Geht es nach dem neuen Bürgermeister Roberto Gualtieri, soll Rom bis Weihnachten vom Dreck befreit sein.

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Der Plan heißt etwas schönfärberisch "Anreize zur Erhöhung der Präsenz am Arbeitsplatz". Ausgedacht hat ihn sich Roberto Gualtieri, der neue Bürgermeister von Rom. Der Sozialdemokrat teilte vor Kurzem mit, dass seinen Müllmännern ein Extra-Bonus winke, wenn sie die nächsten eineinhalb Monate ausnahmsweise einmal regelmäßig zur Arbeit erscheinen.

Konkret: Wer vom 22. November bis zum 9. Jänner – abgesehen von den zahlreichen Feiertagen natürlich – immer zur Arbeit erscheint, dem wird zusammen mit dem Februarlohn eine Prämie von 360 Euro ausbezahlt. Wer es bei drei Tagen blaumachen bewenden lässt, erhält noch 260 Euro. Bei fünf Absenzen gibt's immerhin noch 200 Euro.

Keine Müllverbrennungsanlage

Der Hintergrund des neuen "Bonus": Gualtieri, Nachfolger der unter anderem an der permanenten Müllkrise gescheiterten Fünf-Sterne-Bürgermeisterin Virginia Raggi, hatte nach seinem Sieg bei den Kommunalwahlen am 18. Oktober etwas voreilig versprochen, dass er Rom "bis Weihnachten" vom Dreck befreien werde. Davon ist ein Monat nach seiner Wahl noch nichts zu sehen, nicht zuletzt deshalb, weil die Drei-Millionen-Metropole über keine Müllverbrennungsanlage verfügt.

Gualtieri hat aber noch etwas anderes festgestellt: Von den knapp 4000 Müllmännern der Stadt sind offiziell 1464 lediglich "teilweise arbeitsfähig", und 110 sind aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht einsetzbar. Und unter denjenigen, die arbeiten könnten, grassiert der Absentismus: 15 Prozent der Arbeitszeit gehen bei der Römer Müllabfuhr wegen Krankschreibungen und anderen Unpässlichkeiten verloren.

Defekte Fahrzeuge

Beim Fahrzeugpark der städtischen Müllabfuhr ist die Ausfallquote sogar noch deutlich höher: 57 Prozent der Müllautos stehen seit Monaten und zum Teil auch seit Jahren defekt in der Garage. Was aber nicht weiter schlimm ist: Wegen fehlender Entsorgungseinrichtungen wüssten die Fahrer (wenn sie nicht gerade krank sind) ohnehin nicht, wohin sie den Abfall karren sollen.

Insgesamt hat Gualtieri für die neuen Prämien drei Millionen Euro vorgesehen. Und sie könnten zum festen Lohnbestandteil werden – dann nämlich, wenn sich Roms Straßen auch nach dem 9. Jänner dauerhaft "in totaler Sauberkeit" präsentieren sollten und die "illegalen Deponien an den Straßenrändern" verschwunden sind, wie es in der Vereinbarung zwischen der Stadt und der Müllabfuhr heißt.

Das würde freilich voraussetzen, dass Gualtieri sein Weihnachtsversprechen dank der Sonderprämien überhaupt wird einhalten können und Rom bis dann tatsächlich vom Müll befreit sein wird. Zweifel sind angebracht.

"Revolution der Arbeitsbedingungen"

Ein Sprecher der Müllmänner-Gewerkschaft hat die neuen Bonus-Zahlungen erfreut als "Revolution der Arbeitsbedingungen" bezeichnet. Wohl wahr: Dass für die Einhaltung der im Anstellungsvertrag festgelegten Arbeitszeit zusätzlich zum Lohn noch eine Extra-Prämie ausbezahlt wird, sozusagen als Belohnung für eine aus der Sicht des Arbeitnehmers unzumutbare Sonderanstrengung, hat es bisher noch nirgends gegeben. Nicht einmal in Rom. (Dominik Straub aus Rom, 21.11.2021)