Blick auf Pointe-à-Pitre, die größte Stadt auf Guadeloupe.

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Paris – Nach tagelangen, teils gewaltsamen Protesten auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe zeigt sich die Regierung in Paris bereit zu Gesprächen über eine Autonomie für das Überseegebiet. "Die Regierung ist bereit, darüber zu sprechen", sagte der für die Überseegebiete zuständige Minister Sébastien Lecornu. "Es gibt keine schlechten Diskussionen, solange diese Diskussionen dazu dienen, die wirklichen Alltagsprobleme der Menschen auf Guadeloupe zu lösen."

Der Minister äußerte sich in einem am Freitagabend veröffentlichen YouTube-Interview. Bei Ausschreitungen vergangene Woche auf Guadeloupe und der benachbarten ebenfalls französischen Insel Martinique waren nach Regierungsangaben mehrere Polizeikräfte verletzt worden. Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen der Regierung in Paris und die geplante Impfpflicht für medizinisches Personal waren in Gewalt umgeschlagen.

Misstrauen gegenüber Paris

Auf dem französischen Festland gilt eine solche Impfpflicht bereits seit Mitte September. Auf Martinique und Guadeloupe herrschen allerdings traditionell ein großes Misstrauen gegenüber der Regierung in Paris und eine geringe Impfbereitschaft.

Lecornu sagte, mehrere Politiker auf Guadeloupe hätten die Frage einer Autonomie aufgeworfen, die den Status als Überseegebiet ändern würde. Das wäre ein weiteres Zugeständnis der Regierung in Paris, die bereits angekündigt hat, die Einführung der umstrittenen Impfpflicht für beide Inseln zu verschieben. Außerdem sollen die Gesundheitsversorgung verbessert, Infrastrukturprojekte vorangetrieben und mehr Jobs für junge Menschen geschaffen werden. (APA, Reuters, 27.11.2021)