Die Fahnen wehen in dieselbe Richtung. So einig sind sich China und die USA selten.

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Taipeh/Peking – In einem gemeinsamen Meinungsbeitrag haben die Botschafter Chinas und Russlands in den USA den von US-Präsident Joe Biden geplanten Demokratiegipfel scharf kritisiert. Das Vorhaben sei "offensichtlich das Produkt der Kalter-Krieg-Mentalität" der USA, schrieben die Diplomaten Qin Gang und Anatoli Antonow in dem am Freitag auf der konservativen Website "The National Interest" veröffentlichten Beitrag.

Die Veranstaltung werde neue "Trennlinien" zwischen den Ländern der Welt schaffen. Demokratie könne "auf unterschiedliche Weise realisiert" werden, schrieben die Botschafter. Es gebe "kein Modell", das für alle Länder passend sei.

Der von Biden geplante Demokratiegipfel soll von 9. bis 10. Dezember als virtuelle Veranstaltung stattfinden. Eingeladen sind die Vertreter von etwa 110 Ländern – China und Russland gehören nicht dazu.

Besonders erbost ist China über die Einladung Taiwans zu dem Gipfel. Peking betrachtet die Pazifikinsel als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll – notfalls mit Gewalt. China lehnt jede formelle Beziehung anderer Länder mit der Inselrepublik ab.

Taiwan: China drang in Luftverteidigungszone ein

Taiwan beklagt sich indes seit mehr als einem Jahr über Einsätze der chinesischen Luftwaffe in der Nähe der Insel. Aus taiwanischer Sicht will China mit seinem Vorgehen die Einsatzbereitschaft Taiwans testen und dessen Streitkräfte ermüden.

Am Sonntag sind nach Angaben Taiwans 27 chinesische Flugzeuge in die Identifikationszone für die Luftverteidigung (ADIZ) des Inselstaats eingedrungen. Wie das taiwanische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, waren darunter auch fünf atomfähige Bomber des Typs H-6. Die Luftverteidigungszone ist nicht identisch mit dem Luftraum eines Staates.

Peking sieht das demokratische Taiwan, das sich 1949 vom Festland abspaltete, als abtrünnige Provinz und nicht als unabhängigen Staat an. (APA, AFP, dpa, red, 28.11.2021)