Ursula Stenzel bei einer Parteiveranstaltung der FPÖ.

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Als 2015 bekannt wurde, dass die damalige Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel, in Wien für die FPÖ kandidieren würde, erhielt sie einen handgeschriebenen Brief von Erika Pluhar. Die Schauspielerin sei "voller Entsetzen" gewesen. "Eine ÖVP-Mitgliedschaft wurde mir in diesem Milieu gerade noch verziehen. Wenngleich auch nur halbherzig", kommentiert Stenzel in ihrer Autobiografie den Brief trotzig. Wie im Flug. Etappen meines Lebens heißt ihr Buch, das am Donnerstag präsentiert wird.

Zum damaligen Parteichef Heinz-Christian Strache pflegte Stenzel ein gutes Verhältnis.
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Von der angesehenen ORF-Journalistin zur umstrittenen Politikerin: Stenzels Werdegang ist für viele schwer nachvollziehbar. Auch ihr neues Buch hilft nicht dabei. Sie gibt darin radikale Ansichten wieder, outet sich etwa als Sympathisantin des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Sie habe ihn für keine "Witzfigur" gehalten. Von Trump, der die Fluchtbewegungen von Mexiko in die USA als "Invasion ohne Waffen" bezeichnet hatte, borgt sie sich auch dieses Wording, wenn sie über den Sommer 2015 in Europa schreibt. "Diese fälschlicherweise als Flüchtlingskrise bezeichnete Invasion ohne Waffen" sei Anlass für sie gewesen, mit der FPÖ in den Wien-Wahlkampf zu ziehen. Sie sei damals in einer ähnlichen Gefühlslage wie bei den Angriffen auf das World Trade Center gewesen und spricht vom "europäischen 9/11".

Vor der FPÖ engagierte sich Stenzel bei der ÖVP (im Bild mit Othmar Karas und Wolfgang Schüssel) und war zweimal EU-Spitzenkandidatin.
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Bei der FPÖ habe sie auch angedockt, weil "das erste Mal seit Jahrzehnten die Chance einer Beendigung der roten Vorherrschaft in Wien bestand". Von der ÖVP war sie nicht mehr nominiert worden – wenngleich sie zwei Wahlen, 2005 und 2010, gewonnen hatte.

Erste Frau in "Zeit im Bild"

Wie kam es überhaupt zu ihrem Engagement in der Politik? Vor ihrer Zeit in der Kommunalpolitik gehörte sie ja bereits zehn Jahre lang dem EU-Parlament als Delegationsleiterin der ÖVP an. Stenzel schildert, wie sie 1996 der damalige ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel fragte, ob sie als Spitzenkandidatin für die EU-Wahl bereitstehe. Ihre Karriere als TV-Moderatorin und Fernsehjournalistin war gerade zu Ende gegangen, sie war zum Hörfunk zurückgekehrt und willigte ein. 20 Jahre lang war sie davor als Moderatorin in der Zeit im Bild 1 und Zeit im Bild 2 tätig gewesen, im Februar 1975 als "erste Frau in einer politischen Hauptsendung des ORF", schreibt sie nicht ohne Stolz.

20 Jahre lang präsentierte Stenzel die "Zeit im Bild" und die "Zeit im Bild 2" – etwa mit Klaus Edlinger.
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Die aus einer jüdisch-katholischen Familie stammende Stenzel macht kein Hehl daraus, dass sie dem ehemaligen Parteiobmann der FPÖ, Heinz-Christian Strache, nach wie vor nahestehe: "Ich weigere mich bis heute, den Stab über ihn zu brechen." Bei der Ibiza-Affäre habe sie ihm geraten, nicht zurückzutreten. Stenzel als Bundespräsidentschaftskandidatin brachte Strache innerparteilich nicht durch, laut der Ex-Politikerin ein "erstes Zeichen einer Führungsschwäche".

Im Buch nimmt auch die Aufarbeitung ihrer Ehe mit dem mittlerweile verstorbenen Schauspieler Heinrich Schweiger viel Raum ein. Und auch eine Entschuldigung findet Platz: "Der Sager über Armin Wolf, in dem ich ihn mit einem NS-Richter des Volksgerichtshofes verglichen habe, war nicht nur überzogen, sondern falsch. Ich entschuldige mich dafür." (Rosa Winkler-Hermaden, 18.11.2021)