Der Konferenz in Glasgow gingen bereits zahlreiche Proteste voraus.

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Die Verhandlungen gehen weiter. Zum mittlerweile 26. Mal kommen ab Sonntag Staats- und Regierungschefs aus mehr als 190 Ländern in Glasgow zusammen, um über die Zukunft der Klimapolitik zu entscheiden. Es steht viel auf dem Spiel: Der Planet bewegt sich auf ein Temperaturplus von 2,7 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu. Im Rahmen des Pariser Abkommens wurde vereinbart, die Erwärmung bei 1,5, aber maximal zwei Grad zu stoppen.

Frage: Worum geht es beim Weltklimagipfel?

Antwort: Bei der diesjährigen Conference of the Parties (kurz COP) soll das Pariser Regelwerk abgeschlossen werden: Wie kann das 1,5-Grad-Ziel, also das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, doch noch erreicht werden? Bis zur Konferenz mussten die Staaten ihre neuen Klimaziele bekanntgeben. In Glasgow stehen gleich mehrere Punkte auf der Agenda: Es geht etwa um Klimaanpassungsmaßnahmen und die Frage, wie weit wohlhabende Staaten ärmere Länder im Klimaschutz finanziell unterstützen sollen. Auch über die Zukunft fossiler Brennstoffe wird diskutiert. Nicht zuletzt sollen Wege gefunden werden, mögliche "Schlupflöcher" im internationalen Emissionshandel endgültig zu schließen.

Frage: Welche Schlupflöcher?

Antwort: Es soll verhindert werden, dass Emissionsreduktionen doppelt berechnet werden. Der sechste Artikel des Pariser Abkommens sieht vor, dass Emissionsminderungen zwischen Staaten übertragen werden können – und dann der Klimabilanz des jeweils anderen Landes zugutekommen. Auf der vergangenen COP konnten sich die Verhandler nicht einigen, ob sowohl das zahlende als auch das verkaufende Land die Reduktion in der eigenen Treibhausgasbilanz abbuchen darf – oder nur einer der Staaten. Tatsächlich können dieselben Emissionen natürlich nur einmal eingespart werden.

Die einzelnen Staaten haben teils sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie Klimaschutz aussehen soll.
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Frage: Wo stehen die Nationen?

Antwort: Ein großer Streitpunkt bleibt das Tempo. Die meisten großen Nationen haben bereits Zugeständnisse gemacht, es geht ihnen aber zu schnell. Vor allem kleinere Inselstaaten, deren Fortbestand in Gefahr ist, pochen hingegen auf raschere Maßnahmen. Und dann gibt es Nationen wie China, die zwar Unsummen in den Ausbau der Erneuerbaren stecken – zugleich aber an ihren Kohlekraftwerken festhalten. Oder Brasilien, dessen Präsident Jair Bolsonaro zwar unlängst angekündigt hat, die illegale Abholzung im Amazonasgebiet bis 2028 beenden zu wollen, zugleich aber die Folgen der Klimakrise kleinredet. Und US-Präsident Joe Biden steht vor dem Problem, im amerikanischen Kongress die notwendige Mehrheit für sein Klimapaket zu erzielen. Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Präsident Xi Jinping werden aller Voraussicht nach erst gar nicht nach Glasgow reisen. Auf der anderen Seite steht die EU, die von den anderen großen Playern einfordert, ähnlich ambitionierte Pläne wie Brüssel vorzulegen. Womöglich können einige Wogen bereits am G20-Gipfel, der dieses Wochenende in Rom stattfindet, geglättet werden. Die Chancen dafür stehen allerdings eher schlecht.

Frage: Wie sinnvoll sind die jährlichen Klimakonferenzen überhaupt?

Antwort: Klimaschutzaktivisten üben regelmäßig Kritik an der Ausgestaltung von Klimakonferenzen – die Versprechen seien vage, es würden zu wenige handfeste Maßnahmen folgen. Doch trotz berechtigter Klagen haben die UN-Gipfel durchaus auch etwas bewirkt. Vor dem Pariser Rahmenvertrag steuerte die Welt etwa auf ein Temperaturplus von 3,6 bis 4,2 Grad bis Ende des Jahrhunderts zu.

Frage: Also geht etwas weiter?

Antwort: Ja und nein. Zwar haben sich viele Staaten in den letzten Jahren zu ambitionierten Klimazielen durchgerungen, den Worten folgten aber nur bedingt Taten. Die bisherigen Bemühungen entsprechen dem Pariser Klimaziel noch nicht. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent sinken. Die bisherigen Zusagen ergeben zusammengerechnet aber gerade einmal ein Minus von 7,5 Prozent.

Frage: Wie wird Einigung erzielt?

Antwort: Bei der Klimakonferenz geht es um Konsens. Jedes Land, egal wie klein, hat eine Stimme. Damit kann auch jeder Staat ein Veto einlegen – ein Mitgrund für die teils langwierigen Verhandlungen.

Frage: Kann es so überhaupt in Glasgow zu einer Lösung kommen?

Antwort: Ja, auch wenn der Prozess kompliziert ist. Deshalb werden die großen Themen zuerst in Untergruppen verhandelt, bevor sie im Plenum landen. Dort wird versucht, in kleineren Blöcken einen Konsens zu finden. Dennoch reicht die Zeit oft nicht: Weil in mehreren Punkten keine Einigung erzielt werden konnte, zog sich die vergangene Klimakonferenz um beinahe zwei Tage in die Länge. Einige Themen wurden schließlich auf die heurigen Verhandlungen vertagt.

Frage: Was, wenn sich die Länder wieder nicht einigen können?

Antwort: Dann wird wohl einmal mehr vertagt und bei der nächsten Klimakonferenz weiterverhandelt. Die Unterzeichnerstaaten haben sich zwar im Rahmen des Pariser Abkommens dazu verpflichtet, die Erderwärmung möglichst einzudämmen. Für die Umsetzung der Maßnahmen sind sie selbst verantwortlich, Strafen für Verfehlungen gibt es in dem Sinne nicht.

Frage: Kann die Zivilgesellschaft mitreden?

Antwort: Nicht direkt. Zutritt zur Konferenz hat nur, wer ein gültiges Ticket vorweisen kann – in erster Linie sind das Delegierte, NGOs und Medienvertreter. Viele der Gespräche finden zudem hinter verschlossenen Türen statt. Auch heuer wird es einen Parallelgipfel zur offiziellen Konferenz geben. Auf den von Freiwilligen organisierten Veranstaltungen diskutieren Klimaaktivisten und Wissenschafter über die aus ihrer Sicht notwendigen Schritte im Klimaschutz. Das Programm steht für alle offen. (Nora Laufer, 31.10.2021)