Die Niederlande war nur vier Minuten von Katar entfernt, jetzt droht der Totalschaden.

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Rotterdam/München – Der selbstbewusste "Tulpen-General" Louis van Gaal war plötzlich ratlos, seine geschockten Stars schimpften über die eigene "Super-Dummheit", für die Presse ist die Lage "hoffnungslos": Ohne Holland zur WM? Nach dem Arroganz-Anfall bei Oranje könnte der deutsche Fanklassiker am Dienstag zur nächsten Aufführung kommen – und Stefan Kuntz mit seinen Türken auf Kosten der Elftal sein ganz persönliches Quali-"Wunder" feiern.

"Natürlich bin ich sauer", polterte Kapitän Virgil van Dijk nach dem 2:2 der Elftal in Montenegro, wo der dreimalige WM-Zweite in den Schlussminuten leichtfertig eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben hatte. "Schrecklich und unverschämt", sei die Leistung zum Ende hin gewesen, blaffte er. Oder, wie es Doppelpacker Memphis Depay nannte: "Super dumm!"

Im Gefühl des sicheren Sieges habe man nur noch "tikkie-breed" gespielt, also brotlose Kunst gezeigt. "Kindisch", fand das Mittelfeldboss Frenkie de Jong. TV-Experte Pierre van Hooijdonk nannte es "arrogant", das Algemeen Dagblad "amateurhaft". Die Lage vor dem Geister-"Endspiel" in Rotterdam gegen Norwegen? "Hoffnungslos", ächzte der Fernsehsender NOS verzweifelt.

Dabei führt Oranje, das schon die WM 2018 verpasst hatte, die Gruppe G mit 20 Punkten vor der Türkei und Norwegen (je 18) an. Nach dem 0:0 der Wikinger ohne den verletzten Stürmerstar Erling Haaland gegen Lettland hatte van Gaal getönt: "Jetzt kann nichts mehr schiefgehen!"

Wut über leere Ränge

Doch nach den späten Gegentoren durch Ilija Vukotic (82.) und Nikola Vujnovic (86.) gestand er kleinlaut ein: "Wir haben eine riesige Chance vertan." Der Einbruch? "Unerklärlich."

Das "Finale" um ein Katar-Ticket steht unter keinem guten Stern: Verteidiger Stefan de Vrij hat sich verletzt, zudem muss Oranje wegen der angespannten Corona-Lage vor leeren Rängen spielen. Der Verband schimpfte über "politische Armut" und ätzte, die Entscheider wüssten "nicht mehr, was sie tun".

Norwegen-Coach Stale Solbakken (früher 1. FC Köln) wittert Morgenluft und drohte: "Wir leben noch!" Die Türkei gastiert zeitgleich in Montenegro und wäre mit einem Sieg vor den Augen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan sicher in den Play-offs.

Die Zeitung Fanatik schwärmte nach dem locker-leichten 6:0 gegen Gibraltar schon vom "Kuntz-Effekt", und der Coach versprach: "Wir sind bereit, wenn sich die Tür öffnet." (sid, red, 14.11.2021)