Der Musiker Van Morrison wird wegen seiner vom Gesundheitsminister Nordirlands geklagt.

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Kompromisse sind für Kompromissbereite. Van Morrison zählt nicht zu der Sorte Mensch. Wenn er für ein 90-Minuten-Konzert gebucht ist, zeigt ihm eine Uhr, die auf der Bühne in seine Richtung gedreht steht, wie lange er noch hat. Nach 90 Minuten ist er weg. Wenn die Band den Song noch zu Ende spielen will, von ihm aus, aber er hat seine Schuldigkeit getan. So erlebt in Wiesen im Burgenland.

Van-Morrison-Anekdoten wie diese sind Legende – wie auch der 1945 als George Ivan Morrison in Belfast geborene Musiker eine ist: Schon in jungen Jahren wurde ihm ein Starrsinn attestiert, der sonst erst dem Alter nachgesagt wird.

Mit Corona und den Einschränkungen für Kunstschaffende hat er deshalb seine Probleme. Immer wieder fiel er mit kritischen Äußerungen zu den Corona-Maßnahmen auf, veröffentlichte Songs zum Thema, die Titel trugen wie Born to Be Free, As I Walked Out oder No More Lockdown.

Umfangreicher Kragen

Als nun ein Konzert des 76-Jährigen wegen Corona-Beschränkungen abgesagt wurde, platzte "Van the man" der umfangreiche Kragen. Er beschimpfte den nordirischen Gesundheitsminister Robin Swann als Gauner. Der hat Van Morrison nun wegen Verleumdung geklagt.

Seine Kritik an den Corona-Maßnahmen rechtfertigt Van Morrison mit der Sorge um das Fort bestehen der Livemusik. Gleichzeitig trägt er dick auf und singt von "gottgegebenen Rechten", von der "Freiheit" und dem Versuch der Obrigkeit, ihn der "Versklavung" zuzuführen.

Frag doch John Lee Hooker

Schade, dass John Lee Hooker oder Ray Charles nicht mehr leben. Mit denen hat Van Morrison gespielt, und die hätten ihm den Unterschied zwischen Sklaverei und eine Weile lang nicht auftreten dürfen sicher erklären können.

Der Konflikt mit Robin Swann hat bereits im Vorjahr begonnen. Damals nannte der Politiker Morrisons Songs gefährlich. Er verstehe zwar die Emotionen des mit der Band Them in den 1960ern berühmt gewordenen Sängers, aber jetzt sei es wichtiger, auf die Gesundheit aller zu achten.

Sogar eine Aberkennung der Ehrung "Freedom of Belfast honour" stand zur Diskussion. Doch das hat den Schöpfer von Klassikern wie Brown Eyed Girl, Madame George oder Moondance nicht gekratzt. Im Rolling Stone Magazin sagte Swann deshalb: "Manches von dem, was er sagt, ist wirklich gefährlich. Es könnte Leute dazu bringen, Corona nicht ernst zu nehmen."

Oft folgt dem Starrsinn leider der Unsinn.

(Karl Fluch, 9.11.2021)