Magdalena Andersson wurde zur Vorsitzenden der Sozialdemokraten gewählt und muss sich nun dem Parlament stellen.

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Magdalena Andersson mag es direkt. Und das gilt für alle Lebenslagen, von ihrer musikalischen Vorliebe für die Metal-Band System of a Down bis hin zu ihrer Arbeitseinstellung. Der schwedischen Politikerin – seit Donnerstagabend Chefin der regierenden Sozialdemokraten – wurde deshalb in Medien der Spitzname "Bulldozer" verliehen.

Unbeirrt zu sein wird der 54-Jährigen auch bei ihrer künftigen Herausforderung helfen: Sie wird nämlich Schwedens erste Premierministerin werden, wenn Vorgänger Stefan Löfven wie erwartet endlich offiziell abtritt und sie vom Parlament gewählt wird. Und dann warten auf die studierte Ökonomin große Baustellen, die sie bereits in ihrer ersten Rede als Parteichefin am Freitag angesprochen hat: der Kampf gegen die grassierende Bandenkriminalität, der Einsatz für das Weltklima und die Abwehr einer Privatisierung des Gesundheits- und Bildungssystems.

Aus Uppsala

Seit 2014 war Andersson Finanzministerin in allen drei von Löfven geführten Regierungen und bezeichnete sich einmal selbst als die "Sparsamste" in der EU. Bei den zähen Verhandlungen um den EU-Wiederaufbauplan schloss sie sich mit ihren Kollegen aus Dänemark, den Niederlanden und Österreich zur Gruppe der Sparsamen Vier zusammen.

Parteikolleginnen und -kollegen bezeichnen ihre neue Chefin als kompetent, zielstrebig und humorvoll. Geboren wurde Andersson als Tochter einer Lehrerin und eines Statistikprofessors in der Universitätsstadt Uppsala. Dort trat sie auch als Teenager der Sozialdemokratischen Jugend bei und wurde mit 16 Jahren zur regionalen Vorsitzenden.

Verheiratet mit dem Professor

Für ihr Ökonomiestudium ging Andersson an die renommierte Stockholm School of Economics, wo sie, wie sie sagt, ihren "match made in heaven" fand: den Ökonomen Richard Friberg, der nun dort Professor ist. Ihre Studien führte sie im Ausland am Wiener Institut für Höhere Studien und an der Harvard University weiter. Aus dem angestrebten Doktortitel wurde nichts, da sie sich für die Politik und eine Stelle im Büro des damaligen Premiers Göran Persson entschied.

Ihr Privatleben hält die Mutter von zwei erwachsenen Kindern lieber aus der Öffentlichkeit heraus. Bekannt ist, dass sie in ihrer Jugend wettkampfmäßig geturnt hat und geschwommen ist. Als Schwimmerin gewann sie sogar nationale Titel. Als Parteichefin und Premierministerin wartet im kommenden Jahr wieder ein großer Wettkampf: die Parlamentswahlen im Herbst. (Bianca Blei, 5.11.2021)