Womöglich handelt es sich bei dem Vorfall nicht um einen Einzelfall. Das befürchtet etwa EU-Innenkommissarin Ylva Johansson (Symbolbild).

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Athen/EU-weit/Brüssel – Griechische Grenzschützer sollen einen Dolmetscher der EU-Grenzschutzbehörde Frontex für einen Asylsuchenden gehalten, ihn geschlagen und illegal in die Türkei abgeschoben haben. Die griechische Behörde für Bürgerrechte kündigte am Mittwoch eine Untersuchung des Falls an, nachdem sie einen entsprechenden Bericht von Frontex erhalten habe. Die EU-Kommission teilte mit, dass sie ebenfalls Ermittlungen beantragt habe.

Der Dolmetscher stammt aus Afghanistan, lebt aber seit mehreren Jahren in Italien. In einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel der "New York Times" gab er an, dass griechische Grenzbeamte ihn im September zusammen mit etwa 100 Migranten festgenommen hätten. Er und viele der anderen seien dann geschlagen worden, hätten sich ausziehen und Geld, Handys und Ausweispapier aushändigen müssen.

Spott und Gewalt

Als er versucht habe zu erklären, dass er für Frontex arbeite, sei er ausgelacht, erneut geschlagen und dann mit den anderen in die Türkei gebracht worden. Die griechische Behörde für Bürgerrechte sprach von einer "angeblich illegale Rückführung eines Frontex-Dolmetschers mit anderen Ausländern in die Türkei in der Region Evros".

Laut "New York Times" gab EU-Innenkommissarin Ylva Johansson an, sie habe von dem Fall gehört, mit dem Mann gesprochen und anschließend die griechischen Behörden kontaktiert. Johansson zeigte sich demnach "sehr besorgt", auch weil es sich dem Vernehmen nach nicht um einen Einzelfall handle.

Der Nachrichtenagentur AFP bestätigte die EU-Kommission in Brüssel, sie habe "eine unabhängige, gründliche und schnelle Untersuchung" des Vorfalls gefordert.

Menschenrechtsaktivisten und das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) werfen Griechenland seit längerem vor, illegal und gewaltsam gegen Migranten vorzugehen. Die Regierung in Athen wies die Anschuldigungen bisher zurück. (APA, 1.12.2021)