Selbst Giuseppe Garibaldi, Kämpfer für ein vereinigtes Italien, konnte dieser süßen Sünde nicht widerstehen: ein flaumiges Biskuitgebäck mit einer Fülle aus Crema pasticcera. Der frivole Name „Nonnenbrüste“ verweist einmal mehr auf die Verwobenheit von Kirche und Küche in Italien – und auf die fließenden Grenzen zwischen Erotik und Keuschheit, Glaube und Blasphemie.

Die gelangweilte Nonne

Von den Abruzzen bis nach Sizilien ist das Gebäck heute verbreitet. Eine Nonne im Kloster Altamura in Apulien soll es erfunden haben. Wie oft in Klöstern wurden den Gläubigen auch hier nach der Sonntagsmesse Kaffee und kleine Köstlichkeiten aus der Klosterbackstube angeboten. Einmal hatte eine junge Nonne, gelangweilt vom immer gleichen Kuchen, mit einem Spritzsack einzelne Teigportionen aufs Blech gesetzt. Der Teig wölbte sich beim Backen schön auf, allerdings entstand ein Hohlraum. Den kaschierte die Nonne indem sie ihn mit Crème füllte. Und beim Kaffee nach der Messe soll ein Gast amüsiert gesagt haben: “Oh, le minne de le suor!" Oh, ein Nonnenbusen! Der Name blieb hängen.

Foto: Alessandra Dorigato

Der Busen der Heiligen Agatha

In Catania auf Sizilien verbindet man das Gebäck allerdings seit jeher mit der Heiligen Agatha. Man erzählt, dass der römische Prokonsul Quintinianus während seines Aufenthalts in der Stadt die 15-jährige Agatha sah und sofort begehrte. Das Mädchen, eine Gott geweihte Jungfrau aus wohlhabendem Haus, gab seinen Wünschen jedoch nicht nach. Agatha soll daraufhin in ein Freudenhaus verschleppt worden sein. Als sie die Avancen des Prokonsuls immer noch ablehnte, wurde sie verurteilt: Als Teil der Folter wurden ihr beide Brüste abgeschnitten. Mit dem süßen Gebäck in Brustform, das mancherorts auch aus Brotteig ist, wird an die Leiden der jungen Frau und an ihre Beständigkeit im Glauben erinnert.

Foto: Alessandra Dorigato

Zutaten (für 12 Nonnebrüste)

Teig

  •  200 g Eier, circa 4 Eier
  • 40 g Eiweiß, circa von 1 Ei
  • 200 g Mix africano, spezieller Mehlmix für Nonnenbrüste

Crema pasticcera

  • 500 ml Milch
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 4 Dotter
  • 110 g Zucker
  • 30 g Mehl
  • 10 g Speisestärke

Außerdem

  • 100 ml Schlagobers
Foto: Alessandra Dorigato

Backofen auf 180 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen. Bachblech mit Backpapier auslegen.

Alle Zutaten für den Teig gleichzeitig in die Küchenmaschine geben und cremig schlagen. Die feste Masse in einen Spritzsack füllen und damit Kreise von circa 5 bis 6 Zentimeter Durchmesser auf dem Backpapier formen. Im heißen Ofen circa 20 bis 25 Minuten goldgelb backen. Während des Backens die Tür des Ofens mit einem Kochlöffel offenhalten, damit die Feuchtigkeit abziehen kann.

Schüssel für die Crema pasticcera in den Tiefkühler stellen. Milch, Vanilleextrakt mischen und in einem Topf erhitzen, bis die Milch kurz vor dem Kochen ist. Mit einem Schneebesen Dotter und Zucker verquirlen. Mehl und Stärke sieben und nach und nach mit der Dottermasse vermengen. Die Milch (mit maximal 82 Grad) in zwei Portionen vorsichtig in die Ei-Mehl-Mischung gießen. Dabei ständig rühren. Die ganze Masse zurück in den Topf füllen und bei mittlerer Hitze und unter Rühren einige Minuten köcheln, bis die Masse cremig wird.

Die Creme sofort in die eisgekühlte Schüssel umfüllen und kräftig rühren, bis ihre Temperatur möglichst schnell auf 50 Grad sinkt. Das vermeidet einen Geschmack nach Eierspeise und verleiht der Crème ihren Glanz. Schlagobers fest schlagen. Crème auskühlen lassen und mit dem Obers vermischen. In einen Spritzbeutel füllen. Mit einem Messer ein kleines Loch in den Boden der Nonnenbrüste schneiden und diese mit Crème füllen.

Buon appetito!

Foto: Alessandra Dorigato

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