Aleksandar Dragović (l.) ist Integrationsfigur bei Roter Stern Belgrad.

Foto: EPA/Delagdo

Aleksandar Dragović hatte schon mal weniger zu Lachen in seinem Leben. Umso glücklicher ist der ÖFB-Verteidiger im Hier und Jetzt. Mit seinem neuen Klub Roter Stern Belgrad erreichte Dragović als Sieger in Gruppe F (Braga, Mydtjylland, Ludogorets) das Sechzehntelfinale der Europa League. Vorbei ist die Zeit als Reservist bei Leverkusen, als Bankangestellter in Leicester.

"Es ist traumhaft und genau so, wie ich es mir erwartet habe. Ich spüre die Wertschätzung vom Coach, von den Fans. Ein großes Kompliment an die Mannschaft. Unglaublich, was wir da geleistet haben", sagt Dragović.

Bei Dragović hat man das Gefühl, er sei schon ewig im Geschäft. Mit Fragen nach dem Karrierende beschäftigt sich der 98-fache Nationalteamspieler aber nicht. Warum auch? Der Mann ist erst 30 Jahre alt. Und halt schon mit 18 Jahren Vollprofi geworden.

Richtige Entscheidung

Den Wechsel von Leverkusen zu Roter Stern Belgrad hat so mancher Fußballexperte als Rückschritt für Dragović bezeichnet. Serbien liegt in der UEFA-Fünfjahreswertung auf Rang 11, Österreich ist Achter. Als Stammspieler hat er fünf von von sechs EL-Gruppenspielen absolviert, nur eine Corona-Infektion zwang ihn zu einer Pause. In Belgrad ist er Galionsfigur. Von Restaurantbesitzern wird er öfters zum Essen eingeladen, auf der Straße kann er nicht mehr unbemerkt flanieren gehen.

Er soll die Lust am Fußball wieder gefunden haben, sagen Beobachter. Nach einer Saison mit voller Spielpraxis wird ein Wechsel im kommenden Sommer in eine stärkere Liga sicher Thema werden.

Das Fundament seines Lebenswegs sind seine Großeltern. Sein Großvater, früher Fabriksarbeiter, opferte all seine Zeit für seinen Enkel, chauffierte ihn jeden Tag zum Training bei der Austria, förderte ihn, wo er nur konnte. Egal ob in Leverkusen, Basel, Leicester oder Kiew, seine Großeltern zogen als Rückhalt stets mit zur nächsten Karrierestation.

Dragović hatte Angebote aus Russland, aus der Serie A in Italien. Trotzdem entschied er sich für Serbien. In der Liga liegt Roter Stern Belgrad mit drei Punkten Rückstand auf den Stadtrivalen Partizan an zweiter Stelle. "Klar, Serbien ist nicht Deutschland, aber ich spiele lieber jede Woche hier als einmal in vier Wochen in Leverkusen." (Florian Vetter, 10.12.2021)