Der Fahrer hätte nahe Mórahalom von der Polizei überprüft werden sollen, fuhr aber einfach weiter – und krachte anschließend in ein Blumengeschäft.

Foto: Ferenc Donka

Weil ein Schlepper mit seinem Fahrzeug vor einer Polizeikontrolle fliehen wollte, sind im Süden Ungarns in der Nacht zum Dienstag sieben Flüchtlinge gestorben. Die Polizei wollte den Großraum-Pkw im Zentrum der Ortschaft Mórahalom im Rahmen einer Routinekontrolle im grenznahen Raum anhalten. Der Fahrer des in Serbien zugelassenen Fahrzeugs gab jedoch Vollgas, als er die Beamten erblickte. Wenig später raste der Wagen in die Hauswand eines Blumengeschäfts, prallte ab und überschlug sich. Der Fahrer, ein serbischer Staatsbürger, und drei Flüchtlinge erlitten Verletzungen. Die anderen sieben Insassen verstarben an der Unfallstelle.

Die Polizei nahm den Schlepper fest und leitete gegen ihn ein Verfahren wegen Menschenschmuggels und Verursachung eines Massenunglücks mit Todesfolge ein. Die überlebenden Flüchtlinge werden nach der Versorgung ihrer Verletzungen voraussichtlich nach Serbien zurückgeschoben.

Häufig Unfälle im ganzen Landesgebiet

Unfälle mit Schlepperfahrzeugen sind in Ungarn häufig. Sie verlaufen selten so tragisch wie jener in der Nacht zum Dienstag. Die 24 Flüchtlinge, die am 11. November im Ort Domaszék aus einem umgekippten Lieferwagen gezogen wurden, kamen mit Blessuren davon.

Mórahalom und Domaszék liegen nahe der serbischen Grenze. Doch die Unfälle ereignen sich im ganzen Landesgebiet, auch in Westungarn und unweit der österreichischen Grenze. Die Passagiere in den Fahrzeugen haben alle den ungarischen Grenzzaun überwunden, den der rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orbán im Herbst 2015 mit viel Trara an der Grenze zu Serbien hatte errichten lassen.

Wärmebildkameras, Drohnen und regelmäßige Patrouillen entlang des Grenzzauns bewirken auch eine große Zahl von Aufgriffen durch die ungarische Polizei. Durchschnittlich rund 2.000 Flüchtlinge pro Woche stellt die Behörde nach eigenen Angaben, um sie umgehend zu den "Funktionstoren" der Sperranlage zu "geleiten", wie es in den Polizei-Kommuniqués euphemistisch heißt.

Illegale Push-backs

In Wirklichkeit handelt es sich um illegale Rückschiebungen auf serbisches Staatsgebiet – um sogenannte Push-backs. Die Betroffenen haben dabei keine Möglichkeit, im EU-Land Ungarn um Asyl anzusuchen. Urteile des Europäischen Gerichtshofs haben die Praxis als Verstoß gegen das EU-Recht gewertet. Gegen Ungarn laufen deshalb auch EU-Vertragsverletzungsverfahren. Die Orbán-Regierung ignoriert diese weitgehend. (Gregor Mayer aus Budapest, 15.12.2021)