ihr das Schreckgespenst Pandemie verjagen will. In der Show von Alexander McQueen jedenfalls schienen die Strümpfe über und über mit Schmuck behängt. Auch das Label Wolford feiert mit seiner Kooperation mit Designerin Amina Muaddi das große Aufmascherln: Hier werden die Netzstrumpfhosen mit Swarovski-Kristallen verziert. Wer sich ein solches Modell zulegt, sollte darauf aufpassen: Eine Laufmasche, und schon sind 250 Euro futsch.

Was wohl die Königin der ganzjährig bloßgelegten Waden, Anna Wintour, zum Comeback der auffälligen Strumpfhosen sagt? Ihr Ausruf "Never wear tights! Never!" hatte es zu ähnlicher Bekanntheit wie Lagerfelds Jogginghosen-Sager gebracht. Letzterer hat sich längst überlebt. Wintours Statement, muss man zugeben, eigentlich auch. (Anne Feldkamp, 29.10.2021)