Intensive Gespräche über Oper und die Zukunft – Nikolaus Bachler.

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Das Glück eines Opernintendanten hängt oft am seidenen Faden der Regieeingebungen. Sängerinnen, Dirigenten und Orchester sind das Fundament eines Hauses. Für den Leiter von Operntempeln ist der Regisseur allerdings jener Unverzichtbare, der dem Haus noch das "ungewisse Etwas" verleiht. Er ist für Intendanten, die Oper im Heute verorten, letztlich jene inspirierende Unberechenbarkeit, die mit zeitlichem Abstand zum visionären Erlöser vom Musealen mystifiziert wird. Oft zu Recht.

Der Regisseur ist insofern eine Figur, auf der spezieller Druck lastet. So kann einen Künstler schon mal seltsame Laune erfassen, wenn der Intendant ihm zusetzt. Wie er, Dmitri Tscherniakov, also glaube, "dass das Theater in 30 Jahren" aussehen würde, will Nikolaus Bachler wissen. Der Russe jedoch wiegelt ab, findet "schrecklich, sich das zu überlegen ..." und legt pessimistisch nach: "Ich habe das Gefühl, als wäre die Interpretation der Werke selbst etwas, das endlich ist, bald enden wird. Vielleicht habe ich deshalb das verschwommene Gefühl, dass ich etwas anderes machen sollte ..."

Es ist in Sprachen der Musik, jenem Buch, das Bachler als Nachschlag zu seiner Intendanz an der Bayerischen Staatsoper erscheinen ließ, nicht der einzige Moment, in dem Persönliches ironisch mit Fragen zum Musiktheater verschmilzt. Das Buch näht in Gesprächsform und ohne Leerlauf interessante Reflexionen über das Wesen des Zeitgenössischen mit Einblicken in die inszenierende Seele zusammen.

Identitätspolitik

Unter anderen stellen Castellucci, Castorf, Neuenfels und Burg-Chef Martin Kušej ihr Theaterverständnis dem Wandel der Gesellschaft gegenüber. Letzterer fragt, "wie lange meine Arbeit Bestand haben wird?" gegenüber einer Theaterpraxis, "die von Identitätspolitik und ähnlichen Bereichen der Political Correctness dominiert wird". Bachler ist hier jedoch nicht nur der Fragende. Das Buch wird auch zum Porträt eines Intendanten, der im Musiktheater statt Ablenkung eine Form der Auseinandersetzung sieht: "Ich würde so gern noch eine Zeit erleben, in der wir in die Oper wirklich eingreifen. Stellen Sie sich die Reaktionen vor, wenn Don Carlos gespielt und etwas anderes hineingesetzt wird!"

Kurzfristig ist es Bachler, der die Salzburger Osterfestspiele ab Freitag zusammen mit Christian Thielemann mit Konzerten in Erinnerung ruft, nicht gegeben, seine Ideen zum Szenischen umzusetzen. Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt bis 1. November täglich ein Konzert, drei Mal unter Leitung ihres Chefdirigenten Christian Thielemann. Als alleiniger künstlerischer Leiter ab 2023 jedoch kann Bachler vielleicht Traum und Wirklichkeit zu Ostern zusammenführen. (Ljubiša Tošic, 29.10.2021)