Mit dem European Service Module (ESM), hier am hinteren Ende des kegelförmigen Crew-Moduls, liefert die Esa das Herzstück des Orion-Raumschiffs für die bemannte Mondmission der Nasa.
Illustr.: Airbus

Die Rückkehr des Menschen zum Mond ist das erklärte Ziel zahlreicher Weltraumprogramme rund um den Globus. Im Unterschied zum Space Race der 1950er und 60er-Jahre mischen im 21. Jahrhundert auch private Unternehmen mit. So soll etwa die kommerzielle Firma Space X zum Großprojekt Artemis der Nasa das Mondlandemodul beisteuern. Als frühestmöglicher (aber wohl nicht wahrscheinlicher) Zeitpunkt für die erste bemannte Landemission nannte die Nasa zuletzt 2025.

Erste offizielle Zeitplankorrektur

Vor zwei Wochen erst hatte die US-Raumfahrtbehörde dieses Datum um zumindest ein Jahr nach hinten verschoben. Es war das erste offizielle Zugeständnis, dass das 2019 von der damaligen Trump-Administration ausgegebene Ziel 2024 nicht zu halten sein wird. Schuld sei ein mittlerweile beigelegter Rechtsstreit gewesen, hieß es: Blue Origin, der leer ausgegangene Konkurrent von Space X bei der Ausschreibung um die Mondlandefähre, hatte gegen diese Entscheidung geklagt.

Chinas Mondlandeprogramm scheint noch etwas weniger konkret, gewann aber zuletzt an Fahrt. Vor einigen Monaten enthüllte China seine Pläne für die International Lunar Research Station (ILRS), einem Megamondprojekt mit russischer Beteiligung. Der ILRS-Fahrplan sieht unter anderem vor, dass China ab Mitte der 2030er-Jahre auf dem Mond – oder genauer: unter der Mondoberfläche – eine permanent bemannte Mondstation betreibt. Etwa zehn, fünfzehn Jahre ist auch der Zeitrahmen, in dem sich die bemannten Mondprogramme von Russland und Japan bewegen.

Video: Die Mondpläne der Esa
European Space Agency, ESA

"Abdrücke von europäischen Schuhen"

Bei all dieser "Rückkehr zum Mond"-Aktivität will die Europäische Weltraumagentur Esa freilich nicht nur dasitzen und zusehen: Geht es nach dem Willen des Esa-Generaldirektors Josef Aschbacher, dann soll der erste Europäer oder die erste Europäerin noch bis 2030 seinen Fuß auf den Mond setzen. Immerhin ist die Esa am Projekt der Nasa bereits mit missionskritischer Technik beteiligt.

"Das Ziel ist, einen Astronauten oder eine Astronautin vor Ende der Dekade auf der Mondoberfläche zu sehen", sagte er in Paris. Der oder die Astronautin werde Fußabdrücke von europäischen Schuhen hinterlassen und das sei natürlich symbolträchtig. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das erreichen werden", sagte Aschbacher. Der Mond werde sich als neuer Wirtschaftsraum und neuer Kontinent auftun.

Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher hofft darauf, dass binnen acht Jahren ein Europäer den Mond betritt.
Foto: REUTERS/Christian Mang

Europas Servicemodul

Noch ist eine solche Mondmission allerdings nicht geregelt. Aschbacher sprach von einem wichtigen Verhandlungspunkt mit der Nasa. Für ihre Artemis-Missionen liefert die Esa das Servicemodul ESM, das von Airbus in Bremen gefertigte Kernstück des Raumschiffs Orion. Es stellt essenzielle Versorgungsinfrastruktur bereit: Haupttriebwerk und Treibstofflager, Solarpaneele, Klimasystem, Sauerstoff- und Wasservorräte.

In der nächsten Phase sei der Anteil Europas durch die Europäische Weltraumagentur so essenziell, dass die Nasa ohne die Esa nicht zum Mond fliegen könnte, so Aschbacher weiter. Natürlich seien auch andere Firmen beteiligt, doch es sei schön zu sehen, dass die Nasa sich auf Europa als zuverlässigen Partner verlasse. "Und das ist sicher unser gemeinsamer Weg zum Mond." (tberg, red, 26.11.2021)