Es ist ein harter Job. Ein Jahr lang überwacht man die Zielperson, belauscht Freunde und Familie und destilliert aus diesen Infos Träume und Wünsche. Was kann sich die Zielperson nicht selbst verschaffen? Am Ende liegt dann ein Packerl unter dem Weihnachtsbaum. Geschafft: Man hat seinen Job als Christkind gemacht! Nur blöd, wenn die beschenkte Zielperson beim Öffnen nicht begeistert schaut, sondern sich mit einem langen Räuspern Zeit erkauft und schließlich mit gerunzelter Stirn sagt: "Ooooh. Aha, wie nett."

Schenken ist gar nicht so einfach. Warum wir oft danebengreifen, erforschen Konsumforscher – und sie kennen einige Mechanismen, die uns in der verzweifelten Vorweihnachtszeit in die Irre führen.

Gezwungene Vielfalt

Ein Klassiker des falschen Schenkens: Jedes Präsent muss besonders sein. Wir schenken zwei Menschen erwiesenermaßen lieber unterschiedliche, womöglich weniger passende Geschenke, als beiden das Gleiche zu schenken – ungeachtet der Tatsache, dass sie sich darüber freuen würden. Das gilt wohlgemerkt auch dann, wenn die zwei niemals erfahren werden, dass sie gleich beschenkt werden. Wir individualisieren nicht aus Pflichtbewusstsein, sondern weil wir es gut meinen.

Der nächste Fehler: Wir konzentrieren uns bei der Geschenkfindung zu sehr auf das Einzigartige an dem Beschenkten. Auch wenn die große Schwester im Lockdown die Imkerei für sich entdeckt hat – man darf ihr auch noch Dinge schenken, die nichts mit Bienen zu tun haben. Und wie viele Väter in Österreich bekommen heuer ihr viertes Radtrikot von den Kindern? Wir schießen uns auf die Lieblingshobbys ein und schenken damit oft Zeugs, von dem unser Herzensmensch wahrscheinlich eh schon genug hat. Zugegeben, Hobbys bieten sehr unterschiedliches Potenzial. Wenn die Fotografen-Mama ihre Kamera samt Kameratasche, Ersatzakkus, Linsenputztücher und weiß Gott was noch alles hat, wird es ohne lila Scheine für das neue Objektiv eher schwierig. Leseratten dagegen sind in der Vorweihnachtszeit aus gutem Grund besonders beliebt – neue Bücher gibt es immer. (Tipp: Im Adventkalender des STANDARD-ALBUM gibt es täglich eine Empfehlung!)

Mut zur Fadesse

Generell überschätzen wir, wie originell Geschenke sein müssen. Die Schwester wünscht sich Kerzen, wir nötigen sie zum Kerzenziehkurs? Der Harvard-Professor Michael Norton beschreibt unser Handeln so: Wir wollen damit "Ich liebe dich und habe mir Gedanken gemacht" sagen – die Schwester dagegen hört: "Ich höre dir nicht zu oder deine Wünsche sind mir egal".

Eine andere Triebfeder für abwegige Präsente kann unser Fokus auf den Moment des Auspackens sein. Als Schenkende wollen wir das Leuchten in den Augen sehen, als Beschenkte denken wir dagegen viel langfristiger und fragen uns sofort, wie oft und viel wir etwas von dem Geschenk haben werden. Nützliche Alltagsgegenstände sind also oft bessere Gaben, als uns bewusst ist.

Natürlich macht nicht jeder diese Fehler. Jeder hat diese eine Großtante, die stets allen exakt das Gleiche schenkt, oder den einen Freund, der zu unspektakulären, aber nützlichen Dingen greift. Die erwähnten Tendenzen hat die Wissenschaft aber festgehalten und meist auch erklärt. Eine Lektion für Christkinder lautet also: Mut zum Allgemeinen! Mut zu Sachen, die man nicht ausschließlich dieser einer Person schenken könnte!

Die Erlebnisfrage

Das allein führt aber noch nicht zum Supergeschenk. Nächste Lektion: Schenkt Erlebnisse*! Das Sternchen muss sein, denn eine brauchbare Idee ist bei Erlebnisgeschenken unverzichtbar. Den geschmacklosen Suppenschöpfer des Onkels kann man im Abstellkammerl verräumen und alle zwei Jahre herausholen, wenn er zu Besuch kommt. Wenn der liebe Achim der insgeheim atheistischen Großnichte aber eine ausgedehnte Kirchenführung schenkt, wird das ausredendurchtränkte Aufschieben seiner Terminvorschläge irgendwann unangenehm.

