"GTA San Andreas" kann man auch heute noch gut spielen – so umfangreiche und realistische Darstellungen einer Welt gibt es bis heute selten.

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Aufgewärmt schmeckt ja bekanntlich nur ein Gulasch gut. Bei der populären "Grand Theft Auto"-Serie mundet die Neuaufbereitung der Neuaufbereitung deshalb nur eingeschränkt, auch wegen einiger technischer Pannen in der Sammlung. Manche Spieler könnten dennoch Freude mit den drei Spielen haben, handelt es sich doch um wahre Klassiker ihrer Zunft.

Rockstar Games

Rückblick

Als junger, wilder Gamer muss man schon ein interessierter Spielhistoriker sein, um sich für die groben Klumpen der frühen 2000er-Jahre zu interessieren. Die sogenannte 3D-Grafik der Playstation-2-Ära ist tatsächlich nicht gut gealtert. Grund genug also, die drei Blockbuster-Games "GTA III", "GTA Vice City" und "GTA: San Andreas" neu einzukleiden. Da die Open-World-Spiele bereits 2005 das erste Mal in Form einer "Trilogy" zusammengefasst wurden, musste der Titel im Jahr 2021 um den Anhang "The Definitive Edition" erweitert werden.

Startet man nach der Installation der insgesamt rund 38 Gigabyte großen Sammlung beispielsweise das 20 Jahre alte "GTA III", wird schnell klar, woran Publisher Rockstar Games und US-Entwickler Grove Street Games in den letzten Jahren gearbeitet haben. Neben einer Generalsanierung der 3D-Modelle dürfen Spieler nun wesentlich weiter blicken, neue Lichteffekte bestaunen, und die Steuerung wurde modernen Ansprüchen angepasst. Auch das Einfügen des Waffenrades ist eine willkommene Anpassung an heutige Gewohnheiten. Zudem warten auf den neuen Konsolen und auf dem PC 60 Bilder pro Sekunde und eine 4K-Auflösung, während auf der Nintendo Switch etwa der Touchscreen für eine bessere Menüsteuerung genutzt werden kann.

Am Soundtrack mussten aufgrund auslaufender Rechte Änderungen vorgenommen werden. Dennoch werden wieder ausreichend Songs und Radiostationen geboten.
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Mit all den Verbesserungen wurden Spiele veröffentlicht, die allerdings weder das Original von damals zeigen, noch wirklich zeitgemäß wirken. Die Charaktere, speziell in "GTA III" und "GTA Vice City" sehen aus wie Spielzeugfiguren, die jetzt über mehr Details verfügen. Zudem wurden manche Charaktermodelle verschlimmbessert und leiden eher unter dem Mehr an Details oder unpassenden Proportionen. Die Fahrphysik ist, höflich ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig, und manche Lichteffekte lassen die Welt eher surreal wirken als realistisch.

Aber funktionieren die Spiele abseits dieser Änderungen? Viele ältere Gamer werden mit "GTA III" das erste Mal in ihrem digitalen Leben eine realistische Simulation einer Stadt erlebt haben, in der man relativ frei Unfug treiben konnte. Taxis "borgen", um ein wenig Geld zu verdienen, im Spray-Shop das Auto umlackieren, um vor der Polizei unterzutauchen, und viele andere Dinge waren hier erstmals in einer einigermaßen realistischen Welt erlebbar. Die anderen beiden Titel führten Dinge wie wechselnde Kleidung, wunderbare Storys und einen fitter werdenden Charakter ein – "GTA San Andreas" hat nicht umsonst auf der Plattform "Metacritic" eine Durchschnittswertung von 95 Prozent.

So sind es also gar nicht die im Vergleich zu heutigen Spielen teils eingeschränkten Möglichkeiten oder das Fehlen einer gut erzählten Story, die den Spielspaß trüben, sondern tatsächlich die regelmäßig auftretenden technischen Probleme. Leute laufen gegen Wände oder springen unmotiviert mehrere Meter weit. Und auch grafische Fehler tauchen in einer Regelmäßigkeit auf, die eine Neuauflage dieser Spiele nicht verdient hat. Zudem liest man im Netz über zusätzliche Performance-Probleme auf der Nintendo Switch, die manche Abschnitte nahezu unspielbar machen sollen.

Mehr Verkehr, mehr Lichteffekte – die Games wurden ordentlich aufgewertet.
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Fazit

Anfang der 2000er wurde nicht sieben Jahre an einem Blockbuster gearbeitet. Die drei in der "Definitve Edition" enthaltenen "GTA"-Games erschienen innerhalb von vier Jahren (2001 bis 2004) – unvorstellbar, wenn man denkt, dass wir seit etwa sieben Jahren auf eine Fortsetzung von Teil fünf warten. Ja, gerne "Ich hasse GTA Online" brüllen, auch wenn noch immer tausende Spieler Spaß mit der aktuellen Version von Los Santos und ihren fliegenden Motorrädern haben. "GTA 6" wird kommen, keine Angst.

Was die Neuauflage der alten Klassiker betrifft, kann hier leider keine Kaufempfehlung ausgesprochen werden – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Da es sich um digitale Versionen handelt, kann Entwickler Grove Street Games Updates rausballern, bis das Spiel zumindest von technischen Fehlern befreit wurde. Inhaltlich kann etwa ein "GTA San Andreas" sicher auch mit heutigen Spielen noch mithalten – was auch viel über den Status vieler Open-World-Games der heutigen Zeit aussagt.

Xbox-Spieler mit Game Pass können sich übrigens "GTA San Andreas" kostenlos im Abo ab sofort herunterladen – im Dezember freuen sich Playstation-Now-Kunden über den Release von "GTA 3". So kann man einmal in eine der Neuauflagen reinschauen und dann entscheiden, ob die alten Zeiten ruhen sollten oder man ausreichend Nostalgie im Blut hat, um über die derzeitigen Fehler hinwegsehen zu können. (Alexander Amon, 12.11.2021)