Wer in den vergangenen Tagen im nordamerikanischen Teil der Twittersphäre zugange war, mag sich bereits gewundert haben, was es mit diesem Brandon auf sich hat, dem so viele Nutzerinnen und Nutzer in den USA bis in höchste Politikkreise viel Glück wünschen: "Let's go Brandon" ziert nicht nur tausende Twitter-Handles und Sporttribünen, sondern mittlerweile auch T-Shirts, die Ex-US-Präsident Donald Trump auf seiner Website feilbietet – für 45 Dollar das Stück.

Maske unter der Nase gehört dazu.
Foto: AP Photo/Joshua Bessex

Und sogar hoch in der Luft fand die vermeintliche Begeisterung für den ominösen Brandon Verbreitung: Auf einem Flug von Houston nach Albuquerque verabschiedete sich der Pilot Medienberichten zufolge mit "Let's go Brandon" von seinen Passagieren – und wurde wenig später öffentlich von der Airline gerüffelt.

Schimpftirade

Denn hinter der kryptischen, auf den ersten Blick profanen Botschaft verbirgt sich eine verklausulierte Schimpftirade gegen Joe Biden, Trumps Nachfolger im Weißen Haus. Seine Entstehung steht sinnbildlich für die Risse, die durch die einst so stolze Nation gehen – und macht deutlich, wie schnell in Zeiten sozialer Medien Fehlleistungen viral gehen können.

"Let's go Brandon" ging viral.
Foto: Graythen/Getty Images/AFP

Etwas mehr als einen Monat ist es her, dass eine Sportmoderatorin im US-Fernsehsender NBC einen gewissen Brandon Brown, seines Zeichens Nascar-Motorsportler, nach seinem Sieg bei einem Rennen in Alabama interviewte. Als das Publikum in Hintergrund "Fuck Joe Biden" grölte, interpretierte die Moderatorin dies – wissentlich oder versehentlich – als "Let's go Brandon" und bestätigte so in rechten Kreisen die dort schon länger gehegte Vermutung, der Sender verbreite Fake-News und würde den Unmut im Land über Biden nicht abbilden.

Nicht nur Trumps Geschäftssinn wurde von den einschlägigen Reaktionen im Netz auf die augenscheinliche Fehlleistung der Sportreporterin angestachelt, auch honorige republikanische Kongressabgeordnete konnten es nicht lassen und beschimpften das Staatsoberhaupt mithilfe von "Let's go Brandon" in aller Öffentlichkeit – einer ließ sich den Satz sogar auf eine Covid-Maske drucken.

Für Joe Biden, der es dieser Tage ohnehin politisch nicht allzu leicht hat, hat sich mit den "Let's go Brandon"-Sprüchen eine weitere Front aufgetan. (flon, 3.11.2021)