Im Österreichischen Pavillon wird es nicht zu heiß.

Foto: rs Electronica Solutions/Expo A

Bei der Expo 2020 in Dubai klang es Freitagfrüh nach Kirchtag. Die Musikkapelle aus dem zeitweisen Coronahotspot Haiming in Tirol – im März war die Gemeinde abgeriegelt – war für den österreichischen Nationentag bei der Weltausstellung angereist und sorgte vor der Zeremonie für die Soundkulisse. Dann wurden die Fahnen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Österreichs gehisst, die Hymnen gespielt und die Ehrengäste ans Mikrophon gebeten. Und dann wieder Musik, aber diesmal mit Geigen und Keyboard und Balletteinlage.

Österreich hätte bei der Zeremonie auch von Bundespräsident Alexander van der Bellen (Grüne) vertreten werden sollen. Aber genauso wie Harald Mahrer, der in seiner Funktion als Wirtschaftskammerpräsident Teil der Delegation hätte sein sollen, hatte das Staatsoberhaupt wegen der Coronasituation in Österreich seine Reise kurzfristig abgesagt. Als einzige Vertreterin der heimischen Politik blieb Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). Nicht jeder konnte seine Enttäuschung über das Ausbleiben van der Bellens verbergen. Botschafter Andreas Liebmann und der WKO-Wirtschaftsdelegierte mussten das lange vorbereitete Programm binnen kürzester Zeit neu aufsetzen. Und zudem zählen Repräsentation und politische Kontaktpflege viel in den Emiraten. Kommt das Staatsoberhaupt, ist das ein Zeichen der besonderen Wertschätzung – und der Geschäftsanbahnung jedenfalls nicht abträglich.

Ministerin Schramböck (ÖVP) empfing Vertreter der Emirate im Österreich-Pavillon. Rechts neben der Wirtschaftsministerin saße die Expo-Ministerin der Emirate, Reem al-Hashimi, sowie Regierungskommissarin Beatrix Karl. Ganz links saß Handelsminister Thani Al-Zeyoudi. Rechts im Bild ist Botschafter Andreas Liebmann sowie WKO-Vizepräsidentin Carmen Goby
Foto: Aloysius Widmann

In der Auslage

Und letztlich ging es am Freitag ja vor allem ums Geschäft. Der Nationentag – alle Staaten, die bei der Expo 2020 ausstellen, feiern einen solchen – stellte Österreich in die Auslage und lenkte die internationale Öffentlichkeit so gut wie möglich auf seine Unternehmen. Die heimische Wirtschaftsdelegation war mit Vertretern von mehr als 140 Unternehmen vor Ort, die größte österreichischen Delegation, die jemals in die Emirate gereist ist. Öbag-Chefin Christine Catasta war da, Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun, Vertreter von Borealis, Doppelmayr und so weiter. Botschafter Liebmann betonte allerdings, dass die Emirate der Delegation besondere Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Es sei nicht selbstverständlich, dass gleich zwei Minister zum Nationentag kommen. Expo-Ministerin Reem al-Hashimi war gekommen, auch der Handelsminister Thani Al-Zeyoudi. Die Emirate hätten natürlich Verständnis dafür, dass ein Staatschef bei einer Staatskrise nicht reisen könne.

Nach den Musikeinlagen und Sonntagsreden – oder in diesem Fall besser: Freitagsreden – der politischen Ehrengäste zog der mit rot-weiß-roten Fahnen ausgestattete Tross jedenfalls in Richtung Österreich-Pavillon. Dort im arabischen Windtürmen nachempfundenen Komplex wurde genetzwerkt. In den 38 miteinander verschnittenen, weißen Kegeln aus mit Lehm verputzten Betonfertigteilen sind Innovationen aus Österreich ausgestellt. Aufgrund eines ausgeklügelten Energiedesigns kommt der Pavillon mit 70 Prozent weniger Energie als andere Pavillons auf dem riesigen Gelände aus. Der Erfindergeist des Landes soll hervorgehoben werden, Lust an der Zusammenarbeit mit österreichischen Unternehmen entstehen.

Die österreichischen Windtürme.
Foto: Andreas Keller

Später am Nachmittag wurden zwei Kooperationen zwischen Unternehmen aus beiden Ländern feierlich besiegelt. Cleen Energy AG aus Haag in Niederösterreich einen Vertrag soll gemeinsam mit einer emiratischen Gruppe Photovoltaikanlagen im sonnenreichen Dubai installieren und diese langfristig betreiben. Projektvolumen: 40 bis 80 Millionen Euro. Auch die Rabmer Gruppe aus Altenberg bei Linz zog einen Deal an Land, das Unternehmen soll Duschen in Dubai mit Mini-Turbinen ausstatten, die den Wasserverbrauch um 40 Prozent reduzieren. Wasser ist Mangelware in der Wüste, Duschwasser zu erzeugen sehr energieintensiv. Die Emirate gehören zu den Ländern mit dem weltweit höchsten CO2-Fußabdruck pro Kopf und wollen diesen bis 2050 drastisch reduzieren.

