Wird ein selbstfahrendes Auto endlich das "nächste große Ding" von Apple-Boss Tim Cook?

Foto: Jeff Chiu / AP

Ein vollständig selbstfahrendes Auto zu entwickeln ist nicht unbedingt ein triviales Unterfangen. Diesen Umstand musste in den vergangenen Jahren selbst Apple zur Kenntnis nehmen. Immer wieder wurde das "Project Titan" umgekrempelt, Manager kamen und gingen in rascher Abfolge. Nun sieht sich Apple aber offenbar auf einem guten Weg – und hat sich dementsprechend ambitionierte Ziele gesetzt. Bereits im Jahr 2025 soll das erste selbstfahrende Elektroauto von Apple auf den Markt kommen, berichtet Mark Gurman von Bloomberg unter Berufung auf interne Quellen bei dem Unternehmen. Damit habe man den bisherigen Zeitplan deutlich beschleunigt.

Kein Lenkrad

Der Bericht liefert aber auch neue Details zur Hardware: Demnach soll das Auto wirklich komplett autonom fahren, es gar kein Lenkrad geben. Das wiederum ermögliche es, den Innenraum anders zu gestalten, auch sonst sollen die Apple-Autos sehr geräumig ausfallen und an einen Limousinenservice erinnern. Konkret verweist Gurman als Vergleich auf die Gefährte von Canoo, einem Elektroauto-Start-up, das Apple angeblich vor einiger Zeit sogar übernehmen wollte und von dem man nach dem Scheitern dieser Verhandlungen einen der Gründer abgeworben hat. Im Inneren soll es zudem einen Touch-Bildschirm im iPad-Stil geben, auf dem ein iOS-ähnliches Betriebssystem laufen soll.

Selbstfahrende Autos ohne Lenkrad hatte die Google-Schwester Waymo schon vor einigen Jahren vorgezeigt, war aber aufgrund regulatorischer Hürden davon wieder abgegangen, da es zu dem Zeitpunkt schlicht noch nicht legal war, auf öffentlichen Straßen ohne einen menschlichen Beifahrer unterwegs zu sein. Mittlerweile haben aber einige US-Bundesstaaten die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen.

Eigener Chip

Apple will für sein selbstfahrendes Auto aber auch die eigenen Stärken im Bereich der Chipentwicklung ausspielen. Das Unternehmen hat laut Gurman einen speziellen Chip für diesen Aufgabenbereich entwickelt, der schon bald in den Testfahrzeugen von Apple zum Einsatz kommen soll. Diese drehen schon seit längerem ihre Runden auf den Straßen Kaliforniens. Eine der zentralen Zielsetzungen sei dabei die Entwicklung eines Computerfahrers, der sicherer als jener von Tesla oder auch Waymo sei.

An anderer Stelle will Apple hingegen offenbar auf Alleingänge verzichten. Die Entwicklung eines proprietären Ladekabels sei nicht geplant, stattdessen wolle man auf den CCS-Standard ("Combined Charging System") setzen. Damit würde man sich auch den Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur ersparen. Unklar bleibt bei alldem derzeit noch das Geschäftsmodell. Ursprünglich soll Apple den Aufbau eines selbstfahrenden Fahrtendiensts favorisiert haben, wie ihn auch Waymo, Uber und Lyft im Auge haben. Derzeit sei der direkte Verkauf an Einzelkunden aber das "wahrscheinlichere Szenario", so Gurman.

Viel kann sich noch ändern

Bei alldem gilt es zu betonen, dass 2025 zwar für ein solch komplexes Projekt ein durchaus ambitionierter Zeitrahmen, aber auch fern genug ist, dass sich die Pläne wieder ändern können. Immerhin wurde Apples "Project Titan" bereits im Jahr 2014 gestartet und musste seitdem eine Fülle an Rückschlägen hinnehmen. Die Leitung des Projekts hat seit einigen Monaten der ehemalige Chef der Apple-Watch-Entwicklung, Kevin Lynch, über. (apo, 19.11.2021)