Auch Streaming-Dienste sind Teil des Sprachenstreits zwischen Katalonien und Spanien.

Foto: Reuters

Madrid/Barcelona – Der Sprachenstreit zwischen Katalonien und Spanien spitzt sich erneut zu und gefährdet nun sogar das Staatsbudget für kommendes Jahr. Die in Katalonien regierenden separatistischen Linksrepublikaner ERC drohen ihre notwendige und bereits zugesagte Unterstützung zum Budget vielleicht doch noch zu entziehen, sollte die Regierung in Madrid internationale Filmstreaming-Dienste nicht gesetzlich verpflichten, mindestens sechs Prozent ihres Angebots auch auf Katalanisch anzubieten.

Eigentlich hatte Spaniens links-sozialistische Minderheitsregierung von Ministerpräsident Pedro Sanchez bereits alles erledigt. Nach zahlreichen politischen Zugeständnissen sowie langen und schwierigen Verhandlungen mit den Nationalisten aus dem Baskenland und Kataloniens Separatisten stand endlich eine ausreichende Mehrheit für das Budget 2022. Erst vor wenigen Wochen wurde der Budgetplan im Parlament angenommen. Dieser muss jetzt aber noch vom Senat bestätigt werden und hier drohen Kataloniens Linksrepublikaner nun mit einem Boykott.

TV-Gesetz als Auslöser

Auslöser für den neuen Sprachenkonflikt ist das geplante audiovisuelle TV-Gesetz. Demnach sollen TV-Sender verpflichtet werden, 51 Prozent der Filmbeiträge für europäische Produktionen zu reservieren. Hiervon soll die Hälfte auch in den offiziellen Co-Amtssprachen wie Katalanisch, Baskisch und Galicisch übertragen werden.

Kataloniens separatistischen Linksrepublikanern geht das aber nicht weit genug. Sie fordern, dass auch internationale Filmstreaming-Dienste wie Netflix, HBO Max, Disney+ oder Amazon Prime Video gesetzlich verpflichtet werden müssen, mindestens sechs Prozent ihres Angebots in Katalonien auch auf Katalanisch auszustrahlen. "Unsere Sprache ist uns heilig und wir werden handeln, sollte die Regierung in ihrem neuen audiovisuellen Gesetz nicht unseren Forderungen nachkommen", warnte ERC-Fraktionssprecher Gabriel Rufian mit Blick auf die bevorstehende Zustimmung zum Budget 2022 im Senat.

Bereits vergangene Woche heizte der Streit über den Gebrauch der spanischen Sprache an katalanischen Schulen und Universitäten erneut den Unabhängigkeitskonflikt zwischen Spanien und Katalonien an. Ausgelöst wurde er durch ein Gerichtsurteil. Neben Spanisch ist in Katalonien auch die Regionalsprache Katalanisch Amts- und Verkehrssprache. Kataloniens Oberster Gerichtshof verpflichtete alle Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen in der Region dazu, mindestens 25 Prozent des Unterrichts auf Spanisch abzuhalten.

Sprache als Instrument für Unabhängigkeitsbewegung

Kataloniens Separatisten haben die Sprache – und damit die Einwirkung auf die jüngeren Generationen – stets als Instrument für ihre Unabhängigkeitsbewegung eingesetzt und das Spanische langsam aus den Lehrplänen der Schulen verdrängt. Laut Oberstem Gerichtshof ist man aber nun aber zu weit gegangen.

Auch die rechten und konservativen Oppositionsparteien protestierten bereits, dass das Spanische in Katalonien von den regierenden Separatisten bewusst zur Fremdsprache herabgestuft werde und forderten Ministerpräsidenten Sanchez sogar auf, der Regionalregierung ihre Hoheitsrechte im Bildungsbereich zu entziehen.

Die separatistische Regionalregierung wartete nicht lange mit ihrer Antwort auf das Gerichtsurteil. Kataloniens Bildungsminister Josep Gonzalez-Cambray forderte alle Bildungseinrichtungen in Katalonien auf, das Gerichtsurteil einfach zu ignorieren. (APA, 1.12.2021)