Eine Erklärung zum Aus von Kohlestrom wurde bei der Klimakonferenz im letzten Moment verwässert.

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Rund 26 Jahre hat es gedauert, bis sich ein längst bekannter kausaler Zusammenhang in der Erklärung einer Klimakonferenz niederschlug: Wenn wir wollen, dass der Klimawandel aufhört, müssen wir auch aufhören, Kohle, Öl und Gas zu verbrennen. Aber gut: Wo im Konsens beschlossen wird, ist Politik eben schwerfällig, besonders wenn es knapp 200 Staaten sind, die verhandeln.

Unverzeihlich ist hingegen das Vorgehen mancher Länder bei der Klimakonferenz, diese späte Einsicht doch noch abzuschwächen. Nahe war die Erklärung, komplett aus der Kohle auszusteigen und Förderungen für fossile Brennstoffe einzustellen, bevor sie von Indien, China und anderen verwässert wurde. Das schmälert das sonst durchaus positive Ergebnis des Klimagipfels. Ernsthaften Klimaschutz zu betreiben, ohne eine ehrliche Debatte über fossile Energie führen zu wollen, ist genauso Realitätsverweigerung wie das Ende von Corona herbeizusehnen, aber gleichzeitig die Impfung zu verweigern.

Die internationale Klimapolitik ist in Glasgow endlich an einem Punkt angelangt, an dem man sich über den Ernst der Lage einig ist und endlich über Lösungen für die Klimakrise reden und auch streiten kann. Kohle und Öl sind allerdings keine davon, sondern das Hauptproblem. Das ist Fakt – und muss indiskutabel bleiben, auch wenn es für viele Staaten schmerzt. (Philip Pramer, 14.11.2021)