Sigi Koizar (Mitte) führt Österreichs Frauen-Nationalteam in die ersten Länderspiele seit einer halben Ewigkeit.

Foto: Basketball Austria

Die ÖBV-Auswahl bereitet sich in Schwechat auf die Spiele gegen Dänemark und Montenegro vor.

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Conchita Wurst gewann für Österreich den Eurovision Song Contest, Ex-Sturm-Graz-Präsident Hannes Kartnig musste sich vor Gericht verantworten, und die Mariahilfer Straße wurde zur Fußgängerzone. Das ist alles lange her. 2014 um genau zu sein. Seit damals ist es auch still geworden um Österreichs Frauen-Basketball-Nationalteam. Nach sieben Jahren ohne Lehrgänge und Länderspiele feiert das Team nun ein Comeback. Der Auftakt in die Qualifikation für die Europameisterschaft 2023 erfolgt am Donnerstag in Dänemark (18.30 Uhr), die Heimpremiere gibt es am Sonntag in Schwechat gegen Montenegro (18.00 Uhr), ORF Sport Plus überträgt live. "Es ist unverständlich, dass es so lange kein Frauenteam gegeben hat, aber umso größer ist nun die Freude. Wir rechnen uns Chancen aus, haben in der Vorbereitung aufgezeigt", sagt Headcoach Hubert Schmidt.

Es tut sich etwas im Frauenbasketball. Das Nationalteam kann mittlerweile auf eine stets zunehmende Anzahl an Legionärinnen zurückgreifen. Aushängeschild ist Sigi Koizar, die 26-jährige Wienerin spielt in der Basketball-Hochburg Spanien bei Basket Leganes. Mit Sarah Sagerer (Polen), Anja Fuchs-Robetin, Kata Takacs, (Deutschland), Nina Krisper (Belgien) oder Julia Köppl (England) sind weitere Stützen der Mannschaft im Ausland aktiv. Dazu wagen auch immer mehr Spielerinnen den Sprung über den Teich Richtung US-Colleges. Die gebürtige Polin Ana Boruta (Northeastern, NCAA Division I) sowie Anja Knoflach (Siena, ebenfalls Division I) fehlen Österreich aufgrund des Spielplans der US-Universitäten, der mit den FIBA-Qualifikationsterminen zusammenfällt. Deshalb kann auch Jakob Pöltl seit Jahren nicht für Österreich auflaufen, weil sich NBA und EM-Quali immer überschneiden. Ebenfalls fehlen wird Collegespielerin Rebekka Kalaydjiev, die sich nach einem schweren Autounfall in den USA auf Rehabilitation befindet.

Gezielte Fördermaßnahmen

"Wir können die Terminpolitik der FIBA nicht ändern, aber alle anderen Länder haben das gleiche Problem", sagt Schmidt, der selbst mit dem Quali-Kalender zu kämpfen hat. Der Burgenländer ist im Brotberuf Cheftrainer bei den Vienna DC Timberwolves in der Herren-Superliga und wird deren Heimspiel gegen Oberwart am Samstag verpassen.

In Österreich gibt es etwa 23.000 aktive Basketballer, etwas mehr als 20 Prozent der Aktiven sind weiblich. Der Verband (ÖBV) hat sich auf die Fahne geheftet, diese Quote drastisch zu erhöhen. Die heimische Frauen-Bundesliga wurde auf acht Teams aufgestockt, es waren schon einmal mehr, aber auch weniger. Dort dominieren die Klosterneuburg Duchess, der Titelverteidiger ist in dieser Saison noch ungeschlagen. Vereine, die weibliche U12-Mannschaften zur Meisterschaft anmelden, erhalten vom ÖBV bis zu 5.000 Euro Förderung. Es gibt fünf Schiedsrichterinnen, die im Kader für die höchste Spielklasse der Männer und Frauen stehen und regelmäßig pfeifen, zwei davon sind FIBA-Schiedsrichterinnen. Für die heimischen U14-, U16- und U19-Nachwuchs-Meisterschaften registrierte der Verband einen Anmelderekord. Ziel bleibt es, laut Schmidt, so viele Mädchen wie möglich für Basketball zu begeistern. "Die Pandemie erschwert die Arbeit ungemein. Das Berufsbild Basketballerin gibt es, wir bemühen uns, mit dem Nationalteam Vorbilder zu schaffen."

Dritter Gruppengegner der ÖBV-Damen ist Russland, die Nummer drei Europas. 38 Nationen gehen in die Qualifikation, 36 spielen um 14 Tickets, da die Gastgeberländer der Endrunde, Slowenien und Israel, fix qualifiziert sind. Die Sieger der zehn Gruppen und die vier besten Zweiten sind bei der EM im Sommer 2023 dabei.

In der Vorbereitung schlug Österreich Finnland, einen Gegner aus dem unteren Mittelfeld Europas. Eine richtige Riesin unter dem Korb fehlt traditionell, Sarah Sagerer ragt mit knapp 1,90 Meter dennoch heraus. Die 25-jährigere Oberösterreicherin war gegen Finnland mit 13 Punkten beste Werferin. Schmidt: "Wir wollen als Team verteidigen, unseren Größennachteil wettmachen. Bei einem Test konnten wir Polens großes Center-Talent Kamila Borkowska neutralisieren." (Florian Vetter, 10.11.2021)