In Fahrt.

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Abu Dhabi – Lewis Hamilton hat unter Rennbedingungen die klare Tagesbestzeit vor dem Finale der Formel 1 aufgestellt. Im zweiten Freien Training am frühen Freitagabend auf dem Yas Marina Circuit von Abu Dhabi war Hamilton über sechs Zehntel schneller als sein viertplatzierter WM-Rivale Max Verstappen im Red Bull. Noch zwischen dem siebenmaligen Weltmeister im Mercedes und Verstappen lagen Esteban Ocon im Alpine und Valtteri Bottas im zweiten Mercedes.

Verstappen und Hamilton gehen punktgleich in das letzte der 22 Saisonrennen an diesem Sonntag (14.00 Uhr/ORF 2, Sky). Dank neun Siegen des 24 Jahre alten Niederländers gegenüber acht des Briten würde Verstappen unter anderem Weltmeister, wenn beide ausscheiden. Hamilton muss vor Verstappen ins Ziel kommen, um zum achten Mal den Titel zu holen und damit Rekordweltmeister Michael Schumacher zu überflügeln.

Vor dem Showdown der Formel 1 in Abu Dhabi herrscht freilich Hochspannung. Die Furcht vor einem Crash bei der Entscheidung des WM-Duells zwischen Verstappen und Hamilton ist da. Droht sogar das unrühmliche Ende einer mitreißenden Saison, eine Entscheidung in der Nacht am Grünen Tisch und damit ein Titel mit Makel? "Das ist Stoff für Legenden", hieß es über die Internetkanäle der Rennserie. "Kühler als die Klimaanlage", bezeichnete die "Daily Mail" die Eiszeit zwischen den Piloten.

Historische Chance

Der 24 Jahre alte Verstappen steht vor dem ersten Titelgewinn seiner Karriere, die ihn mit 17 Jahren direkt in Formel 1 geführt hat. Gepriesen wurde er als Jahrhunderttalent, eingebremst aber auch durch sein bisweilen ungezügeltes Temperament. Der 36 Jahre alte Hamilton steht beim denkwürdigen letzten Akt eines 22-teiligen Saison-Dramas mit Kollisionen, Beleidigungen und Vorwürfen vor seinem achten WM-Triumph – es wäre einer mehr als die sieben von Michael Schumacher, also historisch.

"Eine Sache ist sicher: Hamilton hat mehr Angst vor Verstappen als umgekehrt", befand der "Telegraaf" aus Verstappens Heimat Niederlande. Es ist die fast einmalige Konstellation, die dieses Finale so besonders macht: Nur 1974 reisten zwei Fahrer schon einmal punktgleich zum letzten Rennen. 369,5 Zähler haben Verstappen und Hamilton, das macht die Rechnung ebenso einfach wie brisant: Scheiden beide zum Beispiel aus, ist Verstappen dank mehr Saisonsiegen (9:8) der neue Weltmeister.

"Max kann Lewis nicht einfach von der Strecke rammen", warnte Rennleiter Michael Masi aber in der britischen "Daily Mail". Er stellte in seinen Anmerkungen noch vor dem Fahrerbriefing am Freitag klar, dass bei Zuwiderhandlung Strafen drohen. Es wäre nicht das erste Mal. Ayrton Senna machte es in seiner Karriere, Michael Schumacher auch. Beide wurden jeweils hart sanktioniert. Nichts mit WM-Titel, Schumacher wurde seinerzeit sogar für eine ganze Saison (1997) nachträglich disqualifiziert.

Ein Ding der Medien

"Was immer notwendig" ist, will Verstappen nach eigener Aussage unternehmen, um sich zu krönen. Die Sache mit dem Unfall sei ein Ding der Medien, fand er. Der Kompromisslos-Pilot fühlt sich als Opfer und Benachteiligter durch die Rennkommissare. Was andere dürften, würde bei ihm bestraft. Der Blick auf die vergangenen Rennen zeigt aber auch, wie der Sohn des ehemaligen Piloten Jos Verstappen auf der Strecke agiert. Grenzwertig, und manchmal darüber hinaus.

Verstappen gegen Hamilton, Red Bull gegen Mercedes. Es ist auch ein Kampf der Rennstall-Regime, die beiden Teams machen seit 2010 die Titel unter sich aus. Das mit österreichischer Lizenz fahrende Red Bull Racing triumphierte mit Sebastian Vettel 2010, 2011, 2012 und 2013. Seitdem ist – auch dort unter rot-weiß-roter Führung mit Toto Wolff und lange auch Niki Lauda – Silberpfeil-Zeit. Seitdem gewann Hamilton sechsmal die WM, nur einmal wurde er geschlagen. 2016 triumphierte am Ende der Saison Nico Rosberg.

Längst hat der aktuelle Zweikampf das Duell der beiden damaligen Teamkollegen weit überboten. Es ist ein schmutziges, ein Duell bisweilen über dem Limit. In Silverstone, in Monza und zuletzt in Saudi-Arabien kollidierten beide. Außerhalb giften sich die Teambosse gegenseitig an. In Abu Dhabi gab es dennoch ein historisches Bild, als Wolff und Christian Horner einander die Hände schüttelten und sich "Viel Glück" wünschten.

Erinnerungen

Kimi Räikkönen demolierte am Freitag seinen Alfa Romeo, als er in die Streckenbegrenzung krachte. Der 42-jährige Finne blieb unverletzt, er bestreitet an diesem Wochenende seinen letzten Grand Prix in der Formel 1. Deshalb fährt sein Teamkollege Antonio Giovinazzi am Wochenende mit dem Helmdesign, mit dem Räikkönen einst im Ferrari Weltmeister geworden ist. Auf dem Auto steht der an Räikkönens legendären Funkspruch angelehnte Satz "Kimi, wir lassen dich in Ruhe". (APA, 10.12.2021)

Ergebnisse der freien Freitag-Trainings der Formel 1 für den Grand Prix von Abu Dhabi:

1. Session: 1. Max Verstappen (NED) Red Bull 1:25,009 Min. – 2. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +0,196 Sek. – 3. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +0,346 – 4. Sergio Perez (MEX) Red Bull +0,354 – 5. Yuki Tsunoda (JPN) AlphaTauri +0,369 – 6. Fernando Alonso (ESP) Alpine +0,616 – 7. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri +0,813 – 8. Charles Leclerc (MON) Ferrari +0,837 – 9. Carlos Sainz Jr. (ESP) Ferrari +0,877 – 10. Sebastian Vettel (GER) Aston Martin +0,998

2. Session: 1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:23,691 Min. – 2. Esteban Ocon (FRA) Alpine +0,343 Sek. – 3. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +0,392 – 4. Max Verstappen (NED) Red Bull +0,641 – 5. Sergio Perez (MEX) Red Bull +0,709 – 6. Fernando Alonso (ESP) Alpine +0,804 – 7. Yuki Tsunoda (JPN) AlphaTauri +0,841 – 8. Charles Leclerc (MON) Ferrari +0,866 – 9. Carlos Sainz Jr. (ESP) Ferrari +1,153 – 10. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri +1,249