In der OMV-Zentrale nahe dem Wiener Prater wird schon seit Wochen mit externer Beteiligung um eine neue Strategie gerungen.

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In Österreichs größtem Industrieunternehmen OMV wird seit dem Einzug von Alfred Stern in die Chefetage im Glasturm nahe dem Wiener Praterstadion Anfang September an einer neuen Strategie getüftelt. Korrekter wäre es zu sagen: gerungen. Denn wie schon in der Ära Rainer Seele klaffen die Vorstellungen im Konzern weit auseinander. Die Idee, die OMV zweizuteilen, gehört dazu.

Gemäß den Plänen, die kolportiert werden, könnte die Chemie- und Kunststoffgruppe Borealis, an der die OMV mittlerweile 75 Prozent hält, samt den drei Raffinerien und dem Tankstellennetz Kern des börsennotierten Konzerns mit rund 25.000 Mitarbeitern bleiben. Dagegen könnten der Bereich Exploration und Produktion (E&P) sowie angedachte Projekte mit erneuerbaren Energien aus der Aktiengesellschaft ausgegliedert und zu einem eigenen Unternehmen geformt werden. Für diese Gesellschaft sollen dem Vernehmen nach Investoren gesucht werden – Details gibt es zu alldem aber noch nicht.

Absicht der Republik unklar

So ist auch die Frage offen, ob und mit welchem Anteil sich die Republik in der neuen Gesellschaft engagieren würde. Der Staat ist ja über seine Beteiligungsholding Öbag mit 31,5 Prozent an der OMV beteiligt. Die Anteile der Republik sind mit jenen 24,9 Prozent syndiziert, die vom Staatsfonds aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Mubadala, gehalten werden.

Dass sich die OMV ganz aus dem umstrittenen Geschäft mit Fossilen herausnimmt, ist nicht zu erwarten – weil der Rückzug aus Öl und Gas nicht so schnell vonstattengehen wird und daher auch noch satte Erträge daraus zu erwarten sind, argumentiert man in der OMV sinngemäß.

"Geschäftlich unsinnig"

Ein OMV-Kenner hält die offenbar vom E&P-Bereich gepushte Aufteilung des Energiekonzerns für keine gute Idee und glaubt auch nicht, dass daraus etwas wird. "Das ist geschäftlich unsinnig", sagte der namentlich nicht genannt werden wollende Experte dem STANDARD.

Institutionelle Investoren, die für eine Beteiligung bei E&P infrage kämen, scheuten Engagements in Öl und Gas derzeit und voraussichtlich auch in Zukunft wie der Teufel das Weihwasser, argumentiert er. Wenn überhaupt, dann könne das fossile Standbein der OMV nur mit Abschlägen verkauft werden. Da mache es mehr Sinn, den zu erwartenden hohen Cashflow aus dem Upstream-Bereich für zukunftsträchtige Investitionen wie Kreislaufwirtschaft, aber auch Chemie zu nutzen.

Neue Strategie spätestens im März 2022

In der OMV beschäftigt man sich jedenfalls intensiv mit den Plänen, Stern will die neue Strategie im ersten Quartal 2022 präsentieren.

Dass es bei der Strategiefindung Gegenwind gibt, darauf deutet auch ein anderer Umstand hin: Ursprünglich war für November eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung zum Thema anberaumt; die wurde aber wieder abgesagt. Das Kontrollgremium tagt wie geplant im Dezember. (Renate Graber, Günther Strobl, 3.11.2021)