Johannes Auer aus Innsbruck strahlt an diesem Sonntag mit der Sonne um die Wette. Neben dem Burgenland und Vorarlberg sperrt auch in Tirol Gastronomie und Hotellerie wieder auf. "Wir freuen uns sehr, endlich für unsere Gäste da sein zu dürfen. Die Stimmung ist absolut positiv", sagt der Gastronom. Mit dem Auis in der Museumstraße und dem Flo Jos in der Innsbrucker Altstadt betreibt er zwei schon in Nicht-Pandemie-Zeiten populäre Lokale in der Tiroler Landeshauptstadt. Von Lockdown zu Lockdown hat er sich mit Take-away-Angeboten gehantelt. Das galt auch für die vergangenen drei Wochen. Mit "echtem Betrieb" sei das nicht zu vergleichen. Auch was den Umsatz betrifft. Denn, so Auer: "Die Lieferdienste behalten 20 bis 30 Prozent für sich, uns bleibt da dementsprechend weniger."

Auer will nicht jammern: Die geltenden Covid-Regeln für Gastronomiebetriebe hält er für sehr praxisfreundlich: "Ich war überrascht, dass es gleich wieder voll losgeht, ohne Abstandregeln." Indoor sind bis 300 Personen erlaubt, pro Tisch maximal 25. "Wir dachten erst, es werden sicher zwei Meter Mindestabstand zwischen den Tischen kommen", ist Auer positiv überrascht. Die obligatorische 2G-Regel sei gut umsetzbar. Die gute Buchungslage gibt dem Gastronom recht: "Wir sind fast schon wieder ausgebucht." Seit die Öffnung und die Regeln bekannt sind, klingelt bei Auer das Telefon unablässig: "Auch Weihnachtsfeiern werden nun gebucht."

Tirol sperrt auf – die Menschen nehmen das dankbar an. Am Christkindlmarkt und bei manchen Gastronomen in Innsbruck herrscht reges Treiben.
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Gut 500 Kilometer östlich atmete am Sonntag auch das Burgenland ziemlich hörbar auf. Vor einem Mattersburger Wirtshaus waren an diesem Sonntagvormittag keine Parkplätze mehr zu finden. Die Bude war also, um es so zu sagen, bummvoll. Die Wirtin kontrollierte nach Gesicht: Von den Stammgästen wusste sie den Impfstatus, von allfälligen Fremden wurde er recht nachdrücklich erfragt. Alle hatten sich in die Liste einzutragen, die schon vor dem Lockdown den Contact-Tracern zur Nachschau bereitgehalten werden musste. Das wurde von Beamten der Bezirkshauptmannschaft kontrolliert, und die waren mit Polizeibegleitung unterwegs.

2G oder gar nicht

Die Wirte waren also gewissermaßen gebrieft: 2G oder geh! So hält man es auch in einer Tennishalle nahe Mattersburg. Der Chef kontrollierte mit seiner Handyapp penibel den Impfstatus der Gäste, die sich ihrerseits einzuloggen haben auf der App namens Gastrotracker. Man halte das, sagt der Wirt, nicht wegen der Drohung von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) so.

Sie hat ja gedroht, kontrollscheue Wirte hätten die Corona-Förderungen zurückzuzahlen. "Zuvor sollten diese Förderungen am Konto sein, dann erst könnte man über allfällige Rückzahlungen reden." Der Lockdown hatte im Burgenland einen besonderen Aspekt, erzählt die aus Sopron pendelnde Kellnerin. "Am Mittwoch, der in Österreich ja ein Feiertag gewesen ist, war ganz Sopron zu mit Österreichern. Ich habe zum Einkaufen zwei Stunden gebraucht. Normalerweise dauert das 15 Minuten."

Auf dem Rathausplatz in Wien wurden irrtümlich zusätzlich zum 2G-Nachweis PCR-Tests verlangt.
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Möglicherweise deswegen zeigt sich auch Varga Bálint so gut gestimmt. Der Ungar ist in Sopron daheim und verdient sein Geld damit, dass er seine "Erdélyi kürtöskalács" auf Märkten an Mann und Frau bringt. Sonntagmittag ist die Zahl der Interessenten an seinen Baumkuchen am gut abgeriegelten Christkindlmarkt im Wiener Prater überschaubar. "Das wird schon noch. Die Besucher werden kommen", wälzt der junge Mann in seinem Knusperhäuschen zuversichtlich die Nascherei in Zimt und Zucker.

Er sei froh, dass er hier sein könne. Anders als ein Wiener Kollege, der Punsch und Co ausschenkt. "Keine Tische, eine Beschränkung von 300 Leuten, das rechnet sich nie", sagt der Marktstandler. An guten Tagen würden hier schon einmal 12.000 Besucher durchgeschleust. Er stehe nur hier, weil man den Vertrag unterschrieben habe. Wien hätte besser mit der Marktöffnung auf die Gastroöffnung am 20. Dezember gewartet, brummelt er. Die anwesenden Besucher lassen sich die Stimmung nicht verleiden. "Einer geht noch", schiebt ein sichtlich angeheiterter Wiener sein Punschhäferl über den Tresen.

Eine Panne gab es laut "Kronen Zeitung" beim Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz. Am Vormittag wurden demnach den Besuchern neben dem 2G-Nachweis auch ein gültiger PCR -Test abverlangt. Wer einen solchen nicht mitgebracht hatte (was tatsächlich auch nicht erforderlich ist, Anm.), wurde bis zum Aufklären des Missverständnisses weggeschickt. (Steffen Arora, Regina Bruckner, Wolfgang Weisgram, 13.12.2021)