Die Politikerin am Sonntagmorgen, mit Wehen auf dem Weg in die Klinik.

Foto: Reuters / Julie Anne Genter FB

Kurz danach halten sie und ihr Mann bereits ihre Tochter im Arm.

Foto: Reuters / Julie Anne Genter FB

Wellington – Am frühen Sonntagmorgen brachte Julie Anne Genter in Wellington eine Tochter zur Welt. Mutter und Kind sind wohlauf. Die eigentliche Meldung betrifft aber die Zeit kurz vor dieser erfreulichen Geburt – als die grüne Parlamentsabgeordnete mit Wehen und im Sattel ihres Lastenrades in der Klinik ankam. Die Politikerin radelte kurzerhand selbst zur Entbindung. Die Bilder der hochschwangeren Frau, die spätnachts ihr Lastenrad fährt, sorgen seither für Aufsehen. Dabei war es für Genter nicht das erste Mal.

Schon 2018 sorgte die neuseeländische Politikerin für Schlagzeilen, als sie ebenfalls hochschwanger zur Geburt ihres ersten Kindes ins Spital in Auckland radelte. Damals allerdings ohne Wehen und tagsüber, es war ein geplanter Geburtstermin. Es war damals offenbar nicht genug Platz im Auto, zudem habe sie die Radfahrt in die richtige Stimmung versetzt, erklärte die Politikerin. Genter und ihr Ehemann leben bewusst ohne Auto und legen die meisten Alltagswege per Fahrrad zurück.

Tasche oder Schwangere

Daher war für die Abgeordnete auch die nächtliche Fahrt zur Klinik keine Besonderheit. Allerdings hatte sie ursprünglich geplant, ihren Mann fahren zu lassen und selbst in die Rolle der Passagierin zu schlüpfen. Allerdings hatten sie die fürs Spital vorbereitete Tasche nicht mitberechnet – und so musste diese in die Transportbox, Genter schwang sich selbst in den Sattel. Auf dem Weg in die Klinik, erzählte die Politikerin später gegenüber lokalen Medien, hatte sie drei Wehen, eine vierte auf dem Parkplatz vor dem Spital.

Mit ihrem Engagement in Sachen Radfahren machte sich die Politikerin auch Feinde. In Interviews erzählt sie immer wieder von Drohungen, die sie erhalte. Während ihrer jüngsten Schwangerschaft sorgte eine solche Drohung gegen Genter für Aufsehen. Ein Mann postete in einem sozialen Netzwerk, dass er versucht habe, Genter mit seinem Auto zu überfahren, als er sie Rad fahren sah. Doch er habe sie verfehlt. [im englischen Original: "I saw the loony Genter on the cycleway a few months ago. I was in my car. I had a good go but I missed her. Almost 100 points."] Der Beschuldigte gab später an, nur gescherzt zu haben. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass sein Posting öffentlich sichtbar gewesen sei. Genter verzichtete auf rechtliche Schritte. (Steffen Arora, 29.11.2021)