Auch Netzsperren könnten umgangen werden, befürchten EU-Beamte.

Foto: reuters

Mit "Private Relay" ermöglicht Apple seinen Nutzerinnen und Nutzern, anonymer im Netz zu surfen. Das neue Feature ist ein Tor-Browser und VPN-Dienst zugleich. Internetdaten werden verschlüsselt weitergeleitet – was dafür sorgt, so bewirbt es der Konzern, dass niemand, auch nicht Apple selbst, wissen könne, welche Plattformen besucht wurden.

Wie netzpolitik.org berichtet, sorgt das innerhalb der EU-Institutionen für Irritation. Beamte warnen in einem internen Briefing der EU-Kommission, das vor einem Treffen mit Apple vorgelegt wird, vor Private Relay. Die "Aufdeckung und Untersuchung illegaler Aktivitäten im Netz" könne dadurch "erschwert" werden, heißt es.

Die Autorinnen und Autoren verweisen auf die Identifikation von Personen, die Kindesmissbrauch und terroristische Inhalte verbreiten. Zudem könne der Dienst dafür sorgen, dass Netzsperren umschifft werden. In einem Gespräch mit Apple hat zudem eine Mitarbeiterin von EU-Innenkommissarin Ylva Johansson Bedenken zu dem Tool geäußert und um mehr Informationen gebeten.

Gesetz geplant

Die EU will schon länger eine Hintertür zu Inhalten in verschlüsselten Chats schaffen. Anbieter sollen automatisiert Chats auf Darstellungen von Kindesmissbrauch prüfen. Das könnte, so die Kritik, dafür sorgen, dass die sichere Verschlüsselung von Messengern ausgehebelt wird. Verschlüsselte Chats können eigentlich nur von den Teilnehmern eines Chats ausgelesen werden. Entsprechende Anbieter wie Whatsapp oder die Open-Source-App Signal haben somit keinen Zugriff auf die Daten.

Mit dem geplanten Gesetz sollen aber Nachrichteninhalte automatisiert gescannt werden – mittels digitaler "Fingerabdrücke" von Inhalten, die bereits als rechtswidrig eingestuft wurden. Das Problem dabei: Diese Hintertür könnte etwa von Hackern oder anderen Staaten entdeckt und genutzt werden. Das Vorhaben könnte zudem in Zukunft auf den Scan anderer Inhalte erweitert werden. (muz, 1.12.2021)