Fast 60.000 Migranten sind in diesem Jahr nach Mittelmeerüberfahrten in Italien angekommen.

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Mehr als 75 Migranten sind am vergangenen Mittwoch bei einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste ertrunken, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Sonntag mitteilte. 15 Personen überlebten. Sie wurden von Fischern gerettet und nach Zuara in Libyen gebracht, hieß es.

"Das ist der Preis der Untätigkeit", kritisierte IOM-Sprecherin Safa Msehli. Seit Jahresbeginn seien mindestens 1.300 Männer, Frauen und Kinder bei dem Versuch, das zentrale Mittelmeer zu überqueren, ertrunken.

Zehn Tote auf Flüchtlingsboot

In einem völlig überfüllten Flüchtlingsboot vor der Küste Libyens hatten Seenotretter nach eigenen Angaben am Mittwoch neben 99 Überlebenden auch zehn tote Menschen entdeckt. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen nahm am Dienstagnachmittag mit ihrem Schiff "Geo Barents" die Migranten an Bord, wie sie in der Nacht auf Mittwoch bei Twitter mitteilte. Dabei fanden die Retter am Boden den Holzbootes, das rund 56 Kilometer von den libyschen Küste entfernt war, die zehn Leichen.

Die italienische Küstenwache beteiligte sich am Wochenende an zwei komplizierten Rettungsaktionen, bei denen insgesamt 420 Migranten gerettet werden konnten. Am Samstagnachmittag griff ein Patrouillenboot wegen eines in Seenot geratenen Bootes mit 70 Personen an Bord ein. Die Migranten wurden alle gerettet und auf Lampedusa in Sicherheit gebracht. Es gab keine Vermisste.

40 Minderjährige gerettet

Unterdessen ist das Schiff Dattilo mit mehr als 350 Migranten auf dem Weg nach Porto Empedocle auf Sizilien. Sie befanden sich an Bord eines Fischerbootes, das mehr als 70 Meilen vor der sizilianischen Küste in italienischen Gewässern gefunden wurde, teilte die Küstenwache mit. Das Fischerboot befand sich wegen der schlechten Seebedingungen und der großen Zahl von Menschen an Bord in Seenot. Die Einsatzzentrale der Küstenwache schickte das Schiff Dattilo und weitere Patrouillenboote zum Einsatzort und rettete die Migranten, darunter mehr als 40 Minderjährige. Ein Flugzeug der Küstenwache, ein Frontex-Flugzeug und vier Handelsschiffe, die sich in dem Gebiet aufhielten, nahmen ebenfalls an den Rettungseinsätzen teil.

Sea Watch nahm 378 Migranten an Bord

Nach drei Rettungseinsätzen im Mittelmeer hat auch das deutsche Rettungsschiff "Sea Watch-4" insgesamt 368 Menschen im Mittelmeer gerettet. Beim ersten heutigen Einsatz kam die "Sea Watch-4" einem überladenen Schlauchboot mit 102 Personen an Bord zu Hilfe. Kurz daraufhin wurden weitere 73 Menschen von einem anderen Boot in Schwierigkeiten gerettet, teilte die deutsche Hilfsorganisation "Sea Watch" am Sonntag mit.

Die anderen Flüchtlinge waren bei einem Rettungseinsatz am Donnerstag in Sicherheit gebracht worden. "Wir brauchen jetzt einen sicheren Hafen", schrieb "Sea Watch" auf Twitter. Die Menschen versuchen meist von den Küsten Tunesiens oder Libyens über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Sie sind auf der Flucht oder erhoffen sich dort ein besseres Leben. Immer wieder kommt es auf den gefährlichen Überfahrten auch zu Unglücken mit Todesopfern. Mitunter greifen die Küstenwachen der nordafrikanischen Länder die Menschen auf und bringen sie wieder zurück.

Fast 60.000 Migranten sind 2021 nach Seefahrten im Mittelmeer in Italien eingetroffen. Im Vergleichszeitraum 2020 waren es 32.000 gewesen. Italien fordert immer wieder die anderen EU-Staaten zur Unterstützung beim Umgang mit den Flüchtlingsankünften auf.(APA, 21.11.2021)