In Japan verabschieden sich Behörden nur zögerlich von der guten alten Floppy Disk

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Kaum ein Land auf der Welt repräsentiert die Gegensätze zwischen Hochtechnologie und Tradition so gut wie Japan. Der Umstand, dass in einigen Bezirken in Tokio aber immer noch Disketten verwendet werden, um Banktransaktionen zu übermitteln, mag im Jahr 2021 aber dann doch überraschen. Der Bezirk Meguro hat sich nun durchgerungen, der altgedienten Floppy Disk den Garaus zu machen. Zahlungsanweisungen der Behörde sollen künftig online und nicht mehr auf Disketten gespeichert werden.

Unzerstörbare Floppy Disks

Dem Bericht von Nikkei Asia zufolge sah der Bezirk bisher wenig Grund, von den 3,5-Zoll-Disketten umzusteigen. "Sie sind fast nie kaputt gegangen oder haben Daten verloren", lautet die verblüffend einfache Erklärung des Finanzbeauftragten von Meguro, Yoichi Ono. Man habe die Informationen hinsichtlich Gehaltszahlungen bisher auf den Disketten gespeichert und diese physisch der Bank ausgehändigt, welche dann wiederum die Zahlungen weiterverarbeitete.

Dass das betreffende Finanzinstitut, die Mizuho Bank, bei der antiquierten Datenübermittlung überhaupt so lange mitspielte, ist verwunderlich. Im Jahr 2019 signalisierte die Bank mit einer Gebühr von 50.000 Yen (380 Euro) pro Monat, dass sie nicht länger gewillt war, mit physischen Datenträgern zu hantieren und veraltete Laufwerke und Lesegeräte in Stand zu halten. Sony etwa hat die Produktion der letzten Floppy Disk bereits vor einem Jahrzehnt eingestellt.

Anderer Bezirk gibt sich noch einige Jahre Zeit

Nicht so eilig beim Umstieg von Disketten auf Online-Systeme hat es ein anderer Bezirk in Tokio. Chiyoda im Osten der Präfektur will den magnetischen Datenträger zwar ebenfalls abschaffen, hat als Zeitraum aber erst 2026 angepeilt. Im Zuge des langsamen Umstiegs sollen auch Amtswege digitalisiert werden, damit Bürgerinnen und Bürger künftig nicht mehr in Person die Behörden aufsuchen müssen. Bis dahin dürfte es aber noch ein weiter Weg sein. (step, 31.10.2021)