Mit einer Falcon-9-Rakete wurden die vier Weltraumtouristen mit 32 Kilogramm Hopfen an Bord in den Orbit geschossen

Foto: STEVE NESIUS/Reuters

Als vier Hobbyastronauten mit einer Space-X-Dragon-Kapsel im September die Erde umkreisten, hatten sie interessantes Gepäck mit an Bord. US-Milliardär Jared Isaacman, der den Flug finanzierte, hatte 32 Kilogramm Hopfen eingepackt, der wie die Weltraumfahrer drei Tage lang 580 Kilometer über der Erde in der Schwerelosigkeit kreiste. Die Idee war, den besonderen Hopfen schließlich für einen guten Zweck zu versteigern und so die Produktion des ersten "Weltraumbiers" anzustoßen.

Space Craft IPA

Tatsächlich schlug die US-Brauerei Samuel Adams zu. Sie spendete 100.000 Dollar an ein Kinderspital und produzierte aus dem "Orbit-Hopfen" ein "außerirdisches Space Craft IPA", wie das Unternehmen das Unterfangen selbst anpreist. Es wird ausschließlich in Boston verkauft und soll mit besonders kräftigem Geschmack punkten. Die Beschreibung erinnert allerdings weniger an Weltraum denn an irdische Eigenschaften.

Die bittere Geschmacksbasis dient als Fundament. Dazu kommen "großzügige tropische Noten wie Grapefruit, Guave und Passionsfrucht" sowie "hopfige Kiefern- und Harzaromen", heißt es auf der Webseite von Samuel Adams. Der Aufenthalt im Weltraum habe die vorhandenen Geschmacksnoten in die Höhe geschraubt, behauptet die Brauerei mit einem zwinkernden Auge.

Marketing vs. Forschung

Auch wenn die Vermarktung des besagten Weltraumbiers nicht bierernst zu nehmen ist und die Auswirkungen des dreitägigen All-Ausflugs auf den Hopfen vermutlich vernachlässigbar sind, beschäftigt das Thema auch die Forschung. Bereits im Jahr 2013 landete ein Mikrobrauerei-Experiment eines elfjährigen Nachwuchsforschers auf der Internationalen Weltraumstation (ISS). In diesem ging es darum, wie man im Weltraum Bier brauen und damit gleichzeitig verfügbares Wasser sterilisieren könnte.

Der US-Bierkonzern Budweiser wiederum schickte vor einigen Jahren Gerstensamen auf die ISS, wo sie 30 Tage in der Schwerelosigkeit verbrachten. Getestet wurde, inwiefern diese sich auf das Wachstum der Gerste auswirkt – und auch, ob die Möglichkeiten an Bord ausreichend sind, um die Kultivierung derartiger Pflanzen über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten. (step, 25.11.2021)