Langsam, aber sicher gehen die Heizungen in den Häusern und Wohnungen Österreichs an. Damit bricht die letzte Heizsaison ohne CO2-Preis an. Es wird also höchste Zeit, das Heizen zu trainieren – denn sparsames Wärmen will gelernt sein.

Zuerst muss eines klargestellt werden: Eine ideale Raumtemperatur gibt es nicht. Schließlich fühlt sich jeder Mensch in einer anderen Umgebungstemperatur wohl. Dafür gibt es aber Richtwerte, die vor allem zum Energiesparen dienen. Denn Experten sagen, dass schon ein Grad weniger rund sechs Prozent Energie einspart.

Wenn man die Heiztipps befolgt, kann die Gadse nicht mehr den ganzen Tag unter der Heizung braten. Das mag ihr nicht gefallen, dem Geldbeutel dafür umso mehr.
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Die Umweltberatung der Wiener Volkshochschulen empfiehlt für das Wohnzimmer 20 bis 22 Grad Celsius, für das Schlafzimmer 16 bis 18 Grad Celsius. Die Temperatur lässt sich am besten mit einem zentralen Thermostat steuern, alternativ über die verschiedenen Stufen der Thermostatventile an den Heizkörpern. Dabei stehen die Stufen 1 bis 5 aber nicht für die Intensität des Heizens, was ein gern weitergetragener Mythos ist. Die Zahlen stehen für die Maximaltemperatur.

Wichtige Nachtabsenkung

"Wenn ich in einem Raum die Stufe 3 des Thermostatventils einstelle, heizt die Heizung diesen Raum auf 20 Grad auf. Der Raum wird nicht schneller warm, wenn ich die Stufe 5 einstelle. Die Stufe 5 führt nur dazu, dass ich diesen Raum auf 28 Grad Raumtemperatur überheize. Dadurch gehen große Mengen an Heizenergie verloren", sagt Energieberater Ewald Gärber. Das Sternchen steht dabei für den Frostschutz von rund 5 Grad Celsius, die ideale Wohnzimmertemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius liegt zwischen Stufe 3 und 4.

Ein weiteres wichtiges Thema, wenn es um das Einsparen von Heizenergie geht, ist die sogenannte Nachtabsenkung. Auch diese lässt sich in den meisten zentralen Thermostaten einstellen und gibt der Heizung vor, die Raumtemperatur nachts zu reduzieren. Nützlich ist dieses Feature auch, wenn man beispielsweise den ganzen Tag im Büro ist. Gärber empfiehlt, in diesem Zeitraum die Temperatur um drei Grad Celsius zu senken. Die Heizung auszuschalten, sei dabei kontraproduktiv. "Ganz ausgekühlte Räume wieder aufzuheizen verbraucht mehr Energie", sagt er.

Ähnliches gilt für die Urlaubszeit. Wer einige Tage auf Urlaub fährt, darf seine Wohnung ruhig noch etwas weiter abkühlen. Laut Gärber sollte eine Raumtemperatur von 13 Grad Celsius dabei aber nicht unterschritten werden. Denn eine eingeschaltete Heizung reduziert die Schimmelgefahr. Wird ein Raum längere Zeit nicht gelüftet, kann es zu einer hohen Luftfeuchtigkeit kommen. Trifft diese dann auf kalte Wände, kondensiert das Wasser und bildet eine willkommene Basis für Schimmelsporen.

Weg mit der Zugluft

Das Lüften ist sowieso ein eigenes Thema. Gekippte Fenster sollten im Winter vermieden werden. Stattdessen: regelmäßig stoßlüften, also die Fenster für ein paar Minuten ganz öffnen – und am besten querlüften, also einen Durchzug kreieren.

Entlüften sollte man die Heizkörper, damit diese ihre volle Leistung abrufen können. Ebenfalls wichtig: die Heizung von Gegenständen befreien. Steht eine Couch oder hängt ein Vorhang davor, kann sich die Wärme nicht richtig im Raum verteilen. Es muss also mehr Energie aufgewendet werden, um die gewünschte Temperatur zu erreichen. Und damit die Wärme nicht sofort wieder entweicht, sollte man sicherstellen, dass sämtliche Fenster und Türen abgedichtet sind. Ein gern benutztes Gadget: der Zugluftstopper.

Mit diesen Tipps im Hinterkopf sollte der kommende Winter heiztechnisch kein Problem werden. Das Wichtigste: Sie müssen sich dabei wohlfühlen. Und zur Not tut es auch mal ein Sweatshirt auf der Couch. (Thorben Pollerhof, 3.11.2021)