Die Verträge wurden in offiziellem Rahmen unterzeichnet, Ministerin Schramböck war anwesend und auch Vertreter der Emirate. Das sei hilfreich in der Region, sagen Auskenner, der Staat signalisiere, dass die Verträge auch im Interesse der VAE sind.

Österreich hier, Österreich da

In der Expo 2020 steckt viel Österreich, wie die Wirtschaftskammer nicht müde wird zu betonen. Und das nicht nur im österreichischen Beitrag. In 14 Pavillons stecken 21 heimische Unternehmen, wie WKO-Vizepräsidentin Carmen Goby am Samstag betonte. Für Österreichs Wirtschaft sei das ein "Ritterschlag", Staaten rücken sich selbst ins beste Licht und setzen dabei auf rot-weiß-rote Unternehmen.

Der Pavillon Saudi-Arabiens.
Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Wie zum Beispiel auf die Raintime GmbH aus Münchendorf, die im Singapur-Pavillon Vernebelungsanlagen installiert hat. Das kühlt die Luft und sorgt für Feuchtigkeit, während wenige hundert Meter entfernt die Wüste beginnt, wähnt man sich in dem offenen Pavillon im Tropenwald.

Die Stahlkonstruktion für die riesige kuppelförmige Projektionsleinwand, die die Al Wasl Plaza überdacht, hat Waagner-Biro entworfen. Von dem Hauptplatz der Expo, an dem auch die Zeremonie am Nationentag stattfand, sieht man im Nordosten die Silhouetten der österreichischen Windtürme. Auf halbem Weg dorthin kommt man am Pavillon Saudi-Arabiens vorbei. Der überhängende Konstruktion wurde von Kraftwerk Living Technologies GmbH aus Wels ein audiovisuelles System verpasst und von der Tiroler Bartenbach GmbH ein Lichtdesign.

Der Pavillon Singapurs gleicht einer Oase in der Wüste. Gleich beim Eingang hat sich ein Vogel in einem Baum ein Nest gebaut. Die Küken im Nest sind noch jung.
Foto: imago images/Pixsell

Aber auch abseits der Weltausstellung sind die Emirate ein wichtiger Markt für Österreichs Unternehmen. VAE liegt auf der Liste der wichtigsten Destinationen für österreichische Direktinvestitionen auf Rang sieben. Am Louvre in Abu Dhabi hat Waagner-Biro mitgewirkt, beim Burj Khalifa, dem mit fast 829 Metern höchsten Gebäude der Welt, hat die Voest Alpine den Stahluntergrund gemacht, Skidata das Zugangssystem für die Garage, Doka die Verkleidung, Ecotherm ein Wasserheizsystem und so weiter.

Lockdown zuhause

Am Freitag sorgten die Schlagzeilen aus Wien, die in Dubai etwa um die Mittagszeit eintrudelten, freilich für etwas gedämpfte Stimmung unter den Unternehmensvertretern. Als Medien erstmals vom bevorstehenden Lockdown berichteten, wurde im Österreich-Pavillon gerade genetzwerkt. Auch Ministerin Schramböck äußerte Bedauern, dass eine uneinsichtige Minderheit der geimpften Mehrheit der Menschen in Österreich wieder einen Lockdown beschert hat. Als sie am Samstag in Dubai Resümee über die Delegationsreise zog, wich sie der Frage, inwiefern die Regierung Mitschuld an der Situation trage, aus. Diese Minderheit lasse sich womöglich nur mit einer Impfpflicht erreichen, sagte sie.

Der Burj Khalifa überragt die restlichen Hochhäuser Dubais um Vieles.
Foto: Reuters

Der Besuch in den Emiraten sei aber ein Erfolg gewesen, betonte die Ministerin, die auch den hiesigen Minister für künstliche Intelligenz zu einem bilateralen Gespräch traf. Der Markt sei für österreichische Unternehmen sehr wichtig, weil von hier aus die ganze Golfregion und auch Nordafrika bedient werden können. Ein strategische Partnerschaft wie mit Österreich – Schwerpunkte sind Wasserstoff, grüne Technologie und künstliche Intelligenz – gehen die Emirate auch mit Indien ein, einem Markt, in dem Österreich bisher wenig präsent ist. Schramböck hofft, dass die Emirate künftig auch für österreichische Betriebe ein Tor zum indischen Markt sein werden.

Der Freitagabend klang in den Windkegeln aus. Noch einmal geigte Stradivari Violinist Yury Revich, es wurde österreichischer Wein ausgeschenkt – und viel über die Coronapandemie zuhause gesprochen. (Aloysius Widmann aus Dubai, 20.11.2021)