Prinzipiell gilt aber: Bei Erlebnissen spüren wir Emotionen, merken sie uns so besser und profitieren davon mehr als von Gegenständen. Erlebnisgeschenke stärken auch die Bindung zwischen Schenkenden und Beschenkten – selbst dann, wenn Erstere beim Einlösen gar nicht dabei sind. Ein gemeinsames Erlebnis freut alle Beteiligten mehr, erfordert aber oft eine ermüdende Terminfindung. Im engsten Freundeskreis des Autors waren schon vor der Seuche Besuche im Prater, der Therme Erding und in Rom offen – auch deshalb gibt es nun nur mehr Gegenstände.

Der Erlebnistrick

Wenn Mut, Flexibilität oder Ideen für Erlebnisgeschenke fehlen, kann ein Trick Abhilfe schaffen. Es reicht, den geschenkten Gegenstand mehr oder weniger kreativ mit einem Erlebnis in Verbindung zu bringen. Woher man das weiß? In einem Experiment ließen zwei Marketingforscherinnen ihre Probanden Kaffeehäferln verschenken. Auf den Häferln einer Gruppe stand "my coffee mug", auf denen der anderen "my coffee time". Die Beschenkten der zweiten Gruppe fühlten sich ihren Wohltätern danach verbundener – ganz unabhängig davon, wie gut ihnen das Geschenk gefiel. Die Aufschrift rief ihnen das Erlebnis des Kaffeetrinkens ins Bewusstsein, das machte den feinen Unterschied.

Diesen Mechanismus können wir uns zunutze machen. Ein nettes Kärtchen à la "Für gemütliche Harry-Potter-Marathons mit Kakao" verwandelt Flauschsocken zu einem Sehnsuchtsgefühl, "Für den Zieleinlauf beim ersten Halbmarathon" gibt dem Laufschuh-Gutschein Emotion.

Ob Erlebnisgutschein oder Packerl, am Ende braucht es die zündende Idee. Idealerweise kommt diese direkt von der Zielperson. Wer die peinliche Frage nach der Wunschliste am letzten Einkaufssamstag also vermeiden will, sollte ganzes Jahr wachsam sein. Die Freundin erwähnt etwas, das sie sich selbst eher nicht gönnen wird? Rein damit in die Handynotizen. Man kann Anfang Dezember ja immer noch überlegen, ob das nun ein passendes Geschenk ist. Wer unbedingt ein origineller Weihnachtself sein will, kann ganzjährig nach Problemen lauschen. Wonach sehnt sich Mama? Was nervt sie? Und dann: Was könnte das ändern?

Nicht wettrüsten

Und wenn wir einfach ratlos sind? Das Prinzip "mehr Geld" mag für vieles eine Lösung sein, gelungenere Geschenke garantiert es nicht. Es ist sogar tückisch: Laut einer Stanford-Studie erwarten wir uns bei teureren Geschenken insgeheim mehr Anerkennung – für die Begeisterung der Beschenkten ist der Preiszettel aber eher wurscht.

Im Zweifel hilft es, uns in die Beschenkten hineinzuversetzen und zu überlegen, was sie gerne hätten. Das bringt uns weg vom egoistischen Fokus auf den Akt des Schenkens und hin zu einem sinnvollen Packerl. Gemeinsame Interessen können helfen: Wo ich mich auskenne, finde ich eher Passendes für andere. Wenn wir die anfangs erwähnten Fehler vermeiden, sind wir ohnehin schon überdurchschnittlich gute Christkinder.

Und wenn jetzt immer noch Planlosigkeit herrscht, inspirieren vielleicht die nachfolgenden Empfehlungen der STANDARD-Redaktion.


