Der rechtsextreme Präsidentschaftskandidat Éric Zemmour polarisiert.

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Paris – Nach dem von mehreren gewaltsamen Zwischenfällen überschatteten Wahlkampfauftakt des rechtsextremen französischen Präsidentschaftskandidaten Éric Zemmour hat die Staatsanwaltschaft in zwei Fällen Ermittlungen aufgenommen. Dabei geht es um Gewaltakte von Zemmours Anhängern gegen Mitglieder einer Antirassismusorganisation und einen Angriff auf Zemmour selbst, teilte die Behörde am Montag mit. Auch Journalisten wurden bei der Veranstaltung am Sonntag angegriffen.

Mit Sesseln beworfen

Auf Videos war zu sehen, wie eine Protestaktion der Organisation SOS Racisme in eine Schlägerei mündete. Mehrere Demonstranten waren während der Rede Zemmours aufgestanden und hatten mit Buchstaben auf ihren T-Shirts den Slogan "Nein zu Rassismus" gebildet. Daraufhin wurden sie von Anhängern Zemmours angegriffen und auch mit Sesseln beworfen. Nach Angaben der Organisation wurden fünf Aktivisten verletzt, zwei mussten von Sanitätern versorgt werden.

Die Wahlkampfveranstaltung geriet komplett außer Kontrolle.
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Zemmour selbst war von einem Mann am Handgelenk verletzt worden, als er zur Bühne ging. Der Mann hatte sich auf ihn gestürzt, wurde dann von Sicherheitsleuten festgehalten und kam in Polizeigewahrsam. Wegen des Verdachts auf vorsätzliche Gewalt werde er weiter in Gewahrsam bleiben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach Angaben seiner Mitarbeiter wurde Zemmour für neun Tage krankgeschrieben. Das hinderte ihn allerdings nicht, seine Teilnahme an einer TV-Debatte am Dienstag bekanntzugeben.

68 Personen festgenommen

Auch Journalisten wurden während des Treffens angegriffen, darunter ein Team der Satiresendung "Quotidien" und zwei Journalisten der Nachrichtenseite "Mediapart". Letztere wurden nach eigenen Angaben auf den Hinterkopf geschlagen und reichten am Montag Klage ein, wie aus einem Dokument hervorgeht, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag.

Insgesamt wurden wegen der Ausschreitungen bei der Veranstaltung 68 Personen festgenommen worden. Am Montagabend waren nur noch sechs in Gewahrsam.

Zemmour hatte sich in einem Messezentrum im Pariser Vorort Villepinte von mehreren Tausend Anhängern feiern lassen. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit der Bekanntgabe der Präsidentschaftskandidatur. In seiner Rede stellte er sich als Opfer von Politikern und Journalisten dar und rief zur "Rückeroberung" Frankreichs auf. Zemmour vertritt teilweise extrem migrationsfeindliche und nationalistische Positionen und wurde deshalb bereits zweimal rechtskräftig wegen Volksverhetzung verurteilt.

In den Umfragen hatte Zemmour zeitweise die Rechtspopulistin Marine Le Pen überholt, die zum dritten Mal antritt. In den vergangenen Wochen fiel er wieder deutlich hinter sie zurück. Derzeit liegt er mit etwa 13 Prozent hinter Le Pen mit 19 bis 20 und Amtsinhaber Emmanuel Macron mit 23 bis 24 Prozent. Macron hat seine Kandidatur noch nicht offiziell erklärt, seinenWahlkampf aber inoffiziell längst begonnen. (APA, 7.12.2021)