Das Jahr 2021 wird wohl als sehr gutes Börsenjahr in die Geschichte eingehen. Aber es gab schon deutlich bessere.

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Knapp nach dem Weltspartag offenbarten die Inflationszahlen für Oktober Handlungsbedarf für klassische Sparbuchsparer. Mit 3,6 Prozent lag der Wert laut einer ersten Schätzung der Statistik Austria auf dem höchsten Wert seit zehn Jahren. Gleichzeitig spielen Einlagen kaum mehr Zinsen ein, das Ersparte verliert immer schneller an Kaufkraft. Banken versuchen, die rund 287 Milliarden Euro an Einlagen von privaten Haushalten in Wertpapiere umzulenken. Aber ist das nach den starken Kursgewinnen der Börsen noch sinnvoll?

Wer heuer bereits mit einem Aktienportfolio ins neue Jahr gestartet ist, hat jedenfalls auf das richtige Pferd gesetzt. Beinahe alle Märkte liegen dank der kräftigen Erholung nach der Corona-Krise deutlich im Plus, obwohl es zuletzt zu einer kleinen Kurskorrektur gekommen ist. Die nachlassende Wirtschaftsdynamik sorgte ebenso für Gegenwind wie die hohen Inflationsraten und die Probleme in den Lieferketten. Wie stehen die Aussichten nun für das Jahresende aus?

Grünes Licht

Zumindest für die Wall Street, wo der marktbreite Index S&P 500 heuer bisher 24 Prozent zugelegt hat, gibt der deutsche Vermögensverwalter HQ Trust grünes Licht für eine Jahresendrally, also weiter steigende Kurse. Denn üblicherweise folgen die letzten beiden Monate dem bisherigen Jahrestrend, wie eine Analyse des S&P seit dem Jahr 1872 ergibt. Demnach hat der Index seither in 34 Jahren bis Ende Oktober wie heuer um mehr als ein Fünftel zugelegt, um dann in den beiden Monaten um durchschnittlich um weitere 5,3 Prozent zu steigen – womit sich der Kurszuwachs auf fast 30 Prozent steigern würde.

Ähnlich sieht es auch an den meisten anderen Aktienmärkten nach den ersten zehn Monaten aus: fast allerorts deutliche Kursgewinne. Wobei Europa bisher der Wall Street einmal mehr hinterherhinkt, der breit gefächerte Stoxx 600 Index legte bisher etwa 20 Prozent zu. Erfreulicher Ausreißer nach oben am alten Kontinent: Der österreichische ATX konnte seit Jahresbeginn einen Kurszuwachs von 37 Prozent verbuchen.

Die Experten des Vermögensverwalters DWS haben sich mit diesem bereits seit Jahren anhaltenden, im Vergleich schwächeren Trend der europäischen Börsen auseinandergesetzt und kommen zu dem Schluss: "Die übergeordnete Malaise Europas liegt in den fehlenden Technologie-Schwergewichten." Die Folge: In den vergangenen 20 Jahren konnte man mit dem S&P 500 eine Rendite von 230 Prozent erzielen, mit dem deutschen Leitindex Dax nur vergleichsweise bescheidene 130 Prozent.

Global statt regional

Kurzfristig erwartet man bei DWS auch keine wirkliche Trendwende: Die Dominanz der Technologiewerte scheine zunächst für den US-Index, in dem Branchenriesen wie Apple, Microsoft, Google und Co vertreten sind, zu sprechen. Was für Anleger bedeutet, Aktien- oder Fondsengagements zur Streuung der Risiken möglichst global auszurichten statt nur regional oder national.

Generell sollten sich Investoren nicht von den zuletzt so hohen Kursgewinnen täuschen lassen: Auf Dauer sind jährliche Kurszuwächse von mehr als 20 Prozent mit Aktien kaum zu erzielen. Investoren sollten sich darauf einstellen, in den nächsten Jahren mit etwas geringeren Erträgen auskommen zu müssen.

Zurück zur Wall Street: Auch wenn 2021 aller Voraussicht nach ein starkes Aktienjahr wird – für einen Eintrag in die Geschichtsbücher wird es wohl nicht reichen. In den stärksten drei Jahren erzielte der S&P jeweils mehr als 40 Prozent Gewinn: Der Rekord liegt bei 45 Prozent, aufgestellt im Jahr 1954. (Alexander Hahn, 4.11.2021)