Mit dem Viererbob in den Eiskanal

In einer Minute donnert man in Igls durch 14 Kurven und einen Kreisel.
Foto: APA/EXPA/Groder

Für Fans von Geschwindigkeit

Vermutlich wegen meiner großen Liebe zum Filmklassiker Cool Runnings, in dem Jamaikaner bei Olympia Bob fahren, ermöglichte mir meine Mutter mein eigenes Boberlebnis: mit Profis im Viererbob die Olympiabahn in Innsbruck-Igls runterdonnern. Das sieht so aus: Der Pilot und der Bremser wissen, was sie tun, die zwei in der Mitte nicht. Deswegen erklärt einem der Pilot vorab die Strecke. Bei einer Kurve hieß es: "Hier alles anspannen, die Fliehkraft ist so stark, dass es euch sonst den Kopf zwischen die Knie drückt, und dann tut euch eine Woche das Genick weh." Jaja, fahren wir endlich. Innerhalb kürzester Zeit schießt man mit mehr als 100 km/h den Kanal runter. Völlig begeistert ob der Geschwindigkeit erschien mir das Mitzählen der Kurven nicht mehr so wichtig. Bei besagter Steilwand drückte es mir, wie versprochen, den Kopf zwischen die Knie. Noch eine Woche später erinnerte mich mein Genick daran, dass Grundrechnungsarten Sinn haben. Es war grandios. (and)


Der Shiatsu-Masseur

Leuchtet diabolisch, tut aber himmlisch gut.
Foto: Nana Siebert

Womit man Bürohengsten einen Gefallen tut

Man soll kein Buch nach seinem Umschlag beurteilen. Und kein Geschenk nach der Verpackung. Lassen Sie sich also bitte nicht täuschen, wenn das Donnerberg-Shiatsu-Massagegerät wie billiger Homeshoppingkanal-Schund aussieht. Das Ding ist g-e-n-i-a-l (Sie verzeihen fehlende journalistische Äquidistanz, aber wir sollen hier ja etwas empfehlen!). Ich bin Büroarbeiterin, sitze die ganze Zeit nur vor dem PC – wie viele. Durch das ständige Anstarren des Bildschirms leide ich unter Nackenproblemen – wie alle. Der Donnerberg ist die einfachste Methode, sich besser zu fühlen. Man hängt sich das Teil um wie eine Medaille, es hat vorn zwei Schlaufen, in die man die Hände legen kann. Dann drehen sich die integrierten Massageköpfe, währenddessen spendet das Gerät Infrarotwärme. Man sieht mit dem Masseur um den Hals zwar ein wenig blöd aus – aber gut tut er. Was mehr kann ein Geschenk leisten? (nas)


Ein Sportwagen für einen Tag

Auch abseits von Rennstrecken können Tagesmieten Freude machen.
Foto: AP / Porsche Cars North America

Besser als ein Wein: Papa fährt Porsche

Mein Vater ist äußerst schwer zu beschenken. Sätze wie "Ich habe eh schon alles" oder "Brauchst mir nix schenken" gehören zu seinen Standard-Antworten auf die Frage nach Wünschen. Wie jedes Jahr war ich also planlos. Ich wusste allerdings, dass er seit Kindertagen immer schon mal einen Porsche lenken wollte. Leider war mein Budget nicht üppig genug, um einen Sportwagen zu kaufen, deshalb habe ich beim örtlichen Autohaus einen 911er gemietet. Einen Tag lang durfte er seinen Bubentraum leben. Bis heute hat er sich nie wieder so sehr über ein Geschenk gefreut.

Ein großer Pluspunkt von solchen "Erlebnisgeschenken" ist, dass sie zu zweit genossen werden können. So bleibt neben der Freude auch eine Erinnerung erhalten, die sich als wertvoller und nachhaltiger herausstellen kann als eine Weinflasche, die die Weihnachtsfeiertage sowieso nicht überlebt. (maxi)


Eine Akupressurmatte

Kann im ersten Moment wehtun, sorgt im Idealfall aber für Erlösung.
Foto: Shaktimat

