Der Brite Alok Sharma ist Präsident der 26. UN-Klimakonferenz, die in Glasgow stattfindet.

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Es waren dramatische Worte, die Alok Sharma zu Beginn der Weltklimakonferenz an die Öffentlichkeit richtete. "Diese COP ist unsere letzte große Hoffnung", sagte der neue Präsident ebendieses 26. Treffens, das die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad doch noch in irgendeiner Form in Maßnahmen gießen soll. "Wir werden gemeinsam Erfolg haben oder gemeinsam scheitern."

Seine Aufgabe beschreibt der zweifache Vater, der als Staatsminister zuvor die Ressorts Entwicklungshilfe und dann Wirtschaft betreute, "nicht als Klimakämpfer, sondern als Oberhirte: Ich höre Leuten zu und versuche, einen Konsens zu erreichen."

Mit konsequentem Enthusiasmus, der das Ruder in der Klimakrise noch herumreißt, kann man angesichts seiner Vorgeschichte wohl eher nicht rechnen. Etwa wegen seiner ehemaligen Vorsitztätigkeit im Wirtschaftsausschuss des konservativen Thinktanks "The Bow Group", der mit mehreren Lobbyorganisationen gegen einschränkende Klimaschutzmaßnahmen in Verbindung gebracht wird. Und dann wäre da noch der im Sommer bekannt gewordene Flugreisen-Skandal: Als Staatsminister schaffte Sharma es, in von Corona-Restriktionen geprägten sieben Monaten in 30 Länder und mit mehr als 320.000 Kilometern quasi achtmal um die Erde zu fliegen.

Politischer Vater

1967 im indischen Agra (Uttar Pradesh) geboren, kam Sharma mit fünf Jahren mit seiner Familie ins südenglische Reading. In der 160.000-Einwohner-Stadt auf halber Strecke zwischen London und Oxford engagierte sich bereits sein Vater für die britischen Konservativen.

Alok Sharma selbst war nach seinem Studium zunächst als Wirtschaftsprüfer und im Bereich der Unternehmensberatung in London, Stockholm und Frankfurt tätig, erst danach widmete er sich der Politik. Für die britischen Tories kandidierte er erstmals im Jahr 2006, seit 2010 ist er Abgeordneter im Unterhaus. Seit 2016 war er in Regierungen vertreten.

Feuerkatastrophe

Als emotionaler Wohnbauminister blieb er 2017, damals noch im Kabinett von Premierministerin Theresa May, vielen im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe des Greenfell Tower in Erinnerung, die 72 Menschenleben forderte und die Politik wegen offensichtlicher Sicherheitsmängel nicht nur in dieser Sozialwohnungsanlage unter Druck setzte.

Dass Sharma sich Angehörigen und Überlebenden zumindest stellte, wurde ihm hoch angerechnet. Im Fall der Klimakrise wird ein Engagement, das zu spät kommt, allerdings noch fatalere Folgen haben. (Noura Maan, 2.11.2021)