Vergangenes Jahr entstanden an heimischen Unis 16 Unternehmen. Es bleibt viel Luft nach oben.

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Wien – Voller Euphorie die Idee für eine eigene Firma durchdenken und ausdiskutieren. Das gehört zu einer Studentenlaufbahn dazu. Mindestens einmal. An Universitäten bleibt diese Phase dann aber meistens sowohl der Anfang als auch das Ende besagter Idee. Unabhängig davon wie gut oder schlecht diese war.

Dabei wären die Rahmenbedingungen nicht schlecht. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. Nur die Schweden steckten im Vorjahr mehr Geld in dieses Feld. Insgesamt investierten heimische Unternehmen und die Republik rund 12,1 Milliarden Euro in die Forschung, wie aus den Zahlen der Statistik Austria hervorgeht.

Nur 16 Spin-offs

Dass F&E stetig an Bedeutung gewinnt, streitet hierzulande auch niemand ab. Dennoch: Was universitäre Spin-offs – also Firmen, die direkt aus Universitäten heraus gegründet werden – betrifft, geht wenig weiter. Knapp 344.000 Menschen studierten laut den Jahresberichten 2020 in Österreich, dabei wurden nur 16 Spin-offs an öffentlichen Universitäten (ohne Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen) gegründet. Ob es wirklich genau 16 sind, darüber lässt sich streiten. Die Kriterien ab wann ein Unternehmen als Spin-off zählt, sind schwammig. Doch eine Quintessenz bleibt – es sind wenige.

Mit Hermann Hauser und Herbert Gartner von eQventure wollen zwei heimische Unternehmer und Investoren-Schwergewichte gegensteuern. Sie starteten die Initiative Spin-off Austria und veranstalten am 23. November zum zweiten Mal eine groß angelegte Onlinekonferenz für Studierende, Lehrende, Wirtschaftsvertreter, Kapitalgeber und sonstige Interessenten. Zwei internationale Keynote-Speaker sollen bei der Spin-off-Konferenz für Inspiration sorgen: die Biontech-Mitgründerin Özelm Türeci und John Cumbers. Er gründete Synbiobeta, die größte Vernetzungs- und Veranstaltungsfirma in Sachen synthetischer Biologie.

Zu starke Lobbys

Cumbers studierte in England, arbeitete danach bei der Nasa und gründete sein Unternehmen in Kalifornien. Somit verschaffte er sich Einblicke, sowohl in die wissenschaftliche als auch die unternehmerische Welt. "Es wird immer zu wenig Geld für die Wissenschaft sein. Die Lobbys großer Konzerne, die Infrastrukturprojekte realisieren wollen oder auf Steuererleichterungen drängen, sind zu stark", sagt er im Gespräch mit dem STANDARD. Die Wissenschaft bleibe oft auf der Strecke. Für 2020 gibt es keine detaillierte Aufschlüsselung, wie viel Forschungsgeld in Bildungseinrichtungen floss. 2019 waren es jedenfalls 2,71 Milliarden Euro, größtenteils finanziert durch den Bund.

Für Cumbers besteht ein kulturelles Problem: "Firmen gründen, gutes Geld verdienen – Österreich ist noch recht konservativ in diesen Belangen. Es braucht ein Umdenken." Als gebürtiger Brite kennt er Europa. Er empfiehlt, Studenten mit Gründungspotenzial für eine gewisse Zeit auf Staatskosten in die USA oder nach China zu schicken. "Dort lernen sie Innovation. Zu Hause lässt es sich anwenden." Natürlich bestehe die Gefahr, dass die Studenten nicht zurückkommen. Das sei das Risiko aber allemal wert.

Halbvolles Glas

Bis zum Jahr 2030 soll, wenn es nach Hauser und Gartner geht, ein Spin-off-Ökosystem mit zusätzlichen 1.000 neu gegründeten Start-ups gedeihen. "Österreich ist so weit hinterher, dass es fast schon wieder ein Vorteil ist. Wir können uns aus anderen Ländern abschauen, was dort gut funktioniert", meinte Gartner vor einem Jahr.

Doch Cumbers sieht das österreichische Glas eindeutig halb voll: "Man darf nicht vergessen, wie viel in Österreich gut läuft. Zum Beispiel funktioniert sonst nirgends der öffentliche Verkehr so gut. Die Lebensqualität ist fantastisch." Niemand würde wollen, dass sich Österreich in ein Rieseneinkaufszentrum à la USA verwandelt.

In der Erstauflage der Spin-off-Konferenz nahmen rund 1000 Personen teil. Zuhören ist kostenlos, registrieren kann man sich auf der Website. Gründungsmotivation bei jungen Menschen entfachen, lautet das erklärte Ziel. (Andreas Danzer, 13.11.2021)