Von steigenden Inzidenzen lassen sich die Madrilenen nicht die vorweihnachtliche Laune verderben. Wie die meisten Spanier vertrauen sie der hohen Impfquote. Rund 90 Prozent aller Bürger über elf Jahren sind bereits vollständig geimpft.

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Madrid – "Das ist ein anderer Planet hier", meint so mancher Madrid-Urlauber. Restaurants und Clubs sind in der spanischen Hauptstadt derzeit oft so voll, dass sich vor der Tür trotz inzwischen kühlerer Temperaturen lange Schlangen bilden. Obwohl die Corona-Zahlen auch in Madrid schon seit Wochen wieder steigen, pocht die Metropole derzeit auf ihren Ruf als einschränkungsresistente Party-Hochburg. 3G? Gibt's nicht.

Ungeimpfte dürfen auch ohne Test oder Corona-Pass nahezu überall hinein. Im Rest des Landes ist man teilweise vorsichtiger. In einigen Regionen wurde etwa die 3G-Regel in verschiedenem Umfang eingeführt, mancherorts für Lokale mit größeren Kapazitäten, wie etwa auf den Balearen, oft aber auch nur für den Besuch von Krankenhäusern oder Seniorenheimen.

Hohe Nachfrage bei Firmen-Weihnachtsfeiern

Nicht nur in Madrid, überall in Spanien geht das Leben nahezu normal weiter. Konzerte finden problemlos vor tausenden Besuchern statt. Beim Fußball gibt es keine "Geisterspiele". Und in Madrid stehen sich die Menschen ebenso wie auf Mallorca, in Alicante und Barcelona trotz der 3G-Regel gegenseitig auf den Füßen, wenn sie vor Discos, Restaurants und Einkaufstempeln auf Einlass warten.

Besonders hoch her geht es zurzeit bei den Firmen-Weihnachtsfeiern zu. Die Nachfrage ist so groß, dass zahlreiche Restaurants die Preise zum Teil deutlich erhöht haben und Reservierungen von größeren Gruppen ablehnen. Es sind oft Treffen von 70, 80 oder noch mehr Menschen. "Die beliebtesten Lokale sind schon lange ausgebucht", zitierte die Zeitung "El País" vor einer Woche den Präsidenten des Gaststättenverbands CEHE, José Luis Yzuel. "Es gibt kaum Angst", stellte das Blatt fest.

Restaurants gut gebucht

Die Omikron-Variante habe zwar zu Absagen geführt. "Es waren aber nur wenige", versichert Yzuel. Dass vor einigen Tagen knapp 70 Ärzte und Pfleger einer Klinik in Málaga nach einem Weihnachtsessen mit gut 170 Teilnehmern positiv getestet wurden, obwohl sie vor dem Treffen Antigentests gemacht hatten, vermiest nur wenigen die Partylaune. Ein Einzelfall, meinen viele – wie Alba Costa, die in einem Krankenhaus in Getafe südlich von Madrid arbeitet. Die 29-jährige Ärztin erklärt: "Im vorigen Winter haben wir das nicht einmal in Erwägung gezogen, aber mit der Impfung und den PCR-Tests, die wir im Krankenhaus regelmäßig machen, geht es. Deshalb wollen wir Mitte des Monats unser Weihnachtsessen doch veranstalten."

Die großen Weihnachtsessen feiern bei Firmen und Familien eine Renaissance, nicht nur in Madrid. Die Zeitung "El Periódico" schrieb am Montag, in der Autonomen Gemeinschaft Extremadura an der Grenze zu Portugal seien "alle Restaurants ab Mittwoch fast zu 100 Prozent gebucht".

Deutlich besser

Die meisten Spanier vertrauen der hohen Impfquote. Rund 90 Prozent aller Bürger, die älter als elf Jahre sind, sind bereits vollständig geimpft. Die Fünf- bis Elfjährigen werden ab Mittwoch geimpft. Demos von Verschwörungstheoretikern und Impfgegnern gibt es überhaupt nicht. Die Menschen genießen das Leben in vollen Zügen, bleiben aber vorsichtig: Auf der Straße tragen sehr viele, auch viele Jüngere, fast immer weiterhin Maske, obwohl dafür keine Pflicht mehr herrscht.

Ist Spanien ein "Corona-Paradies"? Nicht ganz: Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz kletterte vom 2021er-Tiefstwert von rund 18 Mitte Oktober zuletzt auf 164. In Madrid lag dieser Wert bei 98. Damit liegt man trotz der jüngsten Anstiege immer noch deutlich besser als viele andere Länder Europas. In Spanien ist die Lage auf den Intensivstationen laut Behörden weiterhin relativ entspannt, es gibt auch vergleichsweise wenige Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 – gut 150 in der vergangenen Woche. (APA, dpa, 15.12.2021)