Schmerzhaft gut gegen Verspannung und Stress

In unserem Haushalt wird die verführerisch bunt leuchtende Matte mit den tausenden Spitzen liebevoll auch als "Foltermatte" bezeichnet. In der Praxis wirkt sie bei Verspannungen, Rückenweh, aber auch bei Stress Wunder. Je nach Schmerzempfinden muss man sich an das moderne Nagelbrett zwar erst langsam gewöhnen. Hat man die ersten paar Minuten überstanden, kann es aber auch schnell passieren, dass man tiefenentspannt auf der Matte einschläft. Für meinen Masseur, der mir das Teil empfohlen hat, war das jedenfalls kein gutes Geschäft. Die Homeoffice-bedingten Rückenschmerzen konnte ich dadurch gut in den Griff bekommen. Als Geschenk an meine Schwester kam die Matte übrigens auch ausgezeichnet an. Die meisten Matten sind schön gestaltet, auch Sets mit Kissen sind verfügbar. Hinsichtlich Materialien und Verarbeitung lohnt es sich, nicht zum billigsten Produkt zu greifen. (step)


Profi-Fotoshooting

Profis wie Franz Preschern inszenieren altmodische Gruppenporträts neu.
Foto: Preschern / Meine Sicht der Dinge

Erinnerungen an alte Zeiten wecken

Ich bin nicht immer der kreativste Schenker, umso glücklicher war ich letztes Jahr über meine Idee, den Eltern eine Erinnerung an das zu schenken, was ihnen am wichtigsten ist: Familie.

Beide Elternhäuser haben – bis auf ein paar Renovierungen – ihren charmanten Charakter behalten. In beiden Wohnstuben hängen alte, teils vergilbte Gruppenporträts der Großfamilien. Wenngleich leider nur mehr ein Großelternteil lebt, erfreuen sich zumindest alle meiner vielen Tanten und Onkel noch großteils bester Gesundheit. Weshalb ich ihnen ein Shooting samt professionellem Fotografen an verschiedenen Locations im alten Elternhaus geschenkt habe.

Beim anschließenden Grillfest für die gesamte Nachbarschaft wurde die Erinnerung an viele alte Lieblingsplatzln aufgefrischt und auf Bildern festgehalten – da waren dann auch alle nochmals lockerer als beim Profishooting davor. (faso)


Der Beckenboden-Trainer

Schaut unspektakulär aus, hat es aber faustdick in den Kugeln.
Foto: Regina Bruckner

Workout brauchen alle Muskeln – wirklich alle!

Man überlegt ja schon etwas länger, ob man seine Nächsten wirklich mit einem Sextoy bedenken kann. Doch wer eine Liebeskugel einmal in Händen hielt, weiß: Man kann, sehr gut sogar. Es heißt ja, dass diese meist in Silikon verpackten Dinger schon seit Jahrhunderten echte Freudenspender sein können. Zuallererst soll man in Japan darauf gekommen sein. Probieren geht in diesem Fall über Studieren. Das Schöne ist: Diese Loveballs haben auch darüber hinaus einen echten Nutzen.

Zumindest für Frauen. Denn abgesehen davon, dass ein erfülltes Sexleben allen wohlbekommt, hilft das Spielzeug mit dem hübschen Namen auch beim Training gegen Beckenbodenschwäche. Sie mögen schmunzeln – aber derlei kommt gar nicht so selten vor! Vorbeugung ist also clever. Zugegeben, Beckenbodenmuskulatur-Workout klingt zunächst nicht sehr sexy – aber Sport ist Sport. (rebu)


Ein leuchtender Erwecker

Der Lichtwecker beginnt schüchtern, kann aber ganz schön hell werden.
Foto: Schmitzberger

Schmerzlinderung für chronische Morgenmuffel

Gnadenlose Wecktöne der Güteklasse Feueralarm stehen auf meiner Liste der grässlichsten Foltermethoden weit oben. Wenn mein Tag früh beginnt, beginnt er meistens schlecht.

Ein Lichtwecker kann zwar nicht den Schlaf verlängern, aber den ersten Moment des Tages etwas weniger grausam gestalten. Vor der Weckzeit simuliert er den Sonnenaufgang und wird immer heller, als Weckton fungiert sanftes Vogelgezwitscher. So soll sich das Aufwachen natürlicher anfühlen und die Wahrscheinlichkeit des völligen Erschlagenseins gemindert werden.

Der Lichtwecker ist nicht nur mein Lieblingsgadget, sondern ein bewährtes Geschenk. Aufwachen muss jeder, die meisten zu früh. Ein Tipp: Kaufen Sie einen, bei dem sich das Uhrzeit-Display für die Nacht völlig ausstellen lässt. Der orangene Lichtschein älterer Versionen sabotiert abgedunkelte Zimmer. (schau)