Ein südafrikanischer Mann wird am Flughafen von Johannesburg auf die Omikron-Variante getestet. In der Provinz Gauteng, in der Johannesburg liegt, kam es wegen Omikron in den letzten Tagen zu einem starken Anstieg bei den Fallzahlen und nun auch bei den Krankenhauseinlieferungen.

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Die neue Sars-CoV-2-Variante Omikron, die bis Freitagabend auch noch unter dem Namen Nu oder Ny kursierte, ist auch in Österreich angekommen. Ob sich die neue Virusvariante in Österreich über diese Einzelfälle ausbreiten wird, ist noch unklar. Die sich häufenden Berichte über Omikron-Fälle aus anderen Teilen der Welt nähren die Befürchtung, dass die Mutante bereits über die Reiserückkehrer hinaus zirkulieren könnte. Damit erhärtet sich aber auch der bereits früh geäußerte Verdacht, dass Omikron besonders infektiös sein dürfte.

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ging am Montag davon aus, dass sich Omikron wahrscheinlich international ausbreiten wird und damit "ein sehr hohes globales Risiko von Infektionsschüben" darstellt, die in einigen Gebieten schwerwiegende Folgen haben könnten. Die WHO forderte ihre 194 Mitgliedsstaaten auf, die Impfung von Risikogruppen zu beschleunigen und in Erwartung steigender Fallzahlen entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Aus Südafrika liegen seit Montagvormittag neue Aufschlüsse über die Eigenschaften von Omikron vor. Man kann an dieser Stelle den Politikern in Südafrika und den dortigen Forschenden sowie jenen in aller Welt nur einmal mehr dafür danken, dass sie so schnell handelten – und weiterhin so transparent informieren. Und man fragt sich, ob beides auch in Österreich in ähnlich professioneller Form passiert wäre.

Explosionsartiger Anstieg

Die bei der Pressekonferenz des südafrikanischen Gesundheitsministers Joe Phaala am Montag online präsentierten Daten zu Omikron bestätigen einmal mehr den fast explosionshaften Anstieg der Fallzahlen insbesondere in der Provinz Gauteng mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern. In den letzten Tagen gingen zwar die Infektionszahlen zurück, was aber wohl am Wochenende lag. Denn umgekehrt stieg der Prozentsatz der positiven Tests, was auf eine hohe Dunkelziffer schließen lässt.

Die positive Testrate ist zuletzt in der Provinz Gauteng (blaue Kurve) von rund einem Prozent auf 15 Prozent gestiegen.
Foto: Screenshot / Youtube

Anekdotische Evidenz zur hohen Infektiosität von Omikron gibt es auch aus Hongkong. Dort hat ein positiv auf die Omikron-Variante Getesteter in einem Quarantäne-Hotel eine Person im gegenüberliegenden Zimmer angesteckt, weil er bei der Essensannahme an seiner Hoteltür möglicherweise keinen ausreichenden Mundschutz getragen hat. Die beiden dort infizierten Personen wiesen eine sehr hohe Viruslast auf, was wiederum eine Übertragung des Erregers erleichtert.

Mehr schwere Verläufe?

Unklar ist weiterhin, ob Omikron zu mehr schweren Verläufen führt und ob (und wie sehr) die Variante die Immunabwehr umgeht. Um diese Fragen zu beantworten, reicht die Datengrundlage aber noch lange nicht aus.

Bereits am Wochenende gab es Diskussionen um Aussagen der Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee. Sie sagte einerseits, dass die Symptome der neuen Variante zwar ungewöhnlich, aber mild seien: "Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit. "Andererseits müsse man sich aber Sorgen machen, dass die neue Variante ältere Menschen, die zusätzlich an Diabetes oder Herzkrankheiten litten, viel härter treffen könnte.

Wie die Epidemiologin Waasila Jassat bei ihrer Präsentation am Montag zeigte, kam es in den letzten Tagen in der Provinz Gauteng zum erwartbaren starken Anstieg der Spitalseinweisungen wegen Omikron. Doch ob dieser Anstieg steiler ausfällt als der Anstieg bei den Infektionszahlen, lässt sich noch nicht sagen. Aktuell werden in Gautengs Spitälern 862 CoV-Patienten behandelt, 59 auf der Intensivstation.

Jassat berichtete zudem davon, dass viele der Omikron-Infektionen harmlos seien. Zum anderen verwies sie aber auch auf eine Auffälligkeit: Bis jetzt seien vergleichsweise viele Kleinkinder unter zwei Jahren von Spitalseinweisungen betroffen.

Pressekonferenz des südafrikanischen Gesundheitsministers mit Expertenpräsentationen. Eine wichtige Zusammenfassung der Situation in den Krankenhäusern wegen Omikron gibt es ab Minute 39:00.
eNCA

Impfschutz bei Omikron

Diese Zahlen sind aber ebenso mit Vorsicht zu behandeln wie die Statistik, der zufolge die Impfquote in Gauteng (mit rund 37 Prozent) deutlich höher ist als der Anteil der Geimpften unter den nun im Spital behandelten Personen. Wie gut die Impfungen auch gegen Omikron schützen, wird erst in den nächsten Tagen oder eher Wochen feststehen. Experten gehen aber davon aus, dass insbesondere der Schutz durch die T-Zellen bestehen bleibt, und raten daher weiter zu (Booster-)Impfungen.

Stéphane Bancel, der Chef des US-Pharmakonzerns Moderna, erklärt am Montag, es könne Monate dauern, bevor ein auf das Omikron-Virus abgestimmtes Vakzin ausgeliefert werden könnte. Es werde zwei bis sechs Wochen dauern, bis Daten über die Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe vorliegen würden. Bei Biontech/Pfizer wollte man bereits in rund zehn Tagen so weit sein. (Klaus Taschwer, 29.11.2021)